Sosthene Moguenara ist die springende Wundertüte

"Der Frosch muss weg": Sosthene Moguenara hat vor den Deutschen Hallen-Meisterschaften an ihrer Technik gefeilt.
"Der Frosch muss weg": Sosthene Moguenara hat vor den Deutschen Hallen-Meisterschaften an ihrer Technik gefeilt.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Bei der Weitspringerin vom TV Wattenscheid 01 ist bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften alles möglich: Scheitern oder der Titel.

Wattenscheid.. 6,86 Meter ist Sosthene Moguenara vor vier Wochen in Saarbrücken weit gesprungen. Obwohl die Hallensaison der Leichtathleten in vollen Zügen ist und auf der ganzen Welt die Stars der Szene in die Sandgrube springen, steht Sossy, wie Sosthene Moguenara von ihren Freunden genannt wird, immer noch auf Rang eins in der Welt. „Ja, okay, Weltjahresbeste, das hört sich ganz gut an”, sagt die 25-Jährige, „aber das muss nichts heißen.” Die Weitspringerin vom TV Wattenscheid 01 ist das Gegenteil einer Lautsprecherin. „Ich bin nicht der Typ, der zack-zack-zack Sprüche heraus haut. Ich weiß, was ich will, aber ich blicke nur von Wettkampf zu Wettkampf.”

Der nächste Wettbewerb steht am Wochenende bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Karlsruhe an. Natürlich ist Sossy die Favoritin, zumal sie als Titelverteidigerin an den Start gehen wird. Klar, sie will Deutsche Meisterin werden, gibt sie zu. Es läuft richtig gut bei ihr. Schon im Trainingslager in Südafrika hat sie gespürt, dass sie große Fortschritte macht. Mit Bundestrainer Ulrich Knapp und ihrem Wattenscheider Heimcoach Andre Ernst hat sie ebenso akribisch wie unermüdlich an ihrer Technik gefeilt.

„Inzwischen sieht es fast wie Weitsprung aus”, sagt Sosthene Moguenara und hält sich die Hand vor den Mund, um nicht laut zu prusten. „Wenn ich mich auf einem Video springen sehe, erkenne ich eher einen fliegenden Frosch. Jeder hat seine Eigenart, doch daran mussten wir etwas ändern. Der Frosch muss weg.”

Die magische Sieben-Meter-Marke

Mit welcher Begabung sie ausgestattet ist, zeigte die Wattenscheiderin bereits vor zwei Jahren, als sie -- damals noch als Frosch -- mit 7,04 Metern die für Weitspringerinnen so magische Sieben-Meter-Marke bewältigte. Plötzlich reiste sie statt als krasse Außenseiterin als Geheimfavoritin aus dem Ruhrgebiet zur WM nach Moskau.

Leichtathletik Aber Sosthene Moguenara ist nicht nur ein fliegender Frosch, sie ist auch eine springende Wundertüte. Wenn sie das Brett trifft, dann ist sie zu allem fähig. Wenn nicht, dann nicht. Wie in Moskau, als sie bei den Titelkämpfen nur Zwölfte wurde. Oder bei den Olympischen Spielen 2012 in London, als sie schon nach 6,21 Metern im Sand landete und als 21. in der Qualifikation scheiterte.

„Ich hatte es drauf, doch der Kopf hat nicht mitgespielt”, erzählt die Bundeswehrsoldatin. Mit einem Sportpsychologen ist sie jetzt das Problem angegangen. Sie habe eine richtige Angst vor dem Brett entwickelt, sagt sie. Dadurch sei sie im Anlauf immer langsamer geworden. Und wer nicht schnell ist, kann auch nicht weit springen. Das gilt für Frösche und Wundertüten.

Aus dem Tschad nach Wattenscheid

Ohne die Bundeswehr und ohne den TV Wattenscheid könnte Sosthene Moguenara ihr gewaltiges Trainingspensum nicht bewältigen. Leistungssport auf diesem Niveau ist ein Vollzeit-Job. Und mit dem Geld kommt man gerade so aus. „Ich will gar nicht leben wie ein Profifußballer”, sagt sie. „Wenn man alles hat, weiß man das Wichtige nicht richtig zu schätzen.”

Sosthene Moguenara weiß, wovon sie spricht. Sie ist im Tschad aufgewachsen, in einem der ärmsten Länder der Welt. Mit acht Jahren kam sie nach Deutschland. „Ich fühle mich als Deutsche”, sagt sie, aber dass der Wohlstand nicht alles ist im Leben, das wird sie nie vergessen.