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Biathlon-Ass Michael Greis geht in Rente

05.12.2012 | 17:45 Uhr
Biathlon-Ass Michael Greis geht in Rente
Ein Abschied ohne Knalleffekt: Michael Greis verabschiedet sich eher still und zurückhaltend von der großen Bühne.Foto: dapd

Essen.   Dreifach-Olympiasieger Michael Greis (36) hat nach dem Weltcup-Auftakt in Schweden gemerkt, dass er nicht mehr mithalten kann. Er setzte sich an seinen Computer und formulierte seinen Rücktritt. Ein großer Sportler verlässt die Biathlon-Bühne.

Michael Greis ist ein freundlicher, eher stiller Mann. Einer, der sich lieber zurückzieht als im Scheinwerferlicht zu stehen. Doch genau das war bislang manchmal schwierig, denn als Dreifach-Olympiasieger und dreimaliger Weltmeister gehört der Allgäuer zu den besten Biathleten der Welt. Und zumindest in Deutschland ist Biathlon eine der am besten vermarkteten Sportart, die im Fernsehen über eine außerordentliche Präsenz verfügt.

Doch mit 36 Jahren gab Greis nun nach dem ersten Weltcup-Wochenende in Schweden seinen Rücktritt bekannt. Er erledigte dies mit wenigen Sätzen auf seiner Homepage. „Ich dachte, das interessiert niemanden“, sagte er, als ihn die Menschen doch anriefen.

Selbst der olympische Dreifach-Triumph brachte Greis nicht aus der Ruhe

Greis hat sich kaum verändert. Ein Rückblick auf die Tage seiner größten Triumphe sind dafür Indiz. Bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin gewann Greis innerhalb von 14 Tagen drei Goldmedaillen. Das 20 Kilometer-Rennen der Männer war damals die erste Medaillen-Entscheidung.

Biathlon
Michael Greis' Gold-Hattrick bleibt unvergessen

Nach zuletzt langer sportlicher Leidenszeit hat Michael Greis seine Biathlon-Karriere früher als geplant beendet. Seine drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin bleiben aber unvergessen. Doch an den ganz großen Erfolg konnte er nicht mehr anknüpfen.

Greis zielt exakt wie eine Kompassnadel, 19 Treffer bei 20 Schüssen, er zeigt in der Loipe ein Selbstvertrauen, mächtig wie die Alpen am Nordrand von Turin, und er hängt den norwegischen Biathlon-König Ole-Einer Björndalen ab. Eine halbe Stunde nach seinem Sieg lehnt sich der Mann aus Nesselwang zurück, sein Lächeln legt sich wie eine zweite Decke über den Tisch vor ihm. Die Aufgeregtheit, mit der andere Olympiasieger in der Stunde ihres größten Erfolges plappern, ist nicht seine Welt.

Jemand fragt ihn: „Waren Sie sehr überrascht von Ihrem Sieg?“

„Nein“, antwortet Greis mit einer Gegenfrage. „Warum sollte ich denn überrascht sein?“

Greis arbeitete sich still und leise in die Biathlon-Weltspitze vor

Er kennt sich selbst einfach zu gut. Aber da er lieber nicht über sich spricht, ist es schwierig, ihn ebenfalls zu kennen. Er ist keiner, der auf den Tisch springt. Er hat sich vor den Spielen von Turin eher beharrlich wie eine Mücke, die einem nachts ums Ohr schwirrt, in die Weltspitze vorgearbeitet. „Es gibt bei mir keine großen Höhen und Tiefen“, hat er seinen Werdegang beschrieben. „Alles ging über Jahre langsam und stetig bergauf, damit bin ich sehr zufrieden.“

Das gelassene Wesen von Greis schien für den Biathlon gemacht zu sein: Es ist ein Geduldsport. Einsteiger, die schießen können, laufen zu langsam. Die anderen rennen wie der Teufel, treffen aber nicht die Scheiben. Es dauert ewig, bis bei einem Athleten beide Komponenten zusammenpassen.

Bei Greis waren es bis dahin fast 20 Jahre. Aber er hat es geschafft, sozusagen die Quadratur des Greises.

Michael Greis ist kein Mann für Mätzchen

Er gewinnt nach seinem Einzelgold in Turin auch noch Gold mit der Staffel und zum Abschluss auch noch das Olympische Massenstart-Rennen. Greis ist der Mann des Winters.

Er versteht, dass es dadurch längst einen öffentlichen Michael Greis gibt, aber er will zugleich den privaten Michael Greis für sich behalten. Als sein Handy klingelt, rennt er aus dem Deutschen Haus, in dem sich in Turin Sponsoren, Sportler, Funktionäre und Journalisten treffen. Draußen setzt er sich in ein Auto und knallt die Tür zu. Seine damalige Freundin war am Telefon. „Sie hat vor Glück geweint“, sagt er. Mehr verrät er nicht.

Nach Turin hat sich Greis geöffnet. Mit seiner Freundin hat er der „Bunten“ gemeinsam ein Interview gegeben, hat noch zwei WM-Titel gewonnen, und merkte dann: Sportlich geht es nicht mehr so wie früher. Was geblieben ist: Greis ist kein Mann für Mätzchen. Er merkte beim 20-km-Rennen in Schweden, dass er nicht mehr mithalten kann . Er setzte sich an seinen Computer und formulierte seinen Rücktritt. Ein großes Finale.

Ralf Birkhan



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