Diskussionen nach schwerem Sturz von Simon Ammann

Der furchtbare Sturz: Simon Ammann landete in Bischofshofen kopfüber auf dem Boden.
Der furchtbare Sturz: Simon Ammann landete in Bischofshofen kopfüber auf dem Boden.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Nach dem schweren Sturz des Schweizer Skisprung-Stars Simon Ammann bei der Vierschanzentournee wird nun auch über die Ski-Bindung debattiert.

Bischofshofen.. Thomas Morgenstern hat am Rande des Tournee-Finals seine lange geplante Abschiedsparty in St. Johann-Alpendorf gefeiert. Dass sein langjähriger Kollege Simon Ammann wenige Stunden davor so schwer gestürzt ist, wird Morgenstern noch einmal in seiner Entscheidung bestätigt haben. „Nach den schweren Stürzen ist mir bewusst geworden, wie viele Schutzengel ich hatte“, hat der dreimalige Skisprung-Olympiasieger und elfmalige Weltmeister gesagt: „Ich wollte dieses Risiko einfach nicht mehr eingehen.“

Simon Ammann ist 33 und damit fünf Jahre älter als Morgenstern, und er ist dieses Risiko auch in diesem Winter bewusst eingegangen. „Simon ist ein Springer, der immer sein letztes Hemd riskiert hat. Er hat eine extreme Vorlage und extremes Material“, sagt Bundestrainer Werner Schuster, der Ammann als Schweizer Nationaltrainer einst selbst trainiert hat: „In der Luft hat er das Limit beherrscht, aber bei der Landung hatte er schon immer seine Probleme.“

Mit 120 km/h aufs Gesicht gestürzt

Beim Auftaktspringen der 63. Vierschanzentournee in Oberstdorf hatte der viermalige Olympiasieger bei einem Sturz noch Glück, als er ohne große Blessuren davonkam. Es folgen die Plätze zwei und drei bei den Tourneespingen in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck. In Bischofshofen ist Ammann dann ein Stück zu weit über die Grenzen gegangen und hat sich bei einem neuerlichen Sturz schwer verletzt.

Ammann Ammann rodelte mit etwa 120 Stundenkilometern mit dem Gesicht über den vereisten Aufsprunghang, war kurzzeitig bewusstlos und blutete im Gesicht. Derzeit liegt er „im stabilem Zustand und ansprechbar“ im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Schwarzach. Er kann Hände und Füße bewegen. Nach der Diagnose steht fest: Er hat eine schwere Gehirnerschütterung und Prellungen am ganzen Körper erlitten. Ein paar Zimmer weiter liegt der einen Tag vorher gestürzte US-Amerikaner Nicholas Fairall, der wegen einer Wirbelsäulenverletzung notoperiert werden musste.

Die Serie schwererer Verletzungen – im Vorjahr hatte es Thomas Morgenstern zweimal böse erwischt, zu Beginn dieses Winters crashte die deutsche Hoffnung Andreas Wellinger im finnischen Kuusamo schlimm – schreit nach Konsequenzen. Obwohl die Ursachen unterschiedlich waren, kristallisiert sich nach Meinung vieler Experten jedoch die Skibindung als wichtige Ursache heraus. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass die Bindung mit einem gebogenen Stab, die in der Luft ein optimales V ermöglicht, bei Olympia 2010 ausgerechnet vom zweimaligen Goldgewinner Ammann erfolgreich eingesetzt wurde.

Ehefrau und Sohn waren dabei

Vierschanzentournee „Das Problem dabei ist, dass der Körper damit aus der Achse ist. Diese Kräfte müssen besonders bei der Landung absorbiert werden“, sagt Schuster. Oder wie es Renndirektor Walter Hofer vom Internationalen Skiverband FIS sagt, ist diese Bindung „fürs Fliegen und nicht fürs Landen gemacht.“

Man hat erkannt, dass es an dieser Stelle Regelungsbedarf geben könnte. Mit Sicherheit wird das Thema nach der Saison auf der Agenda stehen. Schuster: „Das ist ein heikles Thema, das man sehr genau beobachten und analysieren muss. Der Sturz macht betroffen, zumal Simon Ammann im Springerlager ein sehr, sehr beliebter Springer ist.“

Aber Skispringer sind eben auch Grenzgänger, die ständig zwischen Sieg und Krankenhaus wandeln. Genau dort muss Simon Ammann jetzt bleiben. Mit Ehefrau Yana und dem kleinen Sohn Theodore (drei Monate) an der Seite, die den Sturz live im Stadion miterleben mussten. Thomas Morgenstern sprang vor einem Jahr seinen letzten Weltcup-Wettkampf in Bischofshofen. Es scheint gut möglich, dass das bei Simon Ammann auch so sein könnte.