Stresstest für die Wölfe

Wolfsburg..  Machtkampf beim Mutterkonzern VW, laufende Untersuchung des Geschäftsmodells durch Europas Fußball-Union, 1:4-Demütigung gegen den SSC Neapel: Auf dem angestrebten Weg an die europäische Fußballspitze werden die Herausforderungen für den VfL Wolfsburg immer größer. Am Freitag nach dem laut VfL-Sportchef Klaus Allofs „schwarzen Tag“ in der Europa League gab es zumindest wieder eine positive Nachricht für den VW-Klub: Konzernchef und Fußball-Narr Martin Winterkorn hat den Machtkampf an der Führungsspitze des Autobauers vorerst gewonnen.

„Das, was man sagen kann, ist, dass das Engagement von VW beim VfL personenunabhängig ist“, hatte Allofs noch in der Nacht nach dem 1:4-Debakel gegen Napoli angesichts des da noch unklaren Ausgangs der Führungskrise beim Mutterkonzern geunkt. Nun besteht auch offiziell Klarheit: Über die jährlichen finanziellen Zuwendungen im hohen zweistelligen Millionen-Bereich muss sich der Bundesligazweite kurzfristig erst einmal keine Gedanken mehr machen.

Über die tatsächliche Leistungsstärke im internationalen Spitzenvergleich schon mehr. „Neapel zerfleischt Wolfsburg“, titelte die „Gazzetta dello Sport“. „Wir können es sehr viel besser. Von daher würde ich sagen, dass es ein schwarzer Tag war“, sagte Allofs nach dem fast besiegelten Ausscheiden schon nach dem Hinspiel im Viertelfinale: „Die Möglichkeiten im Rückspiel sind jetzt natürlich beschränkt“.

Zumindest die Qualifikation zur Champions League hat der Volkswagen-Klub bereits sicher. Am Sonntag gegen Schalke 04 (17.30 Uhr) soll ein weiterer Schritt in Richtung direkter Einzug gemacht werden. Die ist dem VfL angesichts von neun Punkten Vorsprung auf Rang vier wohl kaum mehr zu nehmen.

Freitag tagten die Finanzkontrolleure

Gegen Napoli bekam der VfL einen Vorgeschmack auf das, was ihn in der Königsklasse erwartet. „Das ist ein Spiel, das uns weiterbringen kann“, sagte Trainer Dieter Hecking. In der Tat erhielt Wolfsburg Nachhilfe in den Fächern Cleverness, Effizienz und internationaler Härte. Dazu hat der VfL trotz aller finanzieller Unterstützung von VW eben keinen Gonzalo Higuain in seinen Reihen. Der Stürmer ragte bei der Partie heraus, während Wolfsburgs Star Kevin De Bruyne mit unterging.

Die 40 Millionen Euro, die Neapel 2013 für Higuain an Real Madrid überwies, nahmen Allofs und VW für einen einzigen Spieler bislang nicht in die Hand. Noch nicht. Allofs kann ja weiterhin mit den VW-Millionen planen. Zumindest so lange nicht doch noch die Uefa eingreift. Am Freitag tagten wieder die Finanzkontrolleure. Es geht um die Frage, ob VW für die Zuwendungen einen adäquaten Gegenwert erhält. Noch gibt es keine Entscheidung.