Handballer vor Dänemark-Spiel von Verletzungen gebeutelt

Dagur Sirgudsson (r.) muss für den Rest der EM auf Christian Dissinger verzichten.
Dagur Sirgudsson (r.) muss für den Rest der EM auf Christian Dissinger verzichten.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Gleich zwei Stammkräfte fallen bei der EM verletzt aus. Vor dem Spiel gegen Dänemark ist der Optimismus angeknackst. Zwei Ersatzspieler sind da.

Breslau.. Die Fassungslosigkeit war Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson förmlich ins Gesicht geschrieben. Kapitän Steffen Weinhold verletzt, Torjäger Christian Dissinger verletzt - die Schockdiagnose und das EM-Aus seiner Rückraum-Asse warf am Montag sogar den sonst so coolen Sigurdsson aus der Bahn.

"Das ist einfach ein kleiner Schock. Wenn man ehrlich ist, das wirft uns einfach zurück", gab der 42-Jährige zu. Die Hiobsbotschaft hatte ihm Delegationsleiter Bob Hanning unmittelbar zuvor hinter einem Werbeaufsteller mitgeteilt, dem zuvor noch erkennbar zuversichtlichen Isländer schlug die schlechte Nachricht mächtig aufs Gemüt.

Rhythmus durch Ausfälle gestört

Ausgerechnet vor dem Endspiel ums Halbfinale am Mittwoch (18.15 Uhr/ARD) gegen Dänemark sind der bislang so großartig aufspielenden Nationalmannschaft zwei Säulen der zuletzt vier Siege in Serie weggebrochen. "Ich mache mir mehr Sorgen über unseren Rhythmus, den wir jetzt haben. Der ist eindeutig gestört", sagte der Bundestrainer.

Handball Schon vor der EM war die Nationalmannschaft von Verletzungsausfällen gebeutelt: Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki, Patrick Wiencek, Michael Allendorf und Paul Drux mussten passen. Nie hat Sigurdsson über das Pech geklagt oder gejammert, sondern immer positiv reagiert. "Wir haben schon am 28. Dezember beschlossen, dass wir darüber nicht mehr reden", lautete sein Mantra.

Auf jeder Position fehlt ein Spieler

Der Muskelbündelriss bei Weinhold mit einer sechs- bis achtwöchigen Pause und die Adduktoren-Verletzung Dissingers vom 30:29-Sieg gegen Russland am Vortag haben seinem Optimismus erstmals einen Knacks versetzt. "Das ist eine Riesenaufgabe, denn das ist nicht zu vergleichen mit den Verletzungen von Gensheimer und Groetzki und Paul Drux und Wiencek, weil das sehr kurzfristig ist. Da kann man sich kaum vorbereiten. Wir werden natürlich alles versuchen und kämpfen bis zum Umfallen. Wir werden nicht aufgeben", erklärte Sigurdsson.

Handball-EM Bis auf einen Torwart ist eine gesamte Startformation im Krankenstand. "Das ist richtig, dass wir quasi mit unserer B-Mannschaft jetzt gegen Dänemark, das ein Titelkandidat ist und noch kein Spiel verloren hat, spielen. Fakt ist: Wir haben auf jeder Position mindestens einen Spieler weg", stellte der Bundestrainer mit sorgenvoller Miene fest.

Torwart Carsten Lichtlein blickt nach vorne

"Es ist ein Schock", konstatierte auch Carsten Lichtlein. Der 35-jährige Schlussmann wird wohl die Rolle Weinholds als Kapitän übernehmen und kann Sigurdssons Gemütsverfassung nachvollziehen. "Natürlich ist er erstmal niedergeschlagen." Doch als wenn er einen Schalter umgelegt hatte, redete Lichtlein das gehandicapte Team wieder stark. "Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken. Wir haben so viele Rückschläge verkraftet, das werden wir auch diesmal", verkündete er.

Spielbericht Die Ersatzleute Kai Häfner und Julius Kühn trafen pünktlich zum Mittagessen im Teamhotel in Breslau ein. "Die gehören zur Mannschaft dazu. Auch wenn sie bis jetzt nicht hier im Hotel waren. Von daher werden sie nahtlos ihre Rollen einnehmen", versicherte Teammanager Oliver Roggisch. Der Weltmeister von 2007 sieht die Ausfälle auch als Chance. "Jetzt sind wir krasser Außenseiter. Wir haben nicht den großen Druck und wollen locker aufspielen", meinte Roggisch und prognostizierte: "Diese 1B-Mannschaft wird sich zerreißen."

Verletzte Spieler bleiben bei der Mannschaft

Dissinger und Weinhold bleiben bis zur Dänemark-Partie bei der Mannschaft in Polen und kehren erst danach zu ihrem Club THW Kiel zurück. Der Kapitän will seine Kollegen motivieren und mit Tipps versorgen. "Es ist wichtig, dass jeder weiß, dass wir trotzdem noch eine riesige Chance haben, ins Halbfinale zu kommen und es selbst in der Hand haben, das zu schaffen", sagte er.

Der 29-Jährige hatte sich auf eine Fensterbank im Teamhotel gesetzt und wirkte schon wieder gefasst. "Der physische Schmerz ist auf jeden Fall verflogen. Der ist jetzt nicht mehr so schlimm. Im Kopf tut es natürlich noch weh, weil ich natürlich gern am Mittwoch gespielt hätte", erklärte er. (dpa)