Kommentar

Die Jubiläums-Tour ist eine Provokation und Kampfansage

Für den Favoriten Chris Froome (r.) kann die Tour nicht hart genug sein - er ist schließlich Kletterspezialist.
Für den Favoriten Chris Froome (r.) kann die Tour nicht hart genug sein - er ist schließlich Kletterspezialist.
Foto: Getty Images

Immer härter, immer brutaler, immer spektakulärer: Das Streckenprofil der Jubiläums-Tour-de-France ist eine Kampfansage der Organisatoren. Manchen gar: eine Provokation jener Kritiker, die der Rundfahrt nach diversen Dopingskandalen den Tod vorausgesagt hatten. Ein Kommentar.

Essen.. Die erste Etappe der Premieren-Tour-de-France führte am 3. Juli 1903 von Paris nach Lyon und war 487 Kilometer lang. Die besten Radfahrer benötigten 18 Stunden, um das Ziel zu erreichen.

Noch Fragen?

Lance Armstrong, der erst als größter Held und dann als perfidester Betrüger in die Tour-Geschichte einging, hat vor der 100. Auflage ausnahmsweise wohl nicht gelogen, als er sagte: „Es ist unmöglich, die Tour ohne Doping zu gewinnen.“

Der Anstieg nach L'Alpe d'Huez muss zweimal an einem Tag bewältigt werden

Obwohl der Amerikaner mit dieser Aussage auf keinen Widerspruch stoßen dürfte, werden drei Wochen lang wieder Millionen Menschen an Frankreichs Straßen und vor den Bildschirmen den Pedaleuren zujubeln, denen im wahrsten Sinne des Wortes übermenschliche Leistungen abverlangt werden.

Nach dem Doping-Tsunami im Jahr 1998, der die flächendeckende Verseuchung der ganzen Sportart ans Licht brachte, hatten die Tour-Organisatoren kurzzeitig inne gehalten und darüber nachgedacht, die mörderischen Anforderungen an die Fahrer zurückzuschrauben. Tatsächlich wurde in den nächsten Jahren das Streckenprofil „entschärft“.

Radsport Weil aber die – naive – Annahme, die Fahrer würden dadurch zu weniger Doping-Missbrauch angehalten, sich erwartungsgemäß als trügerisch erwies, drehten die Macher das Rad schon bald wieder weiter. Der Streckenplan der heute beginnenden 100. Tour de France sieht vor, dass der berüchtigte Anstieg nach L’Alpe d’Huez erstmals an einem Tag gleich zweimal bewältigt werden muss.

Noch Fragen?

Die auf maximales Spektakel angelegte Jubiläumstour ist eine Provokation, mindestens aber eine Kampfansage von Tour-Direktor Christian Prudhomme („Die Tour wird es immer geben“) im Vertrauen auf die Sensationslust der Massen. Die unmissverständliche Botschaft lautet: Doping spielt bei der Tour (wie auf vielen anderen sportlichen Feldern) keine Rolle mehr. Allerdings nicht in dem Sinne, wie es sich die Verfechter eines sauberen Sports vorgestellt haben.

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