Tischtennis-Profi Franziska kann Weg zum EM-Titel ebnen

Tischtennis-Nationalspieler Patrick Franziska spielt bei der Europameisterschaft in Lissabon eine wichtige Rolle für das deutsche Team.
Tischtennis-Nationalspieler Patrick Franziska spielt bei der Europameisterschaft in Lissabon eine wichtige Rolle für das deutsche Team.
Foto: getty
Was wir bereits wissen
Bei der Mission EM-Titelverteidigung spielt Patrick Franziska eine wichtige Rolle. Das Turnier liegt ihm, das deutsche Tischtennis-Team setzt in Lissabon auf ihn. Zumal: Patrick Baum musste seinen Start absagen, der Einsatz von Dimitrij Ovtcharov ist nach einer Zahn-Operation ungewiss.

Düsseldorf.. Als Kind hat Patrick Franziska oft in Freundebücher geschrieben. Die Frage „Was will ich werden, wenn ich groß bin?“ beantwortete er ohne Zögern: Tischtennisprofi. Ganz klar. Damals lachten seine Freunde darüber. Heute lacht Franziska.

Erst neulich fiel ihm die WM-Silbermedaille aus Tokio wieder in die Hand. Das war beim Umzug von seinem Heimatdorf in Hessen nach Düsseldorf. „Es war schön, daran erinnert zu werden, aber ich laufe nicht jeden Tag an ihr vorbei und denke an die Zeit“, sagt er. Das Edelmetall liege wieder im Schrank. Das nächste darf folgen.

Stimmt das Umfeld, stimmt Franziskas Leistung

Bei der Team-Europameisterschaft in Lissabon (24.-28. September) hat er die Chance dazu. Da wird er gebraucht. Deutschlands Nummer eins, Dimirij Ovtcharov, fährt nach einer Zahn-Operation angeschlagen nach Portugal, Patrick Baum hat nach dem Unfalltod seines Vaters abgesagt.

Tischtennis Franziska liegen diese Turniere. Der 22-Jährige aus Bensheim braucht die familiäre Umgebung, die gemeinsame Vorbereitung, das herbergsartige Leben mit den Kollegen. „Es ist anders als bei den World-Tour-Turnieren, wo man hinfliegt, spielt und wieder fährt“, sagt er. Stimmt das Umfeld, stimmt bei ihm die Leistung.

Auch an das Leben in der Großstadt musste er sich erst gewöhnen, „Hier sind viel weniger Kühe und Pferde“, sagt er. Auch wenn er dann lacht, er vermisst das. Aber er hat sich arrangiert. Wenn er im Tischtennis etwas erreichen will, muss er das. In Düsseldorf ist das Leistungszentrum der Nationalmannschaft. Und da will er Fuß fassen.

Doppel mit Roßkopf und Ärger über Niederlage gegen Boll

Dafür arbeitet Franziska hart. Sein Stil ist unverkennbar, auch weil er mit 1,87 Metern für einen Tischtennisspieler ungewöhnlich groß ist. Lange Ballwechsel wie sie Timo Boll in unnachahmlicher Eleganz spielt, mag er nicht. Dauert ihm ein Ball zu lang, holt er die Rückhand raus und der Punkt ist gespielt. Manchmal grinst er dann. „Auf die ist Verlass“, sagt er.

Tischtennis Franziska beschreibt sich selbst als einen „eher ruhigen Typen, bodenständig“. In der Hinsicht sei er Timo Boll ähnlich. Wie Boll redet auch Franziska nur das Nötigste. Wenn er erzählt, sind es Geschichten vom Tischtennis. Seine Augen funkeln, wenn er von seinem Sieg gegen Ex-Weltmeister Werner Schlager spricht. „Ich habe mir früher jedes Spiel von ihm angeschaut“, sagt er. Oder er erzählt, wie ihn Bundestrainer Jörg Roßkopf in seiner letzter Bundesliga-Saison im gemeinsamen Doppel an die Hand genommen hat. Oder wie er sich geärgert hat, als er mit 15 Jahren gegen den elf Jahre älteren Timo Boll verloren hat. „Er war damals die Spitze der Welt, aber ich will halt immer gewinnen“, sagt er.

Siebter EM-Titel in Folge ist das Ziel

Der Vergleich zwischen Boll und Franziska ist schnell gezogen. Beide fingen beim TSV Höchst in Hessen mit dem Tischtennis an. Beide wurden von Trainer Helmut Hampl entdeckt. Bolls Vater war einer der ersten Trainer von Franziska. Keine schlechten Voraussetzungen. Doch der lehnt solche Gedankenspiele ab: „Es ehrt mich, mit Timo verglichen zu werden“, sagt er, „aber er ist ein Ausnahmesportler. Ich weiß nicht, ob es jemals wieder so einen Spieler in Deutschland geben wird.“

Im Verein bei Borussia Düsseldorf und in der Nationalmannschaft sind die Hessen mittlerweile Teamkameraden. Ein Stück Heimat für den 22-Jährigen, der ohne Familie genauso wenig kann wie ohne Tischtennis. Gemeinsam wollen sie nun den siebten EM-Titel in Folge holen. Reckt Franziska dann den Pokal in die Höhe, werden seine Freunde mit einem Lächeln in ihre alten Freundebücher schauen.