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Das Silber ist für Neureuther Gold wert

17.02.2013 | 19:38 Uhr
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Das Silber ist für Neureuther Gold wert
Er hat's allen gezeigt: Felix Neureuther.Foto: Timm Schamberger / dapd

Essen.  Von vielen Kritikern schon als ewiges Talent abgeschrieben, hat Felix Neureuther mit seinem WM-Silber von Schladming auch einen Sieg über die Zweifler errungen. Der Sohn von Christian Neureuther und Rosi Mittermaier musste sich den Respekt hart erarbeiten. Ein Kommentar.

Seien wir ehrlich: Wer hatte ihn zwischenzeitlich nicht schon einmal despektierlich als „Bruchpiloten“ abgetan? Zu oft war Felix Neureuther, Sohn zweier Ski-Legenden, den hohen Erwartungen – seinen eigenen und denen der Öffentlichkeit – nicht gerecht worden. Umso mehr Respekt verdient die WM-Silbermedaille, mit der er im Alter von fast 29 Jahren in Schladming seine Karriere gekrönt hat.

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Das Glück, das sein Vorname verheißt, war Felix lange versagt geblieben. Und selbst in einer Saison, durch die er bisher ohne jeden Ausfall kam, mochte er dem Braten nicht recht trauen. Als der „enorme Druck“ am Sonntag gewichen war und Neureuther sich eine Träne aus den Augen wischte, mochte den einen oder anderen Zuschauer oder Journalisten ein schlechtes Gewissen beschlichen haben. So er sich denn dabei ertappt fühlte, zu jenen vom Vizeweltmeister angesprochenen Sportfans zu zählen, die immer gedacht hatten: „Der packt’s nie bei Großereignissen.“

Anders als im wirklichen Leben, wo ein berühmter Name ebenfalls eine Bürde ist, im Beruf jedoch nicht selten Türen öffnet, die anderen, vielleicht höher Begabten, verschlossen bleiben, hat es im Sport noch niemand durch Beziehungen aufs Podium geschafft. Die Gene beziehungsweise die Förderung durch die Eltern mögen eine Hilfe sein – nach oben kämpfen muss sich jeder Athlet allein.

Neureuther muss sich und anderen nichts mehr beweisen

In jungen Jahren als sympathischer Bub wahr genommen, was vor allem seiner Mutter, der überaus beliebten Gold-Rosi Mittermaier, geschuldet war, sah sich Felix Neureuther nach verheißungsvollem Karrierestart (siebenmal deutscher Jugendmeister!) zunehmend der Kritik ausgesetzt, womöglich ein ewiges Talent zu sein. Spätestens seit Schladming muss er sich und anderen nichts mehr beweisen.

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Im Gegensatz zur WM 2007 in schwedischen Are, als er – wie in Schladming nach dem ersten Lauf auf Platz zwei liegend – im zweiten Durchgang ausschied, zeigte Neureuther diesmal Nervenstärke und sorgte für den spektakulärsten Showdown dieser Weltmeisterschaft, indem er dem unter keinem geringeren Druck stehenden Seriensieger und Lokalmatador Marcel Hirscher alles abverlangte.

So merkwürdig dies in Zeiten, in denen vermeintlich allein der Sieg zählt, klingen mag: Gold oder Silber machte für Felix Neureuther am Ende keinen Unterschied. Stand doch der Sieg über die Zweifel an seinen Fähigkeiten über allem. Wer könnte nicht seine „sehr, sehr große Genugtuung“ nachempfinden? Sie sollte einem, nebenbei, eine Lehre sein, mit flapsigen Sprüchen vorsichtiger umzugehen und sich mehr in die Drucksituationen von Sportlern hineinzuversetzen.

Reinhard Schüssler

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