Jan Ullrich und das Schweigegebot
10.02.2012 | 19:41 Uhr 2012-02-10T19:41:00+0100
Essen. Jan Ullrich wäre zum Helden geworden, wenn er die mafiösen Strukturen des verseuchten Profiradsports transparent gemacht hätte. Doch die wohl letzte Chance, als Opfer wahrgenommen zu werden, hat er kläglich vertan. Ein Kommentar.
Er sieht sich nach wie vor in der Opferrolle. Aber Jan Ullrich hat auch die wohl letzte Chance, so wahrgenommen zu werden, kläglich vertan. Durch eine halbherzige Erklärung , in der er lediglich seine Kontakte zum spanischen Doping-Arzt Dr. Eufemiano Fuentes bedauert, die von der Justiz schon vor Jahren nachgewiesen worden waren.
Der gefallene Heros übt sich in Selbstmitleid
Er sei „allein gelassen“ geworden, übt sich der gefallene Heros weiter in Selbstmitleid. Selbst wenn es stimmte: Auch für die Auswahl seiner Freunde ist jeder selbst verantwortlich. Hätte Ullrich, als nichts mehr zu retten war, reinen Tisch gemacht und die mafiösen Strukturen des verseuchten Profiradsports transparent gemacht – er wäre noch einmal zum Helden geworden.
Nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS hat sich Jan Ullrich sich zu Wort gemeldet und Kontakte zum Doping-Arzt Eufemiano Fuentes bestätigt. "Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue", schreibt der Tour-de-France-Sieger von 1997 auf seiner Homepage.
Vorbei. Der gebürtige Rostocker hat die Omertà bevorzugt, das Schweigegebot der Mafia. Vielleicht, weil er fürchtete, danach so isoliert dazustehen wie der geständige Sünder Jörg Jaksche. Nur war Jaksche ein zu kleines Licht, um als Kronzeuge Aufsehen zu erregen. Bei Ullrich wäre dies anders gewesen.
Ullrich hat der Ganovenehre Genüge getan
Der Tour-Sieger von 1997 hat jedoch nicht die Kraft aufgebracht, aus dem Gefängnis des geschlossenen Doping-Systems im Radsport auszubrechen. Sondern lediglich der Ganovenehre Genüge getan und sich die Gunst sowohl seiner früheren Teamkollegen als auch der aktuellen Fahrer erhalten. Ihnen kann er nach wie vor in die Augen sehen. Dem Rest der Welt nicht.
Mit seinem nun verkündeten „Schlussstrich“ hat Jan Ullrich demonstriert, was ihm wichtiger ist.
02:10
Die Stellungnahme Ullrichs fiel so dünn und schmallippig aus wie in der Vergangenheit. Leider war von ihm nichts anderes zu erwarten, denn er ist sich seiner Linie nur treu geblieben. Er hat sein eigenes Weltbild, wo man kein Betrüger ist, weil ja die anderen Fahrer auch betrogen haben. Damit erhält er sich in der Welt des Radsports seinen "guten Ruf", bei Aussenstehenden hat er mit seiner Haltung den letzten Funken Glaubwürdigkeit verspielt.
Alle seine Leistungen dürfen zurecht mit Doping in Verbindung gebracht werden und das ist alles, was mir als großer Sportfan von Jan Ullrich in Erinnerung bleiben wird.
20:04
Die Polizei legte ihm damals zur Last, Drahtzieher des bislang größten Dopingskandals in der Geschichte des Sport zu sein. Unter dem Decknamen "Asterix" soll er bis zu 200 Athleten mit präparierten Blutkonserven versorgt haben. Bekannt wurden aber nur Namen der Radprofis - auch Jan Ullrich geriet in der "Operación Puerto" (Operation Bergpass) unter Dopingverdacht.
Wer sind die anderen Sportler die bei Fuentes waren? Es waren nicht nur Radsportler.
Am Anfang wurden große Fußballclubs und Formel 1 Fahrer genannt.