Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Sporthilfe

„Selbstgefällig und blass“ - Harting attackiert den DOSB

25.09.2012 | 14:06 Uhr
Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat den Deutschen Olympischen Sportbund und dessen Präsidenten Thomas Bach scharf kritisiert.Foto: imago

Kreta.  Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dessen Präsidenten Thomas Bach scharf kritisiert. Harting fühlt sich ungerecht behandelt.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dessen Präsidenten Thomas Bach scharf kritisiert. "Mir geht auf den Senkel, dass es eine extreme Diskrepanz zwischen Ausführern und Entscheidern gibt. Ein Bach weiß nicht, was ein Julius Brink tut", sagte Harting im Gespräch.

 "Die Versickerung, die Verteilung des Geldes ist undurchsichtig. Da hat der Deutsche Olympische Sportbund einiges zu tun, man muss selbstkritisch mit sich umgehen. Ich hoffe, dass sich wirklich etwas ändert, sonst geht das alles gegen den Baum."

Harting fühlt sich ungerecht behandelt

Olympia 2012
Diskus-Olympiasieger Harting kritisiert ARD und ZDF

Olympiasieger Robert Harting hat in der Diskussion um die Sportförderung in Deutschland auch die Berichterstattung von ARD und ZDF kritisiert. " Die Kinder und der Nachwuchs müssen Interesse bekommen. Das bekommen sie nicht, wenn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nur noch Fußball gezeigt wird."

Der 27-Jährige fühlt sich vom DOSB ungerecht behandelt, "wenn der Verbandspräsident mir persönlich sagt: unser Ziel ist nicht die Finanzierung der Athleten, sondern die duale Karriere. Und dass sie primär nicht dafür verantwortlich sind, dass die Athleten Geld verdienen. Wenn Athleten Geld verdienen wollen, sollen sie Lotto spielen - das höre ich von dem DOSB-Präsidenten. Ich, der acht Stunden am Tag trainiert und danach noch zwei Stunden Uni macht. Da fehlen mir die Worte, da fehlen mir einfach die Worte. Das ist sowas von daneben. Das ist so selbstgefällig und einfach blass", sagte Harting.

Das Interview im Wortlaut:

"Herr Harting, Sie gelten als großer Kritiker des deutschen Sportfördersystems. Was sind Ihre hauptsächlichen Kritikpunkte?"

Video
London, 08.08.12: Robert Harting hat Sportgeschichte geschrieben – als erster amtierender Welt- und Europameister im Diskuswurf holte der Berliner am Dienstagabend auch Olympia-Gold. Im Interview sprach der 27-Jährige über den schwierigen Wettkampf.

Robert Harting: "Mir geht auf den Senkel, dass es eine extreme Diskrepanz zwischen Ausführern und Entscheidern gibt. Ein Bach weiß nicht, was ein Julius Brink tut. So geht es halt nicht. Wer Erfolg will, wer Zielvereinbarungen mit Verbänden macht, darf nicht vergessen, dass es am Ende die Sportler sind, die es ausführen. Man entscheidet über Sportler wie über Produkte. Natürlich ist Sport ein Wirtschaftszweig, und die Athleten sind in der Lage, das temporär zu leisten. Letzten Endes darf man sie aber nicht wie Produkte behandeln. Wir sind am Ende der Kette und sind die, die die Arbeit umsetzen und verantworten müssen, wie viele Millionen in Sport investiert wurden. Die Versickerung, die Verteilung des Geldes ist undurchsichtig. Da hat der Deutsche Olympische Sportbund einiges zu tun, man muss selbstkritisch mit sich umgehen. Ich hoffe, dass sich wirklich etwas ändert, sonst geht das alles gegen den Baum."

"Haben Sie konkrete Ideen, was sich ändern muss?"

Harting holt Olympia-Gold

Harting: "Ich bin auch Sportler und kann nur sagen, dass es so nicht weiterläuft. Und kann sagen, wo es mir gefehlt hat und wie ich mich gefühlt habe. Ich bin in diesem Sinne kein Stratege, und das ist auch zu viel verlangt von den Sportlern. Wir können nicht Sport machen, nicht studieren, diversen Parteien dienen und jetzt auch noch das Sportsystem umbauen. Da hört es irgendwo auf. Dafür gibt es genug Leute, die dafür Geld bekommen und sich politisch gebildet haben, um jetzt den Schritt vom Funktionär, der sitzt, hin zum Aktiven zu machen. Da hoffe ich, dass der DOSB Druck macht und selbtskritisch mit sich umgeht in Sachen Geldverteilung und Prämienausschüttung. Es sind viele Wirtschaftspartner im DOSB vorhanden. Die Kanäle sind aber fragwürdig, und die muss man überarbeiten."

"Soll heißen: die Förderung stimmt, nur die Verteilung nicht?"

Harting: "Es ist die Frage, ob mehr Geld zur Verfügung gestellt werden muss. Man kann nicht gleich sagen, mehr Geld bringt die Lösung, sondern man wird relativ schnell erkennen, dass nicht das Geld das Problem ist, sondern die Leute und die Verteilung. Wenn ich aber Veränderungen erzielen will, muss ich erstmal Investitionen machen, und dafür ist mehr Geld notwendig."

