Interview : Turnierdirektor vom World-Team-Cup: "Haben uns verbessert"

Düsseldorf. Turnierdirektor Dietloff von Arnim spricht über die Qualität beim World-Team-Cup, Weltranglistenpunkte, Antrittsgelder und Sonderwünsche.
Es ist wieder soweit: World Team Cup in Düsseldorf. Vom 17. bis 23. Mai gibt's Weltklasse in familiärer Atmosphäre. Und, nachdem die Tennis-WM im vergangenen Jahr einen Zuschauerrückgang hinnehmen musste, sehen sich die Macher wieder auf einem guten Weg. Dietloff von Arnim ist es gelungen, dass im Rochusclub erstmals um Weltranglistenpunkte gespielt wird. Die NRZ sprach mit dem Turnierdirektor.
Berlin hat sein Damen-Turnier verloren, dem Hamburger Rothenbaum wurde der Masters-Status aberkannt. Deutschland wird zunehmend zur Tennis-Diaspora. Müssen wir fürchten, dass es den World Team Cup bald nicht mehr gibt?
Dietloff von Arnim: Wir haben einen Vertrag mit der Spielergewerkschaft ATP bis 2012. Was danach passiert, das steht in den Sternen. Frühestens in zwei Jahren werden wir mit der ATP über eine weitere Verlängerung reden. Aber eins will ich betonen: Weltweit ist die Nachfrage nach Tennisturnieren ungebrochen.
Sagen Sie...
von Arnim: Die gibt's wirklich. Das sieht man sehr deutlich daran, dass sich um die Zweite Turnier-Kategorie, die 1000er Kategorie, die jetzt von Hamburg nach Madrid gegangen ist, insgesamt 29 Turnierveranstalter beworben haben.
Tatsache ist, dass in Deutschland selbst der World Team Cup mit Problemen zu kämpfen hat. Im vergangenen Jahr kamen 70 000 Zuschauer in den Rochusclub, so wenig wie seit 1986 nicht mehr.
von Arnim: Wir haben in Deutschland sicherlich zu kämpfen, aber für Düsseldorf gibt es trotzdem positive Anzeichen. Wir hatten eine gute Fernsehpräsenz, wir hatten bessere Einschaltquoten und damit auch bessere Reichweiten. Was uns im vergangenen Jahr Probleme bereitet hat, waren kurzfristige Absagen von Spielern. Die Leute waren verletzt, das kann man nie ausschließen, aber natürlich leidet die Attraktivität für den Tennisfan.
Leider gab's im Vorjahr auch das abgeschenkte Match von David Ferrer, der gegen Philipp Kohlschreiber nach 46 Minuten verloren hatte.
von Arnim: Was Ferrer gemacht hat, ist nicht zu akzeptieren. Ich habe auch nicht verstanden, warum er dafür von der ATP nicht bestraft worden ist. Ein solches Verhalten darf man den Leuten im Rochusclub und den Zuschauern vorm Fernsehen nicht zumuten. Dass David ein Problem mit seiner Freundin hatte, darf er nicht nachher erzählen, sondern das muss er vorher seinem Trainer erzählen, damit ein anderer spielen kann.
Solch ein Match wird sich womöglich nicht wiederholen, weil sie es nach über 30 Jahren geschafft haben, dass beim World Team Cup erstmals um Weltranglistenpunkte gespielt wird.
von Arnim: Unser Turnierformat bietet den großen Vorteil, dass man Spieler, die nicht antreten können, ersetzen kann. So ist dem Zuschauer, auch wenn er enttäuscht ist, trotzdem Spitzentennis garantiert. Ich habe immer die Gewähr, hier in Düsseldorf spielt Land A gegen Land B.
Thema Weltranglistenpunkte . . .
von Arnim: Sie haben vollkommen Recht, wir vergeben jetzt und auch in Zukunft Weltranglistenpunkte. Das ist eine der besten Nachrichten, die wir in der Geschichte des Turniers überhaupt hatten. Die Behauptung, der ein oder andere Spieler nähme das Turnier nicht so ernst, ist hoffentlich ein für allemal hinfällig.
