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Die Ravens und ein Moment, der zum Super-Bowl-Sieg führte

04.02.2013 | 18:53 Uhr
Am Ziel: Ray Lewis, der Abwehrchef der Baltimore Ravens, nach dem Triumph mit der Trophäe.

New Orleans/Essen.   Das Team der Baltimore Ravens stoppt mit eisenharter Abwehr die Aufholjagd San Francisco 49ers und gewinnt in New Orleans den Super Bowl mit 34:31. Damit unterliegt das System der Zukunft noch einmal dem Betonmaschinen-Football des Ray Lewis.

Wer den Super Bowl gesehen hat, hat den Football der Zukunft gesehen. Gespielt hat diesen Football allerdings der Verlierer. Colin Kaepernick, der Quarterback der San Francisco 49ers, kniete nach der 31:34-Niederlage gegen den neuen Champion Baltimore Ravens lange auf dem Kunstrasen von New Orleans. Er konnte es nicht fassen, aber er kann sich trösten: Er ist ganz neu im Geschäft und hat erst zehn komplette Spiele in der US-Profiliga NFL absolviert, seine Zeit wird kommen.

Für Ray Lewis ist die Zeit dagegen abgelaufen. Die personifizierte Abrissbirne aus der Abwehr der Ravens ist 37 Jahre alt, hat einen Mordprozess unbeschadet überstanden, Doping-Anschuldigungen kommentarlos abprallen lassen, und er hat im Super Bowl sein letztes Spiel als Profi absolviert. Er hat in New Orleans seinen zweiten Titel mit den Baltimore Ravens nach 2001 gewonnen , und er sagt: „17 Jahre in der NFL waren ein Ritt auf der Achterbahn, aber mit meinem zweiten Meister-Ring kann ich nun in den Sonnenuntergang fahren. Hier hört der Football auf, nun beginnt das Leben für Ray Lewis erst richtig.“

Die Zerstörer der Ravens-Abwehr stoppen das Football-Modell der Zukunft

American Football
Das große Rätsel um Football-Profi Ray Lewis

Ray Lewis spielt am Sonntag mit seinen Baltimore Ravens in New Orleans im Super Bowl gegen die San Francisco 49ers. Der Football-Profi ist der Liebling seiner Heimatstadt Baltimore, doch es gibt einen schlimmen Verdacht in seinem Leben: Lewis spielt bei einem Doppelmord eine undurchsichtige Rolle.

Lewis war immer der Chef der Ravens, aber in New Orleans verpasste er bereits mehrere Tackles und verlor einige Sprint-Duelle. Die Zerstörer der gnadenlosen Ravens-Abwehr haben es zwar ein letztes Mal geschafft, aber sie liefen auf Reserve. Die Football-Weisheit „Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel“ schien sich nach dem furiosen Finale noch einmal zu bewahrheiten.

Doch sie dürfte in den nächsten Jahren in der Mottenkiste verschwinden.

Der 25-jährige Colin Kaepernick ist der Junge, den sie in den USA Zukunft nennen. Er hat mit seinem neuen Stil ausgerechnet bei den 49ers, die mit Joe Montana und Steve Young lange zwei Quarterback-Legenden auf der spielbestimmenden Position des Teams hatten, den Sprung auf den Chefsessel geschafft.

Kaepernick beherrscht die sogenannte „Read Option“. Das bedeutet: Er hört sich zwar die Vorgabe seines Trainers für den nächsten Spielzug über die Kopfhörer in seinem Helm an, aber er hat das Recht, diesen Spielzug zu verändern. Nämlich dann, wenn er die Abwehr des Gegners gelesen hat und aus dem Bauch heraus ahnt, was besser funktionieren würde. Kaepernicks Variante ist die Lauf-Variante. Kein Quarterback kann so gut und so weit mit dem Football rennen wie er. In dieser Saison fanden die Gegner dagegen nur selten ein Mittel.

Als der Strom in New Orleans ausfiel

Spitzenfootball, Beyoncé und kein Strom

In New Orleans war es ähnlich. Kaepernick startete zittrig, sein Team lag kurz nach der Pause 6:28 zurück. Eigentlich bedeutet das im Football: Die Sache ist erledigt. Doch dann fiel 34 Minuten lang der Strom aus, die 71 000 Fans im Superdome und die Spieler beider Teams standen im Halbdunkel und wussten nicht so recht weiter.

Als das Flutlicht wieder aufflammte, fing Kaepernick Feuer. Er führte die 49ers übers Feld wie ein Außerirdischer. Mit einem erlaufenen Touchdown über 15 Yard, mit dem er kurzerhand den Super-Bowl-Rekord von Joe Montana pulverisierte, brachte er San Francisco zehn Minuten vor dem Ende auf 29:31 heran.

In den Schlussminuten hatte er zweimal die Chance, zum Football-Helden aufzusteigen. Nur: Ihm fehlte die Abgeklärtheit. Zweimal stand sein Passempfänger Michael Crabtree frei, zweimal verfehlte Kaepernick das Ziel. Er hatte zu lange überlegt, ob er nicht doch selbst in die Endzone laufen sollte.

Dieser Wimpernschlag-Moment reichte den Verteidigern um Ray Lewis. Sie schlugen zu und schnappten sich den Super Bowl noch einmal mit einem Football-System aus der Betonmischmaschine. Sehr gut möglich, dass dies schon im nächsten Jahr ganz anders aussieht.

Ralf Birkhan



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