Darum überdauert die Tour de France alle Doping-Skandale

Seit 100 Jahren hat sich das Wesen der Tour de France nicht verändert. Sie ist noch immer ein Kampf gegen den Schmerz.
Seit 100 Jahren hat sich das Wesen der Tour de France nicht verändert. Sie ist noch immer ein Kampf gegen den Schmerz.
Foto: afp
Was wir bereits wissen
Seit 100 Jahren inszeniert sich die Tour de France als Kampf gegen den Schmerz. Auch wenn diese Tortur ohne Doping kaum auszuhalten ist, werden die Verantwortlichen den Charakter der Rundfahrt nicht ändern. Selbst weitere Skandale werden dem französischen Nationalheiligtum nichts anhaben können. Ein Kommentar.

Essen.. Die Kraft der Bilder haben auch die Macher der Tour de France erkannt. Für die 100. Auflage dieses Spektakels haben sie passende Bilder geschaffen: Erstmals rollten die Fahrer beim Pariser Finale abends über die Champs Elysées, angestrahlt und ausgeleuchtet. Die Tour, inszeniert als das, was sie ist: ein weltweit beachtetes Ereignis.

In zwei Tagen, wenn kein Fahrer mehr in Paris sein wird, wird sich das andere Gesicht der Tour zeigen. Dann werden über 50 positive B-Proben der Skandaltour von 1998 vorgelegt, alle verseucht mit der damaligen Standard-Substanz Epo. Die CPA, die Vereinigung der Radprofis, kämpft dafür, die Namen der Dopingsünder unter Verschluss zu halten. Sie tut dies, weil viele noch dabei sind, die es treffen könnte: Jens Voigt etwa, oder Stuart O’Grady. Muss man dazu etwas sagen?

Froome war so schnell wie einst Lance Armstrong

Tour de France Einiges mag sich ja gebessert haben. Die Qualität der Tests, natürlich. Und die Generation der Doper, die der Tour 1998 ihren größten Skandal bescherte, hat gebeichtet – von bemitleidenswerten Ausnahmen wie Jan Ullrich abgesehen. Jüngere Fahrer wie die Deutschen Marcel Kittel oder Andre Greipel fordern inzwischen lebenslängliche Sperren für Doper. Das mag nichts wert erscheinen, es ist aber mehr, als viele Sportpolitiker sagen. Trotzdem fährt der Zweifel immer mit, schon weil der Sieger von 2013, Christopher Froome, die Berge so schnell hinaufgeklettert ist wie Lance Armstrong. Und weil man vielleicht erst 2023 weiß, ob Froome sauber war oder nicht.

Am Ende aber wird das alles der Tour wenig anhaben können. Kaum ein anderes Sportereignis inszeniert sich seit 100 Jahren so gnadenlos als Kampf gegen den Schmerz wie dieses französische Nationalheiligtum. Ohne Doping scheint das alles kaum zu bewältigen zu sein, aber nichts spricht dafür, dass die Tour nach einem Jahrhundert ihren Charakter ändern will. Helden werden kommen. Helden werden gehen – manche in Schimpf und Schande. Die Tour aber wird bleiben.