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Football-Tagebuch

Touchdown in Miami - Kickstart in der Neuen Welt

01.02.2010 | 15:40 Uhr
Touchdown in Miami - Kickstart in der Neuen Welt

Miami. In der Nacht von Sonntag auf Montag steigt der Super Bowl der National Footlball League in Miami. In seinem Football-Tagebuch notiert Patrick Brandenburg seine Erlebnisse in den USA. Erste Notiz: der Besuch des All-Star-Spiels in Miami.

Einundzwanzig Grad Celsius - wenn das mal keine Vorhersage ist, um mit meinen Kumpels rund um Dortmund eine Neiddebatte anzuzetteln. Kurze Hosen und Longdrinks statt Eisschollen auf dem Bier wie neulich beim BVB-Spiel gegen Freiburg: Während das Revier mit dem Winter kämpft, habe ich mich mit Kollegen nach Miami/Florida abgesetzt, um im Sunshine State Sportarten-Fortbildung zu betreiben.

American Football heißt das Zauberwort, und gerade sind wir mit dem Pro Bowl, dem traditionellen All-Star-Spiel der US-amerikanischen Profiliga NFL, in eine heiße Woche gestartet, die in der Nacht von Sonntag auf Montag ihren Höhepunkt im Super Bowl findet - dem Finale.

Touchdown in Miami - Kickstart in der Neuen Welt. Es ist schon ungewohnt: Gut neunzig Spieler stehen da unten auf dem Rasen des Dolphins Stadiums in Miami - weit mehr als bei jedem Fußball-Bundesligaspiel. Die Kader, oder wie die Amis sagen Roster, sind viel größer als beim Lieblingssport der Deutschen. Es gibt Spieler nur für die Offensive, Spieler nur für die Defensive und Spezialisten für zahlreiche Sonderaufgaben.

"Football for Dummies"

Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Warum heißt es eigentlich „Football“, obwohl die Jungs das Ei in der Regel in Händen halten? Dank der Lektüre von „Football for Dummies“ kann ich inzwischen einen "Defensive End" vom "Left Tackle" unterscheiden.

Aber die meisten Namen da unten auf dem Feld sind mir unbekannt. Das liegt aber nicht alleine an mir. Etliche Hauptdarsteller dieser Saison sind bei diesem Appetithappen für den Super Bowl gar nicht erst dabei.

Die Knochen schmerzen

Der 40-jährigen Football-Legende Brett Favre etwa schmerzen die alten Knochen. Und der angeschlagene Spielmacher Tom Brady, der Posterboy des American Football, kümmert sich lieber mit Supermodel Gisele Bündchen um das neugeborene Söhnchen.

Auch die Akteure der beiden Endspielteams New Orleans Saints und Indianapolis Colts sind vom Showmatch befreit, weil es zum ersten Mal überhaupt in der Woche vor dem großen Saisonfinale stattfindet und nicht hinterher. Da werden keine Verletzungen mehr riskiert.

Nicht mehr auf Hawaii

Dass die Partie nicht auf Hawaii steigt, wie in den vergangenen 30 Jahren, war wohl ebenfalls kontraproduktiv für ein Schaulaufen der Superstars. Der traditionelle Ausflug ins Südseeparadies - meist mit Kind und Kegel - galt selbst den verwöhnten NFL-Profis als besonderer Saisonabschluss.

Im Vergleich dazu scheint das Rentnerparadies Südflorida einigen Veteranen fast schon zu profan. Jedenfalls Bryant McKinnie von den Minnesota Vikings, der in vergangenen Tagen in Miamis Kneipen versumpfte und schon vor Anpfiff nach Hause geschickt wurde.

Im Lkw zum Training

Interessante Typen gibt es aber auch so noch genügend zu bewundern, etwa den Exzentriker Chad Ochocinco. Der verrückte Passempfänger von den Cincinnati Bengals pflegt mit einer aufgemotzten Lkw-Zugmaschine zum täglichen Training zu kommen und setzt in der Liga Standards in Sachen Jubelchoreografie.

Aber der Hammer ist: Ochocinco hieß früher schlicht Johnson. Er hat die spanische Übersetzung seiner Rückennummern 8 und 5 als Nachname im Pass eintragen lassen. Dabei hat der Afroamerikaner noch nicht einmal lateinamerikanische Wurzeln. Wäre das nicht auch was für meine Dortmunder Borussen? Mats Quince statt Hummels oder Marcel Veintinueve statt Schmelzer?

Team AFC siegt mit 41:34

Trotz der vielen Ausfälle unter den Sportberühmtheiten und zwischenzeitlichem Nieselregens haben die gut 71.000 Fans im nicht überdachten Stadion ihren Spaß beim 41:34-Sieg von Team AFC (American Football Conference) über Team NFC (National Football Conference).

Nicht nur wegen der insgesamt neun Touchdowns und der vier Feldtore. Allstar-Spiele haben in den USA einfach Tradition. Anders als bei uns in Deutschland. Auch ich bin ganz zufrieden mit dem Abenteuer Pro Bowl, auch wenn der Spannungsbogen eines Ligaspiels fehlt. Fast hätte ich sogar vergessen, dass am Morgen dieses Sporttages die Internetübertragung der BVB-Pleite in Stuttgart meine Laune im Sunshine State kurzfristig verhagelt hatte.

Patrick Brandenburg

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