Ex-Volleyball-Star Grozer senior kritisiert die Liga scharf

Immer am Ball geblieben: Georg Grozer senior.
Immer am Ball geblieben: Georg Grozer senior.
Foto: Ulla Michels
Was wir bereits wissen
Die Volleyball-Bundesliga feiert ihren 40. Geburtstag. Georg Grozer senior, der Begründer der Grozer-Dynastie, beschenkt sie mit scharfer Kritik.

Moers.. Er war einmal einer der Besten, sein ältester Sohn ist aktuell einer der Besten, und sein jüngster Sprößling hat gute Aussichten, irgendwann zu den Besten zu gehören. Volleyball in Deutschland ist seit drei Jahrzehnten fest verwoben mit der Geschichte der Familie Grozer. Den Anfang machte Georg Grozer senior, als er 1985 aus Ungarn nach Deutschland kam, um professioneller Volleyball-Spieler zu werden. „Magic Schorsch“ haben sie ihn ein paar Jahre später getauft, als der heute 50-Jährige mit dem Moerser SC den Europacup, die Meisterschaft und zweimal den deutschen Pokal holte. Sein Markenzeichen: unerbittliche Angriffsschläge, die häufig so brutal auf der gegnerischen Seite aufprallten, dass sie anschließend die Hallendecke gefährdeten.

Heute sind Grozers Arme nicht weniger kräftig als früher. Er sitzt am Tisch in einem Moerser Balkan-Restaurant. Der Chef begrüßt ihn und bringt ihm einen Latte macchiato, die Tasse verschwindet komplett in seiner Hand. Dass seine größten Erfolge schon fast 15 Jahre zurück liegen, ist kaum zu bemerken. Zu ihrem 40. Geburtstag beschenkt Grozer senior die Volleyball-Bundesliga mit einem harten Schlag. „Die Liga lässt ihren eigenen Nachwuchs verkümmern. Die jungen Nationalspieler sind Lückenfüller in ihren Teams, weil die Klubs auf eingekaufte Stars aus dem Ausland setzen“, kritisiert er und fordert, „dass der Verband endlich einen Schnitt macht und die Zahl der ausländischen Akteure pro Mannschaft begrenzt.“ So wie in Polen oder in Russland. Dort, wo der Volleyball-Sport boomt, TV-Sender Liga-Spiele übertragen und tausende Fans in die Hallen strömen.

Grozer junior hat seinen Vater schon übertrumpft

Ebenfalls ein Dorn im Auge sind Grozer die verschärften Auflagen der DVL, die für eine Professionalisierung des Sports sorgen sollen, aber gleich mehrere ehemalige Erstliga-Klubs in die Knie gezwungen haben: die Volleys aus Bottrop. Oder zuletzt den VC Dresden, dem wie den Bottropern die Erstliga-Lizenz entzogen wurde, nachdem die Vereine die wirtschaftlichen Auflagen nicht mehr erfüllen konnten. „Dort werden Dinge gefordert, die die Vereine nicht leisten können. Dann steigen die Sponsoren aus, und die Spieler bekommen kein Gehalt mehr“, moniert Grozer.

Volleyball-WM Grozers ältester Sohn Georg ist der aktuell stärkste und prominenteste deutsche Volleyballer. Doch 2010 bereits kehrte der 30-Jährige der höchsten heimischen Spielklasse den Rücken. Georg Grozer junior spielt in Russland bei Lokomotiv Belgorod, dem Champions-League-Sieger. Sein athletischer Körper und die brachiale Schlagkraft erinnern an die besten Zeiten seines Vaters, dessen Erfolge er schon längst übertrumpft hat. Maßgeblich trug er zu den jüngsten Errungenschaften der deutschen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 2012 (fünfter Platz) und der WM im vergangenen Jahr (Bronze) bei. Ihn tauften sie „Hammer Schorsch“.

Grozers jüngster Sohn Tim ist erst 16 Jahre alt, schon U-19-Nationalspieler und sorgt in der zweiten Liga bei den Volleys aus Solingen für Furore. Dem Talent sagen Experten eine große Zukunft voraus. Allen voran sein Vater.

Der Plan: ein Leistungszentrum

Der hat stets ein Auge auf die Karriere seiner Kinder. Als Tims Entwicklung beim Essener Zweitligisten Humann im vergangenen Jahr zu stagnieren drohte, war sein Vater eine treibende Kraft beim Wechsel nach Solingen. „Tim will nicht als Hobby-Volleyballer enden, sondern eine Profi-Karriere wie sein Bruder. Dafür waren die Voraussetzungen in Essen nicht da“, meint Grozer senior, der in Neunkirchen-Vluyn bei Moers lebt.

Volleyball Hadern mit Essen, Hadern mit Deutschland. Grozer senior will nun mit einem Multi-Millionen-Projekt einen Anstoß geben. Er plant den Bau eines Leistungszentrum am Niederrhein. Mit Sportinternat, eigenem Verein, eigener Halle und eigenem Trainer-Team. Dafür hat er seine Trainer-Karriere (Moerser SC, A!B!C Titans) erstmal auf Eis gelegt. Er stecke mitten in den Verhandlungen mit mehreren Grundstückseigentümern, so Grozer. „2016 möchte ich mit dem Bau beginnen.“ Die Finanzierung des Projektes soll mit Hilfe ausländischer Investoren und mit Erlösen aus Photovoltaikanlagen gelingen.

Vielleicht wird ja auch Tim dort zum Profi heranreifen. Magic-Tim? Hammer-Tim? Klingt nicht übel, ist aber familiär besetzt.