Tief im Tunnel der Trauer

Montreal..  Es gibt diese Momente, in denen das Fußballleben mal eben inne hält. Und so stand Celia Sasic nun mit Schlusspfiff wie festgewurzelt, seitlich vom Anstoßkreis, die Hände in die Hüfte gerammt und den Blick an die eigenartige Dachkonstruktion gerichtet, die das Olympiastadion von Montreal überspannt.

Die Mittelstürmerin war abgetaucht in ihren Tunnel der Trauer. Wieso konnte sie von derselben Stelle, an der sie im Viertelfinale noch gegen Frankreich zwei Elfmeter zielgenau in die linke Ecke gejagt hatte, nun im Halbfinale gegen die USA den Strafstoß nur links neben den Pfosten setzen? Nach rund einer Stunde beim Stande von 0:0.

Später in der Mixed Zone versuchte die bislang sechsmal erfolgreiche WM-Torschützin, obwohl nahe am Heulkrampf, eine Erklärung abzugeben. „Beschissen“, flüsterte sie als Antwort auf die erste Frage nach ihrem Gemütszustand. „Es tut mir so leid, in all diese traurigen Gesichter sehen zu müssen. Ich habe eine riesengroße Chance vergeben.“ In der Funktion der Führungsspielerin übernahm sie volle Verantwortung. Vergangenen Freitag hatte die frankophil geprägte Bundesliga-Torschützenkönigin in der frankophonen Großstadt noch geträllert: „Das Rezept ist: Ball hinlegen, Tor machen. Kopf aus und rein.“ Was damals so unendlich leicht klang, war diesmal so unglaublich schwierig.