Gladbeckerin Drazek ist bei der Bob-WM auf Medaillenkurs

Jubelt mit ihrer Pilotin Anja Schneiderheinze (2.v.r.) und dem Bobteam: Annika Drazek aus Gladbeck (r.).
Jubelt mit ihrer Pilotin Anja Schneiderheinze (2.v.r.) und dem Bobteam: Annika Drazek aus Gladbeck (r.).
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Annika Drazek aus Gladbeck fährt in ihrer ersten Saison bei der WM in Winterberg gleich um den Zweierbob-Titel. Zusammen mit Pilotin Anja Schneiderheinze war sie auch im Weltcup erfolgreich.

Essen.. An ihr erstes Mal im Bob, an die rasante Fahrt den steilen Eiskanal hinunter, kann sich Annika Drazek noch gut erinnern. „Ich wusste nicht, was mich erwartet. Die Kurven waren heftig“, sagt sie und lacht. Richtig schlecht wurde ihr zwar nicht, das „Kopfrütteln“ sei aber bis heute geblieben.

Wer Bobfahrer wird, darf keine Angst haben, muss sich überwinden können. Annika Drazek hat das geschafft. Die 19-Jährige wechselte Ende 2014 von der Tartanbahn in den Eiskanal. Als Sprinterin des TV Gladbeck wurde sie unter anderem Siebte bei der U18-WM 2011. Als Anschieberin der Bob-Pilotin Anja Schneiderheinze holte sie ihren ersten Weltcup-Sieg und startet am Donnerstag bei der WM in Winterberg (26. Februar bis 8. März).

WM-Nominierung war der logische Schritt

Dass gute Sprinter von der Laufbahn in den Bobsport wechseln, ist nicht so ungewöhnlich. In der Leichtathletik ist die Konkurrenz immens, Bobsport betreiben – gerade bei den Frauen – deutlich weniger Athleten. Die Chance, in die Weltspitze zu gelangen, ist im Bobsport somit deutlich höher. Auch Drazeks Trainer beim TV Gladbeck war früher Bobfahrer. Seine Schützlinge nahm er immer wieder mit zur Bahn nach Winterberg. „2013 habe ich dort zum ersten Mal einen Bob auf Schienen angeschoben“, sagt Drazek, „das war schon cool.“

Wintersport Die Trainer erkannten ihr Talent, 2014 entschied sich die Gladbeckerin endgültig, die Sportart zu wechseln. Mit bis zu 130 Stundenkilometern rast sie nun den Eiskanal hinunter, Angst hat die Lehramtsstudentin keine mehr. „Anja Schneiderheinze ist eine sehr erfahrene Pilotin“, sagt sie. Zusammen mit der 36-jährigen Erfurterin hat Drazek seit Dezember einen Weltcup gewonnen, wurde einmal Zweite, einmal Dritte. Bei dieser Leistung ist die WM-Nominierung die logische Folge, doch für Drazek fühlt es sich besonders an: „In meiner ersten Saison bei der WM zu starten – das ist einfach riesig!“ Als der Anruf von Bundestrainer René Spieß sie während einer Trainingseinheit erreichte, konnte sie nicht anders: Sie brüllte ihre Freude in das verlassene Stadion hinaus.

Achterbahn für Fortgeschrittene

In Winterberg gehört das Duo Schneiderheinze/Drazek nun zum Favoritenkreis. Die Aufgabe der 19-Jährigen wird es sein, am Start die bestmögliche Zeit herauszuholen. Dabei kommt ihr zugute, was in der Leichtathletik immer ein Problem war. „Ich war immer schwerer als andere Läufer“, sagt sie, „beim Anschieben kann ich das nun in mehr Kraft umwandeln.“

Bobsport Hat sie ihren Teil getan, geht es abwärts, Achterbahn für Fortgeschrittene. Und wenn am Ende, neben dem „Kopfrütteln“ tatsächlich der WM-Titel steht? Für Annika Drazek wäre das „superbombastisch“.