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Doping

Bundesinstitut für Sportwissenschaft bremst Doping-Aufklärer aus

06.11.2012 | 00:25 Uhr
Bundesinstitut für Sportwissenschaft bremst Doping-Aufklärer aus
Der Berliner Doping-Forscher Giselher Spitzer liegt mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft über Kreuz.Foto: dapd

Berlin.  Doping in Deutschland von 1950 bis heute – Forscher sollten seit 2009 die dunkle Vergangenheit des deutschen Sports aufklären, das Innenministerium stellte eine halbe Millionen Euro Steuergeld zur Verfügung. Doch drei Jahre später versinkt das Projekt in Merkwürdigkeiten.

Wenn das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) am Dienstag im Bundespresseamt neueste Ergebnisse zur Dopingforschung vorstellt, wird der wichtigste Teil fehlen. Wissenschaftler aus Münster und Berlin hatten sich das Projekt geteilt. Die Münsteraner Forscher analysieren vor allem Medienberichte über Doping, echte Enthüllungen hatte man von den Berliner Forschern erwartet. Doch die sind in ihrer Heimatstadt nicht dabei. Die Gruppe habe sich “aufgelöst” schreibt das Bundesinstitut in seiner Einladung zur Veranstaltung. Die Berliner Forscher sagen, sie seien ausgebremst worden. Vieles deutet darauf hin, dass sie mit dieser Interpretation richtig liegen. Nach dem Dopingskandal um die Freiburger Uniklinik im Jahr 2007 hielt es der deutsche Sport für angebracht, die eigene Vergangenheit aufzuklären. Der DOSB regte ein Forschungsprojekt an, das Innenministerium stellte über das ihm angeschlossene Bundesinstitut für Sportwissenschaft fast eine halbe Millionen Euro zur Verfügung. Das Projekt sollte eine Art Befreiungsschlag werden.

Zwei Jahre lang schienen die Arbeiten glatt zu laufen. In Leipzig stellten die Forscher im Herbst 2010 erste Ergebnisse zu den 50er und 60er Jahren vor. Ein Jahr später sorgten die Forscher der Berliner Humboldt Universität dann für einen Paukenschlag. In ihrem zweiten Zwischenbericht sprachen sie von systemischem Doping in Westdeutschland. Sie beschuldigten das BISp, das Innenministerium und den DOSB, in den 70er und 80er Jahren von Doping gewusst, es sogar geduldet und teils gefördert zu haben. Die Berliner Forscher griffen große Namen an, so unterstellten sie dem langjährigen Vorsitzenden des Nationalen Olympischen Komitees Willi Daume “billigende Mitwisserschaft”.

Doping
Deutsche Sportfunktionäre wussten über Doping Bescheid

Berliner Forscher haben herausgefunden, dass Funktionäre des westdeutschen Sports deutlich mehr über Doping wussten, als sie bislang zugeben wollten. Auf Nachfrage äußert sich nun Walther Tröger, von 1961 bis 1992 Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees, erstmals zu den Vorwürfen.

Die Forscher berichten, dass sie über den gesamten Zeitraum große Probleme bekommen hätten. Seit Ende März 2012 forschen sie überhaupt nicht mehr. Große Teile der letzten Projektphase, der Jahre 1990 bis 2007, sind bis heute nicht bearbeitet. Streit gibt es vor allem ums Geld: Im Sportausschuss des Bundestages berichtete der Direktor des BISp Ende November 2011, dass die Finanzierung des Projektes lediglich bis März 2012 gesichert sei. Er bemühe sich um einen Nachschlag, damit die Berliner Gruppe zu Ende arbeiten kann. Diesen Nachschlag hat es nie gegeben. BISp und DOSB behaupten auf Anfrage, es sei Geld für weitere Forschungen vorhanden gewesen, die HU Berlin hätte dieses Geld aber nicht abgerufen und sei deshalb selbst Schuld am Scheitern des Projektes.

Fehlendes Geld als Knackpunkt

Das Forschungsprojekt lief ursprünglich vom 1. April 2009 bis zum 31. März 2012. Später wurde der Projektzeitraum auf den 30. September 2012 verlängert. Für die Verlängerung gab es kein Geld mehr vom BISp. Das ist einer der Knackpunkte des Konfliktes.

Die HU Berlin erklärt, die Mitarbeiter seien zum 30. März aus dem Projekt ausgeschieden, da “keine verbindlichen Zusagen über die Bereitstellung weiterer Mittel vorlagen”. Der Berliner Projektleiter Hanno Strang traf sich im vergangenen Winter mehrfach mit dem BISp, um weitere Fördergelder zu bekommen. Zu einem konkreten Angebot kam es jedoch nicht, wie auch das BISp auf Nachfrage einräumt. Die beteiligten Forscher erklären, sie hätten selbst in den letzten März-Tagen, als sie ihre Büros schon räumen mussten, kein schriftliches Angebot von BISp-Direktor Fischer bekommen.

Das BISp gibt nach mehreren Nachfragen zu, erst am 15. Juni 2012 das erste Mal ein wirklich konkretes Angebot auf zusätzliche Gelder vorgelegt zu haben. 25.000 Euro durfte jede der beiden Forschungsgruppen nachbeantragen. Die Münsteraner nahmen das Angebot an, für die Berliner kam dieses Angebot fast ein halbes Jahr zu spät. Die beteiligten Forscher waren zu diesem Zeitpunkt teilweise schon für neue Arbeitgeber aktiv. Dem Auftraggeber BISp muss klar gewesen sein, dass mit Drittmitteln bezahlte Forscher weg sind, sobald kein Geld mehr fließt.

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