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Rabobank steigt aus dem Radsport aus

19.10.2012 | 12:44 Uhr
Rabobank steigt aus dem Radsport aus
Die niederländische Rabobank wird sich angesichts der Dopingproblematik Ende des Jahres als Geldgeber zurückziehen.Foto: imago

Den Haag/Köln.  Das durch den Fall Lance Armstrong ausgelöste Beben im Radsport nimmt an Intensität dramatisch zu. Am Freitag gab die niederländische Rabobank bekannt, dass sie sich angesichts der Dopingproblematik Ende des Jahres als Geldgeber zurückziehen wird.

Geständnis, Rücktritt und der Ausstieg eines Großsponsors: Das durch den Fall Lance Armstrong und US Postal ausgelöste Beben im Radsport nimmt an Intensität dramatisch zu. Am Freitag gab die niederländische Rabobank bekannt, dass sie sich angesichts der Dopingproblematik Ende des Jahres als Geldgeber zurückziehen wird. 'Wir vertrauen nicht mehr darauf, dass der internationale Profiradsport in der Lage ist, einen sauberen und ehrlichen Sport durchzuführen', teilte Rabobank-Vorstandsmitglied Bert Bruggink mit.

Radsport verliert treuen Verbündeten

Der ohnehin schon arg gebeutelte Radsport verliert damit einen treuen Verbündeten. Seit 1996 war Rabobank als Hauptsponsor engagiert, die jährliche Investition in den Straßen-Rennstall belief sich auf 15 Millionen Euro. Für Rabobank fahren unter anderem Grischa Niermann (Hannover) und Paul Martens (Rostock). Erik Zabels Sohn Rick startet im Nachwuchsteam. Zu den Stars des Teams gehörte unter anderem auch der dreimalige Straßen-Weltmeister Oscar Freire (Spanien). Die Fahrer dürften damit auf der Straße stehen. Denn dass sich angesichts der sich häufenden Negativmeldungen ein Ersatzsponsor findet, ist wohl illusorisch.

Radsport
Nach Doping-Enthüllungen verliert Armstrong weiteren Sponsor

Nach Nike und der Brauerei Anheuser-Busch hat ein dritter Sponsor die Zusammenarbeit mit Lance Armstrong beendet: der US-Radhersteller Trek. Auf dessen Rädern hatte Armstrong seine Tour-Siege im Radsport erreicht. Wegen seiner Doping-Vergehen ist der Ex-Weltmeister lebenslang gesperrt.

Der Radsport-Weltverband UCI nahm den Rückzug zur Kenntnis, von Bedauern jedoch keine Spur. "Der Radsport ist dankbar für die vielen Jahre der Partnerschaft mit Rabobank, von der alle profitiert haben. Ihr Engagement hat das Leben vieler Fahrer verändert", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid. Man habe angesichts der aktuell schwierigen Lage und umfangreichen Enthüllungen Verständnis für diese Entscheidung.

"Schritt war notwendig"

Der Bericht der US-Anti-Doping-Agentur USADA hatte bei Rabobank das Fass zum Überlaufen gebracht. Das in der Vorwoche veröffentlichte Dossier enthält nach USADA-Darstellung überwältigende Beweise dafür, dass Lance Armstrong und sein früheres US-Postal-Team "das hochentwickeltste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm durchgeführt haben, das die Sportwelt jemals gesehen hat".

Lance Armstrong
Lance Armstrong gibt Kampf gegen Doping-Vorwürfe auf

Lance Armstrong hat am Donnerstag einen Schlussstrich gezogen. Der Ex-Radprofi verzichtet auf das von der Anti-Doping-Agentur USADA forcierte Verfahren gegen ihn. Laut Radsportexperten kommt das einem Schuldeingeständnis gleich. Armstrong verliert voraussichtlich alle sieben Tour de France-Siege.

"Daher war unser Schritt notwendig", sagte Bruggink, der von einem "schmerzlichen Schritt" sprach, "nicht nur für Rabobank, vielmehr auch für die Fans und die Fahrer, die damit nichts zu tun haben." Den Amateur-Radsport wolle man jedoch ebenso weiter unterstützen wie das Cross-Team und die Jugend. "Dafür sind wird dankbar. Das ist wichtig für unseren Sport", sagte McQuaid, der auch den Fall Carlos Barredo als einen weiteren möglichen Grund für den Abschied von Rabobank ausmachte. Am Donnerstag hatte Rabobank seinen spanischen Fahrer suspendiert. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten in seinem Blutpass hatte die UCI ein Disziplinarverfahren gegen den früheren Vuelta-Etappensieger eingeleitet.

Stephen Hodge gestand Doping in seiner aktiven Karriere und zog die Konsequenzen

Dass der Australier John Fahey, Vorsitzender der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), eine Generalamnestie für Dopingsünder im Sport ins Gespräch gebracht hat, dürfte Pat McQuaid ebenfalls nicht gefallen haben. In einem Gespräch mit nationalen Medien sagte der 67-jährige Fahey: "Der Aufsichtsrat ist sehr interessiert daran, über diese Angelegenheit nachzudenken." Die UCI hatte sich im September gegen eine Amnestie für ihre betroffenen Sportler ausgesprochen. Fahey: "Nicht die UCI entscheidet über eine Amnestie, das ist Sache der Wada."

Ebenfalls aus Australien kamen am Freitag ein weiteres Dopinggeständnis und der logische Rücktritt. Der Vizepräsident des australischen Verbandes Cycling Australia, Stephen Hodge, gestand Doping in seiner aktiven Karriere und zog die Konsequenzen. "Während einer Phase in meiner Karriere als Radprofi habe ich leistungsfördernde Mittel genommen, eine Entscheidung, auf die ich nicht stolz bin", teilte Hodge mit, "es tut mir leid, dass ich das getan habe. Es war falsch. Ich entschuldige mich bei meiner Familie, beim Verband, meinen Freunden und meinen Fans."

Hodge hatte für Australien an zehn Weltmeisterschaften sowie an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta teilgenommen. In jenem Jahr beendete der sechsmalige Tour-Teilnehmer auch seine Karriere. (sid)



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