Froome ist der große Gewinner der ersten Tour-Woche

Christopher Froome will sein Gelbes Trikot in den Pyrenäen verteidigen.
Christopher Froome will sein Gelbes Trikot in den Pyrenäen verteidigen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Christopher Froome hat sich zum Favoriten auf den Sieg der Tour de France gemausert. Die erfolgreichen Tage der deutschen Radler scheinen vorbei.

Plumelec.. Christopher Froome scheuchte seine Sky-Kollegen lautstark den letzten Anstieg hinauf, dann war das Gelbe Trikot vor dem Showdown in den Pyrenäen gesichert. "Ich muss jetzt nicht attackieren. Wir haben ein starkes Team, um Gelb zu verteidigen", sagte Froome mit einem dezenten Lächeln vom großen Podium der Tour de France, während seine geschlagenen Rivalen längst in den Bussen verschwunden waren. Den knapp verpassten Sieg im Mannschaftszeitfahren am Sonntag mit 62 Hundertstelsekunden hinter BMC konnte der Brite locker verschmerzen. Denn bei der Sekundenjagd hatte der Champion von 2013 seinen ärgsten drei Rivalen erneut wichtige Zeit abgeknöpft.

Tour de France Insbesondere Vorjahressieger Vincenzo Nibali kassierte noch einmal 34 Sekunden mit seinem Astana-Team und ist damit der große Verlierer der ersten Tour-Woche. "Ich war in der ersten Woche blockiert. Ich kann mir das nicht erklären, eigentlich stimmt die Form", haderte Nibali, der als 13. nun schon 2:22 Minuten zurückliegt.

Tejay ist Froomes größter Rivale

Froome glaubt, dass aus dem propagierten Vierkampf gar ein Fünfkampf entstanden ist. Denn BMC-Mann Tejay van Garderen hat sich mit nur zwölf Sekunden Rückstand auf den zweiten Platz vorgekämpft. "Tejay ist im Moment mein größter Rivale", sagt Froome und gibt sich vor dem Ruhetag am Montag zuversichtlich: "Ich hoffe, ich bin der Christopher Froome von 2013." Dass er bereits 1:03 Minuten vor dem fünftplatzierten Giro-Sieger Alberto Contador (Spanien) und 1:59 vor dem kolumbianischen Anden-Kletterer Nairo Quintana liegt, dürfte ihm in die Karten spielen.

Tour de France

Die tollen Tage der deutschen Radstars - zuvor tagelang Dauergast bei den Zeremonien auf dem Tour-Podium - sind dagegen vorbei. Die beiden Teams Bora-Argon und Giant-Alpecin spielten beim Kampf gegen die Uhr auf den 28 Kilometern von Vannes nach Plumelec mit den Plätze 13 und 16 ebenso keine Rolle wie am Vortag John Degenkolb und Co. bei der Kletterpartie hinauf zur Mur-de-Bretagne. Außerdem hatte André Greipel am Samstag beim ersten französischen Sieg durch Alexis Vuillermoz das Grüne Trikot an den Slowaken Peter Sagan verloren.

"Das gelbe Trikot ist ein Privileg"

Auch wenn die steilen Berge erst noch kommen, hat sich Froome bereits in die Favoritenrolle gebracht. Der Sky-Kapitän, eigentlich nur Haut und Knochen, aber ein Kraftwerk mit enormen Kapazitäten, umschiffte bisher am sichersten die tückischsten Klippen der 102. Frankreich-Rundfahrt.

TV-Sport Froome meisterte bei einer steifen Nordseebrise die Windkanten-Etappe nach Zeeland mit Bravour, genau wie die Kopfsteinpflaster-Passage nach Cambrai. Auf den bisher härtesten Steigungen an der Mauer von Huy in Belgien und an der Mur-de-Bretagne war er stets auf der Höhe des Geschehens. "Es ging nicht darum, Dominanz zu zeigen. Vielmehr war es wichtig, die Rivalen im Blick zu haben und dass mir keiner wegfährt. Das Gelbe Trikot ist ein Privileg", sagte der in Kenia geborene Brite, der durch den Martin-Sturz früher als geplant wieder an die Spitze gerückt war.

Nach Martins Ausfall keine Chance mehr für sein Team

Für Nibali könnte dagegen Gelb in diesem Jahr unerreichbar bleiben. An der "Mur" büßte er weitere zehn Sekunden ein und auch im Teamzeitfahren lief es nicht rund. Nach weniger als zehn Kilometern hatte die kasachische Astana-Mannschaft bereits ihre ersten beiden Fahrer verloren. Am Ende betrug der Rückstand 35 Sekunden auf BMC. Contadors Tinkoff-Team verlor auch reichlich Zeit und lag 27 Sekunden hinter dem Tagessieger.

Doping Keine Rolle spielte am Sonntag die Etixx-Quick-Step-Mannschaft nach dem Ausfall von Zugmaschine Tony Martin, der auf der Etappe nach Le Havre am Donnerstag einen Schlüsselbeinbruch erlitten hatte. Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister liegt derzeit im BG-Unfallkrankenhaus in Hamburg, wo er am Freitag operiert worden war. Sollte es keine Rückschläge geben, wolle er am Montag nach Hause in die Schweiz fliegen, "und dann Mitte, Ende der Woche wieder mit leichtem Rollentraining beginnen", sagte der Radprofi der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Für Luca Paolini ist an Radsport dagegen nicht zu denken. Der Italiener vom Skandal-Team Katusha hat mit seinem positiven Kokainbefund für den ersten Doping-Eklat bei der diesjährigen Tour gesorgt. Ihm droht eine mehrjährige Sperre. (dpa)