"Inwieweit ist das auch eine Personalfrage?"

Olympia
Sportförderung: Änderung nicht absehbar

Die Funktionäre ziehen am Donnerstag olympische Bilanz - eine Änderung der Sportförderung ist nicht absehbar. Der DOSB scheint an einer komplett neuen Ausrichtung wenig Interesse zu haben. Laut Tagesordnung soll das aktuelle Förderkonzept „fortgeschrieben” werden.

Harting: "Ich fühle mich sehr ungerecht behandelt beziehungsweise fühle keine Nähe zu diesem Verband. Und wenn der Verbandspräsident mir persönlich sagt: unser Ziel ist nicht die Finanzierung der Athleten, sondern die duale Karriere - die es ja insofern gar nicht gibt, weil ja jeder auf sich allein gestellt ist, also da wird nicht geholfen -, und dass sie primär nicht dafür verantwortlich sind, dass die Athleten Geld verdienen. Wenn Athleten Geld verdienen wollen, sollen sie Lotto spielen. Das höre ich von dem DOSB-Präsidenten. Ich, der acht Stunden am Tag trainiert und danach noch zwei Stunden Uni macht. Da fehlen mir die Worte, da fehlen mir einfach die Worte. Das ist sowas von daneben. Das ist so selbstgefällig und einfach blass. Wenn wir das nicht mit Herz tun würden, dann wären wir gar nicht mehr da. Und das ist ja das, was man manchen auch unterstellt, das es einigen nur ums Geld geht. Das ist Quatsch. Wenn ich einen jungen Sportler habe, der Existenzängste hat, dann kann er nicht an den Sport denken. Wenn diese Angst weg ist, kann er sich auf den Sport konzentrieren."

"Sehen Sie sich bei der Kritik als Sprachrohr aller Sportler oder vertreten Sie in erster Linie Ihre eigenen Interessen?"

Harting: "Ich bin natürlich verpflichtet, mich selbst zu erhalten. Das ist keine Frage, sonst kann ich auch keinem anderen helfen. Ich bin immer auf der Seite desjenigen, der es schwer hat. Es ist mir sehr sympathisch, wenn Leute kämpfen." (sid)



Kommentare
25.09.2012
19:51
„Selbstgefällig und blass“ - Harting attackiert den DOSB
von donjose | #1

Wenn der Harting der Meinung ist er müßte mehr verdienen,dann sollte er es mal mit einem Zweitjob versuchen.Geht mittlerweile vielen Leiten in Vollzeit so.

Aus dem Ressort
Kerber enttäuscht in New York - Aus in der dritten Runde
US Open
An der Stätte ihres größten Erfolges hat Angelique Kerber eine ihrer bittersten Enttäuschungen erlebt. Gegen die 17 Jahre alte Belinda Bencic vergab sie fünf Satzbälle und schied dann in der dritten Runde aus. Bei den Herren trifft Philipp Kohlschreiber auf einen alten Bekannten.
Petkovic und Kerber ereichen dritte Runde bei US Open
US Open
Nach Angelique Kerber hat auch Andrea Petkovic die dritte Runde der US Open erreicht - und das nach 1:4-Rückstand im entscheidenden dritten Satz. Nun könnte es gegen eine Top-Ten-Spielerin gehen. Die deutsche Nummer eins dagegen muss gegen eine 17-Jährige ran.
Wie Dafne Schippers ins Scheinwerferlicht sprintete
Leichtathletik
Siebenkämpferin Dafne Schippers hat im Sprint zweimal EM-Gold geholt. In ihrer Heimat ist sie jetzt ein Star und zumindest für einige Tage die Fußballstars von den Titelseiten verdrängt. Am Donnerstag fordert sie in Zürich Jamaikas Asse heraus.
Berliner Senat erklärt Bereitschaft für Olympia-Bewerbung
Olympia-Bewerbung
Berlin hat endgültig seinen Hut in den Ring geworfen. Der Senat der Hauptstadt verabschiedete am Dienstag die Antworten auf die Fragen des DOSB und bekundete damit sein Interesse an der Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 oder 2028.
Muskelfaserriss - Klitschkos WM-Kampf gegen Pulew geplatzt
Boxen
Anfang September hätte Wladimir Klitschko seinen Weltmeister-Titel gegen den Bulgaren Kubrat Pulew verteidigen sollen - doch daraus wird nichts: Klitschko erlitt im Training einen Muskelfaserriss am linken Bizeps. Wer schon Karten für den Kampf hat, sollte sie allerdings nicht wegwerfen.
Umfrage
Bastian Schweinsteiger ist neuer Kapitän der Nationalmannschaft - eine richtige Entscheidung?

Bastian Schweinsteiger ist neuer Kapitän der Nationalmannschaft - eine richtige Entscheidung?

 
Fotos und Videos
Harte Typen und ganz viel Schlamm
Bildgalerie
Braveheart-Battle
Krav Maga in Essen
Bildgalerie
Krav Maga
Olympia und seine Gesichter
Bildgalerie
Sotschi 2014
Sotschi feiert seine Olympischen Spiele
Bildgalerie
Eröffnungsfeier