Schneiderheinze setzt bei Bob-WM auf 19-jährige Blondine

Der Luftballon zeigt es: Anja Schneiderheinze entschied sich bei der Startnummern-Vergabe für Startplatz vier.
Der Luftballon zeigt es: Anja Schneiderheinze entschied sich bei der Startnummern-Vergabe für Startplatz vier.
Foto: Rita Maurer
Was wir bereits wissen
Sie gehört zum Favoritenkreis, wenn die Bobfahrerinnen ab Donnerstag um die Medaillen bei der WM in Winterberg fahren. Anja Schneiderheinze wünscht sich dafür kältere Temperaturen und setzt auf die Kraft einer 19-jährigen Blondine.

Winterberg.. Anja Schneiderheinze blickt in Richtung dieses fast wolkenlosen, fast traumhaften blauen Himmels über Winterberg, aber sie blickt ein wenig missmutig. Auf rund drei Grad heizt die Sonne die Temperatur im Hochsauerland an diesem Mittwochnachmittag auf. „Ich hoffe, es wird kälter“, sagt Schneiderheinze, „knackiger.“

Denn die Bobpilotin, die jahrelang für den BSC Winterberg startete, bevor sie nach Erfurt wechselte, strebt bei der Weltmeisterschaft an der Kappe ein Ziel an: Sie will eine Medaille gewinnen. Am liebsten die goldene, natürlich. „Dann haben sich die Mühen gelohnt“, erklärt sie, legt einen geschafften Gesichtsausdruck auf und atmet tief aus. Mit ihren 36 Jahren ist „Schneidi“, wie die sympathische Hobby-Motorradfahrerin an der Bobbahn von allen nur genannt wird, eine der älteren Pilotinnen des Weltcups. „Mir tun die Knochen schon ganz schön weh“, sagt sie offen und ehrlich, „denn die Saison war hart.“ Mit einem Sieg in St. Moritz, dem Gewinn des EM-Titels und Rang drei im Gesamt-Weltcup allerdings auch erfolgreich.

Das liegt jedoch nicht nur an der Erfahrung und den Künsten der ehemaligen Anschieberin von Titelsammlerin Sandra Kiriasis an den Lenkseilen. „Sie ist das, was gefehlt hat“, sagt Schneiderheinze und schaut auf die neben ihr stehende 19-jährige Blondine. „Sie beschleunigt uns derart, dass wir am Start mit den Amerikanerinnen wieder mithalten können.“

Spies entdeckt Antriebsrakete

Sie - das ist Annika Drazek. Die Anschieberin vom BSC Winterberg, die Bundestrainer Rene Spies bei einem Leichtathletik-Meeting erst für eine Speerwerferin hielt und anschließend von deren Top-Leistung im Sprint ziemlich überrascht war. Spies überredete Drazek schließlich zum Wechsel in den Bobsport und darf sich seitdem als Entdecker des derzeit hellsten Sterns am deutschen Anschieberinnen-Himmel loben lassen. Am Königssee feierte Drazek erst vor gut vier Wochen ihre Weltcup-Premiere und etablierte sich anschließend als Antriebsrakete der besten deutschen Pilotin.

Wintersport „Die anderen Mädels haben diese Herausforderung angenommen und wir werden genau analysieren, wie Annika den Bob anschiebt“, sagt Cheftrainer Christoph Langen über das außergewöhnliche Talent der Gladbeckerin. Gerade auf der Bahn in Winterberg, auf welcher dem Start eine fast vorentscheidende Rolle zukommt, könnte Drazek das entscheidende Etwas dazu beitragen, dass Anja Schneiderheinze ihren Bob trotz der harten Konkurrenz aus Nordamerika auf das Podium steuern kann.

Weil erstmals ein Tag Pause zwischen dem Auftakt des Wettbewerbs an diesem Donnerstag und den entscheidenden Rennen drei und vier am Samstag liegt, reicht Schneiderheinze allerdings kein kurzzeitiger Kälteeinbruch für knackiges, härteres Eis in der Bahn. Von einem Heimvorteil will sie übrigens gar nichts wissen. „Ich bin auch nach Calgary gefahren und bin dort Zweite geworden.“