Verglichen mit den großen Turnieren – gibt es Punkte in einer relevanten Größenordnung zu gewinnen?
von Arnim: Es ist auf jeden Fall ein interessanter Anreiz. Ein Robert Söderling zum Beispiel, der für Schweden im vergangenen Jahr alle Matches hier gewinnen konnte, hätte sich in der Jahresweltrangliste von 18 auf 13 verbessert. Ein Quantensprung, zumal wenn man bedenkt, dass die Profis am Ende ihrer Karriere immer nach ihrer höchsten Ranglistenposition gefragt werden.
Die Wertigkeit von Turnieren wird an der Anzahl der Top-Ten-Spieler festgemacht – ist das ein gerechter Indikator?
von Arnim: Das ist die offizielle Benchmark, das ist schon fair. Trotzdem sollte man natürlich genauer hingucken, wer tatsächlich kommt, und wer wie gut auf welchem Belag ist.
Im vergangenen Jahr gab's die leise Kritik, dass nur zwei Top-Ten-Spieler in Düsseldorf waren. Wie viele werden es in diesmal sein?
von Arnim: Wir haben drei Profis aus den Top Ten, die, und das finde ich toll, noch nie im Rochusclub waren. Gilles Simon und Jo-Wilfried Tsonga aus Frankreich und Juan Martin del Potro aus Argentinien. So gesehen haben wir uns um 50 Prozent verbessert.
Martin del Potro dürfte das Zugpferd sein . . .
von Arnim: Martin del Potro hat gerade erst gegen Rafael Nadal gewonnen. Er ist einer der attraktivsten Newcomer der Szene, der auf Asche beinahe unschlagbar ist, wie man gesehen hat, als er im vergangenen Jahr zehn Turniere in Folge gewinnen konnte.
Demnach ist Argentinien Favorit?
von Arnim: Ich setze auf die Franzosen oder auf die Serben, aber was die Argentinier betrifft, da ist ganz interessant, dass alle drei Spieler, die hier antreten, aus einer Stadt kommen. Aus Tandil. Da sollte man als Deutscher Tennisbund vielleicht mal hinfahren und gucken, wie man Nachwuchsförderung macht.
Was erwarten Sie von der deutschen Mannschaft?
von Arnim: Die Mannschaft hat 2005 gewonnen, sie war 2006 im Finale, und in den beiden vergangenen Jahren hatte sie bis zur letzten Partie die Chance, ins Finale einzuziehen. Patrick Kühnen hat es als Teamkapitän immer geschafft, dass vom ganzen Team gutes Tennis geliefert wird. Das macht mich zuversichtlich.
Wie ist die Entwicklung bei den Antrittsgeldern?
von Arnim: Keine Antrittsgelder, wir zahlen einen gewissen Bonus innerhalb des ATP-Pools. Darüber hinaus liegt es an uns, den Spielern schmackhaft zu machen, nach Düsseldorf zu kommen. Du bekommst schon ab Sonntag dies oder jenes Hotelzimmer...
Wurden wieder mal skurrile Sonderwünsche angemeldet?
von Arnim: Wenn es welche gäbe, würde ich es nicht sagen, weil es den Spieler bloßstellen würde.
Schade . . .
von Arnim: Früher, das kann ich jetzt ja erzählen, da gab es einige Beispiele. Pete Sampras brauchte ein abgedunkeltes Schlafzimmer, das sieben Grad kalt sein musste. Oder ein anderer Spieler wollte einen 24-Stunden-Service mit Burger-Anlieferung zu jeder Tageszeit haben. So was in der Art gab es. Aber im Augenblick habe ich eher das Gefühl, dass die Spieler wieder normaler werden.



Annike Krahn
























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