Der Zweite ist nicht der erste Verlierer

Aus! Die WM ist für die deutschen Fußballerinnen nach der 0:1-Niederlage im kleinen Finale gegen England gelaufen.
Aus! Die WM ist für die deutschen Fußballerinnen nach der 0:1-Niederlage im kleinen Finale gegen England gelaufen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Bei der Tour de France ärgert sich Tony Martin über seinen zweiten Platz im Zeitfahren, bei der Frauenfußball-WM gibt es Ärger nach dem vierten Platz des deutschen Teams. Zählt nur noch der Sieg? Ein Kommentar.

Essen.. Tony Martin, der deutsche Zeitfahr-König, verfehlte beim Prolog der Tour de France das Gelbe Trikot um fünf Sekunden. Im Feld der besten und schnellsten Radprofis der Welt wurde er Zweiter, und ärgerte sich darüber schwarz.

Tour de France 2015 Die deutschen Fußballerinnen schafften es bei der WM in Kanada ins kleine Finale, sie gehören also zu den besten vier Teams der Welt. Doch schon vor der abschließenden 0:1-Niederlage gegen England krachte es im deutschen Frauen-Fußball an allen Ecken und Kanten.

Ein zweiter Platz beim größten Radrennen der Welt, ein vierter Platz bei einer Fußball-WM: Das alles scheint demnach nichts mehr wert zu sein. Die Frage, die daraus resultiert, ist diese: Ist der Zweite tatsächlich der erste Verlierer?

Nein, das ist er nicht.

DFB-Frauen Allerdings sind beide Fälle unterschiedlich. Tony Martin hat sich ein ganzes Jahr auf diese 13 Kilometer zum Tour-Auftakt vorbereitet. Dann brachte ihn ein Bierbecher, der über die Strecke wehte, aus dem Rhythmus, die fünf Sekunden Rückstand im Ziel können daran gelegen haben. Darüber muss man sich als Profisportler einfach ärgern.

Bei den Fußballerinnen liegt das Problem tiefer. In einer leichten WM-Vorrunde fielen die Schwächen des Teams nicht auf. In der K.o.-Runde konnten die Deutschen dann gegen Frankreich spielerisch nicht mithalten, gegen die USA waren sie athletisch unterlegen, und gegen England fehlte die überraschende taktische Idee. Zudem erzielte die Mannschaft nach der Vorrunde in drei Partien kein Tor aus dem Spiel heraus. Für einen WM-Titel ist dies zu wenig. Viel zu wenig.

Nun fallen die Kritiker über Bundestrainerin Silvia Neid her. Damit muss sie in ihrer herausgehobenen Position leben und damit muss sie auch umgehen können. Mitleid ist daher nicht angebracht, allerdings Verwunderung. Denn wenn die Experten des Frauenfußballs jetzt solche Defizite erkennen, dann gab es diese Defizite auch schon im Vorfeld der WM. Damals hat allerdings niemand etwas gesagt, und hinterher ist sowieso jeder klüger.