Spurensuche gestaltet sich nach Manipulationsverdacht schwierig

Das Testspiel zwischen Wehen Wiesbaden (weiße Trikots) und Gladbach steht unter Manipulationsverdacht.
Das Testspiel zwischen Wehen Wiesbaden (weiße Trikots) und Gladbach steht unter Manipulationsverdacht.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Kuriose Elfmeter-Entscheidungen bei Test zwischen Gladbach II gegen Wehen in der Türkei. Jetzt untersucht der DFB die hohen Wetteinsätze in Asien.

Belek.. Die Schwierigkeiten waren offensichtlich. Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff des Testspiels im türkischen Belek zwischen SV Wehen Wiesbaden und Hannover 96 (1:2) am Montag zur Mittagszeit sollte die türkische Schiedsrichterin Leman Bozacıoğlu als vierte Offizielle die Namen des Gespanns auf ein Formblatt mit Fifa-Aufdruck eintragen. Hektisch schwirrten zwei Mitarbeiter der Hamburger Agentur Match IQ um die junge Frau herum. In einem deutsch-türkischen Kauderwelsch wurde die Frau aufgefordert, lesbar zu schreiben. „Wir sind alle aus der Türkei“, sagte Leman Bozacıoğlu noch.

Dokumente sind wichtig bei den derzeit unzähligen Testspielen an der türkischen Riviera. Immer wieder kommt es vor, dass dort Partien unter Manipulationsverdacht geraten. Krassester Fall war vor vier Jahren ein Spiel von Werder Bremen, als sich ein gesperrter bulgarischer Schiedsrichter unter Angabe einer falschen Identität auf den Platz schmuggelte und eine zehnminütige Nachspielzeit ansetzte.

Wetten aus Asien in großem Stil

Nun ist auch das am Samstag in Side ausgetragene Freundschaftsspiel des Drittligisten SV Wehen Wiesbaden gegen die in der Regionalliga beheimatete zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach (3:1) ins Visier der Ermittler geraten. Vom Kontrollorgan, der Firma Sportsradar AG, ging der Hinweis ein, dass in Asien im großen Stil auf eine bestimmte Anzahl von Toren gewettet wurde.

Mehr Informationen gibt der in der Schweiz ansässige Überwacher, der im Auftrag von DFB und DFL die Spiele auf sportwettenbezogene Unregelmäßigkeiten überwacht, vorerst nicht heraus. Der DFB lässt sich einen Spielbericht kommen, der vom Kontrollausschuss ausgewertet wird.

Wehen-Sportdirektor sah Szenen nicht: "Sonne stand zu tief"

Fakt ist: Der türkische Schiedsrichter Ali Can Soudal verhängte zwei Elfmeter, die Wehen zum 1:1 und 2:1 verwandelte. Wehens Sportdirektor Christian Hock beteuerte die Unschuld seines Klubs: „Wir haben damit nichts zu tun. Wir hatten keinen Einfluss.“ Er habe die besagten Szenen nicht genau gesehen, „die Sonne stand zu tief“. Wehens Trainer Sven Demandt sprach offen von einem „Elfmeter-Geschenk“, der Gladbacher Trainer Arie van Lent von einem „Slapstick-Elfmeter“.

Manipulation Ein Gladbach-Fan erzählte: „Wir haben sofort gesagt: Entweder war der Schiedsrichter betrunken oder bestochen.“ Die Verantwortung für die verdächtige Partie trug der Reiseveranstalter Bluebird, der für den Drittligisten Wehen das Trainingslager organisiert hat. „Wir haben den Schiedsrichter aber bei der Agentur TSS Tour bestellt“, sagte Bluebird-Mitarbeiter Erkan Ak und schob den schwarzen Peter damit weiter.

Schwierige Spurensuche

Die Spurensuche gestaltet sich schwierig. Generell gelte vor Ort, dass die Schiedsrichter „beim türkischen Verband bestellt werden“, erklärte der für Match IQ arbeitende Ferit Turgut. Kurios: Noch 2014 durften nach früheren skandalösen Vorfällen junge deutsche Schiedsrichter Partien mit deutscher Beteiligung pfeifen. „Das ist hervorragend gelaufen“, beteuert Hannovers Sportvorstand Martin Bader. Nun aber habe der türkische Fußballverband (TFF) dieser Praxis einen Riegel vorgeschoben.

Aber klaglos dulden will Bader die mögliche Mauschelei zwischen den Pinienwäldern eben nicht – „sonst machen wir den Sport und den Fußball kaputt“. Insofern war Hannovers erster Test unter Thomas Schaaf am Montag ein Fortschritt: Ein Wehener Handspiel auf der Torlinie vor dem 96-Siegtor übersah Schiedsrichter Gökyen Toprak nur deshalb, weil der Nachschuss den Weg in die Maschen fand. SVW-Trainer Demandt fand die generöse Geste in Ordnung: „In Deutschland hätte es dafür wieder Rot und Elfmeter gegeben.“