Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Schwimmen

Deutsche Schwimmer haben nach Olympia-Fiasko kein Vertrauen mehr in den Verband

16.10.2012 | 18:39 Uhr
Deutsche Schwimmer haben nach Olympia-Fiasko kein Vertrauen mehr in den Verband
Paul Biedermann will keinen Trainer, "der sich den Medien präsentiert und sein Ego pflegt“.Foto: dapd

Frankfurt.   Die Präsidentin des DSV sieht den "ganzen Verband in Aufruhr", die Suche nach einem neuen Bundestrainer schreitet kaum voran und sorgt für Streit. Viele Verträge laufen aus.

Die Worte von Christa Thiel fielen beinahe etwas versteckt in einem längeren Monolog. „Der ganze Verband ist in Aufruhr“, sagte die Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) bei einem öffentlichen Termin. Auch mehr als zwei Monate nach dem Olympia-Fiasko von London und wenige Tage vor dem Heim-Weltcup am Wochenende in Berlin befinden sich Deutschlands Schwimmer weiter in turbulenter Wasserlage.

Biedermann gegen Lange

Die Suche nach einem neuen Bundestrainer lässt die hohen Wellen nicht gerade abebben. Essens Trainer Henning Lambertz hat einmal mehr öffentlich sein Interesse an dem Posten bekundet, der nach der Trennung von Dirk Lange seit fast einem Jahr nicht besetzt ist. Der verbale Konter kam prompt. Von keinem Geringeren als Paul Biedermann. „Ich finde es wünschenswert, wenn jemand aus dem Ausland kommt. Der neue Bundestrainer muss international erfahren sein“, sagte der Olympia-Fünfte in einem Interview mit der „Welt“ und fügte hinzu: „Was wir nicht brauchen, ist jemand, der sich den Medien präsentiert und sein Ego pflegt.“

Es ist durchaus möglich, dass sich der Wunsch von Biedermann nach einem ausländischen Bundestrainer erfüllt. Unter den Kandidaten, die bis zum Ablauf der Frist Ende September ihre Unterlagen beim DSV abgegeben haben, befinden sich auch internationale Bewerber. Ob so jemand helfen kann? Auch der anerkannte Fachmann Örjan Madsen aus Norwegen hatte bei Olympia 2008 in Peking keine Medaillenflut initiieren können. Dort hatte nur Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen den DSV vor einem Waterloo wie in London bewahrt. „Man kann es als Lebensaufgabe bezeichnen, im deutschen Schwimmsport etwas zu ändern“, sagte Biedermann. Das klingt wenig hoffnungsvoll.

Das Vertrauen der Athleten in die Verantwortlichen des Verbandes ist jedenfalls auf dem Tiefpunkt. Auf die Frage, ob er sich im DSV gut aufgehoben fühle, antwortete Biedermann: „Ich fühle mich in meiner Heimatstadt Halle an der Saale und bei meinem Trainer Frank Embacher sehr gut aufgehoben.“ Doch selbst in den Leistungszentren herrscht Unsicherheit. Die Verträge für die Stützpunkttrainer laufen turnusmäßig aus und sind noch nicht verlängert worden. Und Biedermanns Lebensgefährtin Steffen hat mit ihrem privat motivierten Wechsel nach Halle ein Vakuum in Berlin hinterlassen. Kurz nachdem ihr Heimtrainer Norbert Warnatzsch den Rücktritt vom Rücktritt bekannt gegeben hatte.

Leistungssportdirektor Buschkow ist umstritten

Auch hinter der Zukunft von DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow steht derzeit ein Fragezeichen. Sein Vertrag hat nur noch bis zum Jahresende Gültigkeit. Lambertz würde gerne mit Buschkow weiter machen und hat sich dagegen ausgesprochen, dass „Köpfe rollen“. Aber vielleicht kommt alles ja ganz anders. Eine Entscheidung über den neuen Bundestrainer – und damit möglicherweise auch über die Zukunft von Buschkow – wird der DSV wohl frühestens auf dem Verbandstag am 10. November in Hamburg bekannt geben.

Bis dahin müssen Deutschlands Schwimmer noch ohne Bundestrainer auskommen. Auch beim Weltcup am Wochenende in Berlin. (dapd)



Kommentare
Aus dem Ressort
Volleyballer Lukas Kampa ist der beste Zuspieler der Welt
Volleyball
Lukas Kampa ist bei der Volleyball-Weltmeisterschaft in Polen ins "Allstar Team" berufen worden. Mit der deutschen Nationalmannschaft gewann der Zuspieler Bronze - nachdem man im Halbfinale nur knapp an Polen gescheitert war. Der 27-Jährige lebt mit seiner Freundin Stefanie in Gelsenkirchen-Buer.
Tischtennis-Profi Franziska kann Weg zum EM-Titel ebnen
Tischtennis-EM
Bei der Mission EM-Titelverteidigung spielt Patrick Franziska eine wichtige Rolle. Das Turnier liegt ihm, das deutsche Tischtennis-Team setzt in Lissabon auf ihn. Zumal: Patrick Baum musste seinen Start absagen, der Einsatz von Dimitrij Ovtcharov ist nach einer Zahn-Operation ungewiss.
Historischer Erfolg - Deutsche Volleyballer holen WM-Bronze
Volleyball-WM
Deutschlands Volleyballer haben sich nur 18 Stunden nach der schmerzhaften 1:3-Niederlage im Halbfinale gegen Gastgeber Polen mit einem 3:0 (25:21, 26:24, 25:23) gegen Frankreich die vielumjubelte Bronzemedaille geholt.
Tennis-Herren treffen im Davis Cup wieder auf Frankreich
Davis Cup
Von Losglück möchte bei den deutschen Tennis-Herren niemand sprechen: Zum Auftakt der neuen Spielzeit begegnet das Davis-Cup-Team erneut den Franzosen. Beim jüngsten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften ging Frankreich als Sieger hervor. Die Deutschen hoffen jetzt auf eine Revanche.
"Unglaublich" - Volleyballer dicht vor historischer Medaille
Volleyball-WM
Den deutschen Volleyballern fehlten nach dem sensationellen Einzug ins WM-Halbfinale fast die Worte. Erst einmal holte die Nationalmannschaft eine Medaille bei einer WM - das ist allerdings schon 44 Jahre her. Nun hat die Generation um Georg Grozer endlich wieder Edelmetall vor Augen.
Umfrage

"Das ist schon ganz anderen passiert" - Schalke-Manager Horst Heldt verteidigt Rot-Sünder Julian Draxler. Zurecht?

So haben unsere Leser abgestimmt

Ja! Einmal ist keinmal! Ein solcher Fauxpas kann jedem jungen Fußballer einmal passieren.
23%
Schalke sollte Draxlers Disziplinlosigkeit zwar nicht verschweigen, aber auch kein zu großes Theater veranstalten.
56%
Nein! Draxlers Vergehen ist unverzeihlich. Er sollte eine interne Strafe bekommen.
21%
3154 abgegebene Stimmen
 
Fotos und Videos
Harte Typen und ganz viel Schlamm
Bildgalerie
Braveheart-Battle
Krav Maga in Essen
Bildgalerie
Krav Maga
Olympia und seine Gesichter
Bildgalerie
Sotschi 2014
Sotschi feiert seine Olympischen Spiele
Bildgalerie
Eröffnungsfeier