Westfalens Tennis-Amateure verärgert über Regeländerung

Demnächst soll im dem westfälischen Ligen der dritte Satz entfallen - zum Unmut der Aktiven.
Demnächst soll im dem westfälischen Ligen der dritte Satz entfallen - zum Unmut der Aktiven.
Foto: Imago
Der westfälische Verband schafft den dritten und entscheidenden Satz auf allen Ebenen ab. An der Basis regt sich Widerstand, doch der ist offenbar vergebens.

Hagen.. Wenn die Sommer-Saison im Tennis beginnt, wird Frank Kramer wieder am Seitenrand der Ascheplätze stehen und aufmerksam das Geschehen beobachten. Der Sportwart des Herdecker TV schaut dann zu, wie etwa die ­Verbandsliga-Herren im Schatten der riesigen Ruhrbrücke aufschlagen. Eigentlich wird alles wie gewohnt aussehen. Doch den eigenen Sport, sagt Kramer, wird er nicht wieder erkennen.

Denn mit Beginn der Saison tritt eine neue Regelung in Kraft, die das sportliche Geschehen maßgeblich verändern wird. Ein möglicher dritter Satz wird nicht mehr ausgespielt, ersetzt wird dieser nun durch einen Match-Tiebreak. Und das von der Westfalen- bis hin zur Kreisliga. Mit dieser Veränderung geht der Westfälische Tennis-Verband (WTV) Konform mit den Bundes- und Regionalligen. Die neue Regelung soll den Sport schneller machen, Spiele sollen nicht mehr von früh morgens bis spät abends gehen. Doch bei vielen Spielern und Verantwortlichen stößt das auf Fassungslosigkeit und Empörung. Sie finden: Die Tradition geht verloren, der Tennissport verliert seinen Charakter.

Klares Votum gegen den dritten Satz

Einer der Traditionalisten ist Frank Kramer. Er ist so etwas wie der Kopf eines breiten Widerstands. Er kennt die Argumente, die zur Regeländerung geführt haben. Die Spiele sollen nicht mehr so lange gehen, die Platzbelegung somit entlastetet werden. Zudem soll eine Regel-Vereinheitlichung mit höheren Ligen vor allem bürokratisch vieles für den Verband vereinfachen. Der WTV-Sportausschuss entschied sich mit 13:1 Stimmen gegen den dritten Satz. Doch für Kramer haben die Argumente keine Substanz.

Ausblick „Wir haben im Verein herum gefragt. Niemand will, dass die Spiele kürzer dauern. Viele haben ohnehin nur fünf, sechs Spiele pro Saison. Und wenn wir anderthalb Stunden nach Bad Laasphe fahren, sind wir eh fast den ganzen Sonntag unterwegs“, sagt Kramer. Weitere Argumente der Kritiker: die Entscheidung über Sieger und Verlierer verkommt zum Glücksspiel um wenige Punkte, die Kondition spielt kaum noch eine Rolle, dem Tennis geht Spannung verloren. Jüngst erst, erzählt Kramer, feierte der WTV seinen Warsteiner Schützling Jan-Lennard Struff für sein packendes Daviscup-Match in Frankfurt. Fünf Sätze, fast fünf Stunden. Ein Spektakel. Mit der neuen Regelung wird es solche Dramen im Kleinen nicht mehr geben. „Wir sollen die gleichen Regeln wie die Bundesliga haben, aber die interessiert kaum einen. Die Leute interessieren große Ereignisse wie der Daviscup.“

Rückendeckung erfuhr er reichlich. Also machte sich der Herdecker Sportwart zum Verbandstag des WTV auf nach Kamen. Kramer hatte sich seine Argumente gut überlegt, zu Wort kam er indes kaum. Sein Vortrag wurde auf einem Flipchart zwar präsentiert, doch die Entscheidung oblag dem Sportausschuss - und dieser hatte eben nicht getagt.

Sportausschuss lässt sich nicht umstimmen

Der Herdecker gab nicht auf und beschwerte sich bei WTV-Präsident Robert Hampe, der selbst von der neuen Regelung „schockiert“ war. Der Sportausschuss traf sich erneut, diesmal mit Frank Kramer. Bei dieser Gelegenheit ließ man ihn zu Wort kommen. Aber keine Chance: Erneut wurde vor ein paar Tagen final für den Match-Tiebreak gestimmt. „Einer gegen alle war das“, meint Kramer.

Der Ärger des Sportwartes sowie vieler Gegner richtet sich gegen Lutz Rethfeld, Vizepräsident Wettkampfsport im WTV. Der kann den Wirbel kaum nachvollziehen. „Es gibt Für und Wider. Aber viele beschweren sich andauernd gegen Neuerungen. Diese Leute reißen immer den Bagger auf und tun dann eh nichts“, schimpft Rethfeld, zuständiges Mitglied des Sportausschusses. Dass sich Leute nun ganz von der Ballsportart abwenden, hält er für Unsinn: „Ob ich Tennis spiele, mache ich doch nicht davon abhängig, ob es einen dritten Satz gibt.“ Von Vertretern anderer Verbände, die die Neuregelung längst eingeführt haben, habe er nur Positives gehört. „Am Anfang ist das Geschrei groß. Das legt sich dann wieder“, sagt Rethfeld.

Frank Kramer will sich nicht so schnell beruhigen. Er hält es für möglich, dass Vereine den Verband boykottieren. Rethfeld entgegnet: „Das ist doch Quatsch. Das entbehrt jeglicher Grundlage.“