Historischer Erfolg - Deutsche Volleyballer holen WM-Bronze

Zwei Garanten für den deutschen Erfolg: Zuspieler Lukas Kampa (links) und Punktelieferant Georg Grozer.
Zwei Garanten für den deutschen Erfolg: Zuspieler Lukas Kampa (links) und Punktelieferant Georg Grozer.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Deutschlands Volleyballer haben sich nur 18 Stunden nach der schmerzhaften 1:3-Niederlage im Halbfinale gegen Gastgeber Polen mit einem 3:0 (25:21, 26:24, 25:23) gegen Frankreich die vielumjubelte Bronzemedaille geholt.

Kattowitz.. Nach dem Triumph lief Georg Grozer mit seinen beiden Töchtern an den Händen und mit Tränen in den Augen durch die Spodek-Arena von Kattowitz. Wie alle deutschen Volleyball-WM-Bronzegewinner mit einem schwarzen T-Shirt, auf dem „Danke – Projekt YOLO“ stand. YOLO steht für „You only live once“ – übersetzt: Du lebst nur einmal. Unter diesen Titel hatte Bundestrainer Vital Heynen seit der erfolgreichen Qualifikation im Januar das WM-Projekt gestellt, das an diesem Sonntagnachmittag ein unglaubliches Happyend mit der ersten deutschen WM-Medaille seit 44 Jahren erlebte.

Jubelnd hüpfte das Team nach dem 3:0 (25:21, 26:24, 25:23) gegen Frankreich durch die Halle, in der es nur 18 Stunden vorher das Halbfinale gegen Gastgeber Polen aus seiner Sicht unnötig mit 1:3 verloren hatte. „Ich glaube das nicht, ich bekomme jedes Mal Tränen in die Augen, wenn ich darüber nachdenke“, sagte Grozer. Er war mit 19 Punkten der Matchwinner, aber so richtig laufen konnte er danach nicht mehr.

Genau wie Bastian Schweinsteiger bei der Fußball-WM wurde er mit einer Willensleistung zur Symbolfigur des deutschen Erfolgs. Er war schon mit Oberschenkelproblemen in das entscheidende Spiel gegangen, dann bekam er einen knallharten Angriffsball der Franzosen ins Gesicht und knickte zudem im zweiten Satz noch böse um. Doch „Hammerschorsch“ stand unter dem Jubel der 10.000 Fans wieder auf und führte sein Team mit krachenden Schlägen zu diesem größten Triumph der Geschichte seit der Goldmedaille der DDR im Jahr 1970.

Bundestrainer Vital Heynen hatte in der WM-Vorbereitung in Kienbaum große Bilder der WM-Medaillen aufgehängt – und sein Team holte sich tatsächlich die in Bronze. „Mein Deutsch ist nicht genug, um meine Freude in Worten auszudrücken. Deutschland steht auf dem Podest bei der WM: Wow“, sagte Heynen. Und Denis Kaliberda, der den Matchball verwandelte, meinte: „Wille kann Berge versetzen. Was Georg und das Team geleistet haben, ist gigantisch.“

Neun Siege in 13 Spielen

Bei dieser von Zuschauerinteresse, Stimmung und Organisation besten Volleyball-WM aller Zeiten feierte sein Team insgesamt neun Siege in 13 Spielen und machte dabei beste Werbung für den deutschen Volleyball. Nach dem Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen 2012 und der Europameisterschaft 2013 ist die Mannschaft endgültig in der Weltklasse angekommen. „Der deutsche Volleyball ist so stark wie noch nie. Wir haben in Polen nach fast einem halben Jahrhundert zum ersten Mal wieder eine WM-Medaille gewonnen. Mein Dank gilt Vital Heynen und der ganzen Mannschaft für diese sensationelle Leistung, die in dem Turnier über sich selbst hinausgewachsen sind“, sagte Verbandschef Thomas Krohne.

Noch am Dienstag war die deutsche Mannschaft gegen die französischen Abwehrkünstler im Drittrundenspiel beim 0:3 chancenlos gewesen. Fünf Tage später hatte das Heynen-Team das richtige Rezept: starke Aufschläge, eine gute Feldabwehr und vor allem unbändigen Willen mit Grozer als emotionalem Leader. Nachdem er mit seinem Verein Belogorie Belgorod bereits die Champions League und die Klub-WM gewonnen hatte, feierte er jetzt den ersehnten großen Triumph mit dem Nationalteam.

Auch individuell eine Klasse für sich

Dass Deutschland auch individuell den Sprung in die Weltspitze geschafft hat, verdeutlichen die Statistiken: Lukas Kampa stand vor dem Finaltag an der Spitze der besten Zuspieler, Georg Grozer war bester Aufschläger, Denis Kaliberda effektivster Angreifer und Marcus Böhme bester Blockspieler. Und gemeinsam waren sie die drittbeste Mannschaft dieses Turniers.