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Kampf um die Ehre

Tennisspielerin Sarah Gronert als Mann angefeindet

29.07.2008 | 17:53 Uhr

Hamm. Als Tennisspielerin gehört Sarah Gronert zu den Aufsteigerinnen der kleinen WTA-Tour. Bis auf Weltranglisten-Position 704 hat sich die 22-Jährige vorgekämpft. Einen anderen Kampf droht sie zu verlieren: den gegen den Rufmord. Geboren als Hermaphrodit, wird sie nun als Mann beschimpft.

„Die Sarah hat's nicht einfach im Leben”, sagt Prof. Dr. Peter Westerheide, seines Zeichens Sportwart des Ruderclubs Hamm, „deshalb mussten wir den Gerüchten Einhalt gebieten.” Den Gerüchten, Sarah Gronert sei eigentlich ein Mann, wie sie von unterlegenen Konkurrentinnen zu hören bekam. Mal hinter vorgehaltener Hand, meistens aber offen und bösartig.

Sarah Gronert spielt für den Ruderclub Hamm.

Deswegen griff der Tennis-Regionalligist gemeinsam mit dem Westfälischen Tennis-Verband zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Mit „einer persönlichen Erklärung gegen die ehrverletzenden Gerüchte” versucht der Tennisklub die Karriere einer jungen, hübschen Frau zu retten. Die Liste der Beweise ist lang: Geburtsurkunde, der medizinische Nachweis des weiblichen Geschlechts gemäß gynäkologischer Untersuchung im Universitätsklinikum Aachen - und dann noch dazu die Versicherung von Sarah Gronert, nie Dopingmittel genommen zu haben. Und für den Fall von weiteren Verdächtigungen werden juristische Schritte angedroht.

Tatsächlich ist Sarah Gronert anders als ihre Konkurrenten im Tenniszirkus. Und anders gilt auch in einer aufgeklärten Gesellschaft immer noch als fremd und suspekt. So wurde Sarah Gronert als Hermaphrodit (Zwitter) geboren, entschied sich für das weibliche Geschlecht und begann dann mit ihrer Tenniskarriere. „Sie wurde in der weiblichen Tennisszene sehr angefeindet”, erklärt Westerheide. Am schlimmsten „angemacht” beim Turnier in Alkmaar, das Schlüsselerlebnis für die junge Frau.

Denn danach war es vorbei mit der Lust am Tennis, die Lästereien hatten ihr Ziel erreicht. Der RC Hamm, Teilnehmer an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, musste im Juli ohne seine Westfalenmeisterin gegen Leverkusen, Düsseldorf und Halle auskommen. Aufstieg adé. „Ohne sie ging's nicht”, resümiert Westerheide, „dabei hat sie sich bei uns so wohl gefühlt.”

Wenig subtile Anfragen der Gegnerinnen vor den Aufstiegssspielen, wie es denn um das Geschlecht der Spielerin aus Hamm bestellt sei, hatten Sarah Gronert bewogen, sich erstmal mit ihrem Lebensgefährten und Trainer zurückzuziehen. „Dabei hat sie erst im März so richtig mit dem Tennis angefangen”, erklärt der Sportwart.

Zuvor schien die Karriere so erfrischend leicht zu verlaufen: Der erste Turniersieg im März und etliche Erfolge gegen die Gesetzten zeigten reichlich Luft nach oben in der Weltrangliste. „Sie hat das Zeug für 100 bis 200, vielleicht sogar unter 100”, prophezeit Westerheide.

Zumindest sei die 22-Jährige „froh, dass es jetzt durch ist ist”, behauptet zumindest Westerheide. Ein Outing, das für neue Kraft sorgen soll. Denn in Hamm warten sie sehnlichst auf die Rückkehr ihrer talentierten Spielerin. „Einen sehr guten Aufschlag”, attestiert ihr der Hammer Sportwart, „sie spielt immer alles oder nichts.” Ob sie tatsächlich gewinnt, werden die nächsten Wochen entscheiden. „Wir stehen alle hinter ihr und hoffen, dass sie zur Ruhe kommt”, sagt ihr Sportwart. Seine Zweifel kann er aber nicht verbergen.

René Schröder

Kommentare
04.08.2008
22:18
Tennisspielerin Sarah Gronert als Mann angefeindet
von Pete Schmidt | #14

Unter www.sarah-gronert.de kann man Sarah eine Aufmunterungsnachricht hinterlassen!

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Tennisspielerin Sarah Gronert als Mann angefeindet
Tennisspielerin Sarah Gronert als Mann angefeindet
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2008-07-29 17:53
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