Wie der ASC Duisburg serienmäßig ins DM-Endspiel einzieht

Jan Obschernikat (reachts) und der ASC Duisburg wollen die Spandauer im Finale um die Deutsche Meisterschaft wieder ärgern.
Jan Obschernikat (reachts) und der ASC Duisburg wollen die Spandauer im Finale um die Deutsche Meisterschaft wieder ärgern.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Die Wasserballer des ASC Duisburg stehen dank guter Jugendarbeit zum neunten Mal in Folge im DM-Finale. Ihre Gegner aus Berlin verfolgen ein anderes Konzept.

Duisburg.. Wasserball ist eine trainingsintensive Sportart. Zwei-, dreimal wöchentlich ziehen sich deshalb auch die kantigen Spieler des ASC Duisburg bereits morgens um 6 Uhr die Badehose an, um vor der Uni oder der Schule eine Einheit abzuspulen. In der vergangenen Woche hat Arno Troost seinen Jungs ein zeitiges Aufstehen erspart. „Mit Frühtraining wird man nie einen Sportler zufrieden machen“, sagt der Trainer des ASCD, „denn wenn man müde ist, wird man latent unzufrieden.“ Und mürrische Spieler kann Troost schon gar nicht gebrauchen, wenn die Duisburger gegen die Wasserfreunde Spandau 04 um die Deutsche Meisterschaft spielen. Mal wieder.

Spandauer Übermacht

„Über Spannung brauchen wir in unserer Sportart nicht zu reden“, greift der Duisburger Coach dem ersten Spiel der Best-of-five-Serie an diesem Mittwoch (20 Uhr, Kruppstraße) vorweg. Wem der Fußball mit Bayern München als Immer-wieder-Titelträger eintönig erscheint, muss sich mal die Ehrentafel des deutschen Wasserballs anschauen: Seit 1979 haben die Berliner 33 Titel geholt, dazwischenfunken konnten ihnen nur Waspo Hannover 1993, der SV Cannstatt 2006 und 2013 der ASC Duisburg. Mit dem es nun die neunte Finalserie in Folge gibt. „Es war aber nie so schwierig wie diesmal“, erklärt Troost, im achten Jahr ASCD-Coach, „von der Ausgangssituation vor der Saison war es nicht so, dass es auf diese Paarung hinausläuft.“

Wasserball Das liegt daran, dass sich dem unbestreitbaren Spitzenduo des deutschen Wasserballs ein dritter Verein als Konkurrent hinzugesellt hat: Waspo Hannover. Die Niedersachsen, punktgleicher Zweiter mit Spandau nach der Bundesliga-Hauptrunde, warfen die Duisburger im Halbfinale mit drei Siegen aus dem Wettbewerb – glatter als erwartet. „Früher sind wir zum Halbfinale gefahren, in dem es dann bei drei Siegen nur um die Höhe ging“, erklärt Troost, „jetzt stehen wir in einer Konkurrenz, die es im vergangenen Jahr gar nicht gab.“ Mehr Wettbewerb, mehr Spannung – klingt doch hervorragend, wenn selbst gegen den Bundesligavierten Kantersiege erzielt werden.

Amateure durch und durch

Die Duisburger leben gerne aus, wofür das A in ihrem Vereinskürzel steht: Amateur zu sein. Ihre Jugendarbeit ist beispielhaft, viele der Nationalspieler sind Eigengewächse. Die finanziellen Möglichkeiten bei Spandau waren schon immer andere, nun aber hat sich aber auch Hannover entschlossen, dem Erfolg nachzuhelfen. Mit positiv Verrückten, wie manche über Waspo-Trainer Karsten Seehafer sagen, weil er Spielern Berufsperspektiven in seinem florierenden Metallunternehmen bietet. Dieses Konzept hat schon in anderen Randsportarten gegriffen. „Das ist ja aller Ehren wert“, gehört Arno Troost dennoch nicht zu den Jubelnden, „man sollte sich nicht von den wichtigen Dingen unseres Sports ausklammern – und das ist die Nachwuchsarbeit. Ich kann mich nicht dafür feiern lassen, Duisburg, Spandau und Esslingen die Arbeit machen zu lassen und dann gereifte Talente abzugreifen,“

So hat sich der Waspo zum Titelkandidaten aufgeschwungen, indem der Emporkömmling vom Branchenprimus aus der Hauptstadt fünf Spieler abgeworben und Spandau 04 dadurch geschwächt hat. Dazu erlaubt es die geänderte Regel Hannover und Berlin, mit fünf ausländischen Spielern aufzulaufen. Der ASCD spielt mit einem rumänischen Center und einem Ex-Spandauer. Troost: „Das Besondere an den Duellen mit Spandau oder Waspo ist die Prinzipienfrage: Ist es okay, dass man sich im Sport einen Titel kauft? Für uns ist es daher wichtig zu zeigen, dass es mit Fleiß, Talent und deutschen Spielern möglich ist, gegen solche Mannschaften zu bestehen.“

Ein Sieg ist das erste Ziel

Das wollen die Amateure auch am Mittwochabend zum Finalauftakt in ihrem Vereinsbad belegen. Ihr Bundesligaheimspiel haben sie gegen die Spandauer gewonnen, auswärts dagegen in Liga und Pokal zweimal verloren. „Wir haben unser Ziel erreicht, eine Medaille zu bekommen. Jetzt folgt die Kür“, strebt Arno Troost in der Serie zumindest einen Sieg an. Die Garantie dazu gebe auch nicht das ungeliebte morgendliche Training. Wobei: Um die Motivation der Duisburger muss man sich nun wirklich keine Sorgen machen.