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ITTF-Chef Weikert sieht WM-Medaillenchancen für Boll und Co.

23.04.2015 | 19:10 Uhr
ITTF-Chef Weikert sieht WM-Medaillenchancen für Boll und Co.
ITTF-Präsident Thomas Weikert (links) räumt dem Team von Bundestrainer Jörg Roßkopf bei der WM in China Medaillenchancen ein.Foto: Imago

Köln.  Seit September 2014 ist Thomas Weikert Präsident des Tischtennis-Weltverbands. Im Interview spricht er über die WM in China, sein Amt und die Sehnsucht nach der deutschen Hymne.

Es ist Mittagszeit an der Trainerakademie. Studenten der Sporthochschule kommen aus den Seminarräumen, Kinder mit Hockeyschlägern eilen durchs Foyer. „Et hätt noch immer jotjejange“, kölscht eine Angestellte lachend. Mit großen Schritten betritt Thomas Weikert das Gebäude. Der 53-Jährige ist seit September 2014 Präsident des Internationalen Tischtennisverbandes ITTF. Der vierte deutsche Weltverbandspräsident neben Josef Fendt im Rodeln, Klaus Schormann im Modernen Fünfkampf und Gerhard Zimmermann im Minigolf. Nach Köln reist der Hesse für ein Meeting. Davor bleibt Zeit für eine Apfelschorle und ein Gespräch.

Herr Weikert, wie ist das? Wacht man auf und denkt sich: Jetzt werde ich Weltverbandspräsident?

Thomas Weikert: Aufwachen tue ich immer, aber als Präsident? Das waren viele Zufälligkeiten, die mich in das Amt gebracht haben.

Erzählen Sie.

Weikert: Bisher habe ich mich für kein Amt – national oder international – beworben, ich wurde immer gefragt. Bei Olympia 2008 fragte man mich, ob ich ITTF-Vizepräsident werden wollte, 2009 wurde ich gewählt. 2013 entschied sich mein Vorgänger zurückzutreten. Er schrieb mir eine Mail, ob ich als sein Vertreter den Posten übernehmen würde. So bin ich dann aufgewacht.

Und jetzt ist ein Deutscher Weltverbandspräsident. Wird Timo Boll dann jetzt bei der WM in China (26. April bis 3. Mai) endlich Weltmeister?

Weikert: (lacht) Bei den Herren haben wir mit Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov zwei unter den besten Acht, die Chance auf eine Medaille ist da. Auch das Doppel Boll / Ma Long gehört zu den Favoriten. Bei den Damen geht es eher darum, ob eine ins Achtelfinale kommt. China ist da längst enteilt.

Dürfen Sie als Chef des ITTF denn parteiisch sein?

Weikert: Ich bin zwar jetzt Weltpräsident, aber das Herz schlägt natürlich für die eigene Nation. Ich finde es viel schrecklicher, wenn man auf der Tribüne sitzt und nicht ein Mal häufiger für die eigenen Spieler klatscht. Das wäre doch gelogen.

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Zumal Sie bis Anfang März auch noch Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes, des DTTB, waren.

Weikert: Ja, der Rücktritt ist mir sehr schwer gefallen. Da hängt wirklich mein Herz dran. Aber es war der richtige Schritt, weil es sonst Interessenskonflikte gegeben hätte.

Zum Beispiel?

Weikert: Die WM 2017 findet in Düsseldorf statt. Da macht man sich mit einer Doppelposition, selbst wenn man glaubt, alles vernünftig zu regeln, schnell angreifbar.

Ihr Amt im DTTB hat nun Michael Geiger übernommen. Eine gute Wahl?

Weikert: Er war mein Wunschkandidat und schon lange Teil des Teams, unter anderem als Vizepräsident Finanzen im DTTB-Präsidium. Wir haben viel Kontakt. Neulich waren wir sogar zusammen beim SC Freiburg im Stadion beim Fußball.

Und welche Aufgaben warten auf Sie? Eilen Sie jetzt von den German Open in Bremen zur WM nach China und dann zu einem Jugendturnier am anderen Ende der Welt?

Weikert: Jedes Jugendturnier nehme ich nicht mit. Ich war jetzt auch ein paar Wochen zu Hause. Nach der WM fliege ich Ende Mai zum Latin-America-Cup nach Kuba, Mitte Juli dann zum IOC-Kongress nach Malaysia.

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Die Landeshauptstadt wird in drei Jahren die Weltmeisterschaft ausrichten. Bei der Bewerbung setzte sich die Stadt gegen Dortmund und Stuttgart durch.

Und nebenbei arbeiten Sie als Anwalt in Limburg – verdient man als Weltpräsident so schlecht?

Weikert: Dass ich weiter Anwalt sein kann, war mir wichtig. Bei der ITTF bekomme ich ein Honorar. Als Ehrenamt kann man das nicht ausfüllen. Die Höhe hängt vom voraussichtlichen Arbeitsaufwand ab. Es handelt sich also um die Zeit, in der ich für mein Anwaltsbüro nicht arbeiten kann. Reisekosten erhalte ich darüber hinaus ersetzt.

Und was macht Ihr Postfach? Glüht das vor lauter Anfragen?

Weikert: Das schon. Meine Assistentin hat neulich eine Mail für Terminwünsche während der WM abgeschickt. Keine halbe Stunde später hatten wir 20 Antworten. Jeder hat seine Wünsche – bei 220 Mitgliedernationen ist das schwierig, alle zu erfüllen. Zumal sie sich zwischen kleinen und großen Verbänden erheblich unterscheiden.

Nämlich?

Weikert: Nehmen wir Jemen. Der Verbands-Präsident würde gerne zur WM reisen. Wegen des Krieges dort gibt es keine Flüge, keine richtige Infrastruktur. Wir versuchen noch, ihn über ein Nachbarland nach China fliegen zu lassen. 

Und bei den großen Nationen?

Weikert: Bei China ist es eher so, dass wir sie um Kooperation bitten. Damit sie sich mehr öffnen, ihre Spieler und Trainer ins Ausland schicken, oder ausländische Spieler aufnehmen. Bei kleineren Verbänden hapert es eben schon an professionellen Strukturen.

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Die Sie aufbauen?

Weikert: Unser Ziel als ITTF ist es, dass Tischtennis auf der ganzen Welt gespielt wird. Dafür unterstützen wir mit einer Abteilung für Entwicklungshilfe zum Beispiel Länder in Afrika oder kleine Staaten wie St. Lucia mit Materialspenden.

Finanziell sicher keine Kleinigkeiten.

Weikert: Das stimmt. Da wir beim IOC aber höher gestuft wurden, können wir mit 2,5 Mio. Dollar mehr planen. Wir bekamen vorher schon eine zweistellige Millionensumme, die ist jetzt noch zweistelliger. Das Geld fließt aber auch in die Förderung des Spitzensports. Ziel ist es, gute Events auf dem Weg zu Olympia zu haben. Mit der WM in China wird das klappen. 

Müssen sich die Chinesen denn Sorgen um die Konkurrenz aus Deutschland machen?

Weikert: Als DTTB-Präsident habe ich es nicht geschafft, außerhalb Europas die deutsche Hymne zu hören. Das ist ein Ziel für den neuen Präsidenten.

Und wenn er das schafft, laden Sie ihn zu einem Kaffee ein?

Weikert: Mindestens. Er kann sich dann auch das Restaurant aussuchen. Inklusive Reisekosten.

Melanie Meyer

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2015-04-23 19:10
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