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Armstrongs Welt - Bühne frei für den Betrüger

16.01.2013 | 16:49 Uhr
Armstrongs Welt - Bühne frei für den Betrüger
Lance Armstrong im Gespräch mit US-Fernsehstar Oprah Winfrey. Foto: Reuters

Washington/Essen.  Wer sich von Lance Armstrongs Auftritt im US-Fernsehen einen Befreiungsschlag für den Profiradsport verspricht , muss entweder sehr optimistisch oder sehr naiv sein. Nutzen wird diese Inszenierung vor allem der Quote des übertragenden TV-Sender. Ein fader Beigeschmack bleibt allemal. Ein Kommentar

Seit Tagen rätselt die Welt, genauer: die Medienwelt, darüber, was Lance Armstrong der amerikanischen Talk-Ikone Oprah Winfrey alles gesagt haben könnte. Als ob das noch wichtig wäre. Ist doch die Wahrheit über den ehemaligen Radprofi, dessen vermeintliche Wundertaten nachweislich nichts als fauler Zauber waren, längst ein offenes Buch in Form einer über 1000-seitigen Ermittlungsakte der US-Antidopingbehörde.

Ginge es um die Sache, ja, gar um Einsicht oder Reue, Armstrong hätte sich seinen hartnäckigen Ermittlern gestellt und nicht einem Fernsehsender. Aber es geht um die Show, um die Quote. Und, natürlich, um die Wirkung, die der tief gefallene, gleichwohl unverdrossen kühl um seine Reputation kämpfende Held erzielen möchte.

Betrugsmaschinerie im Radsport läuft weiter auf Hochtouren

Doping
Armstrongs dosiertes Doping-Geständnis bei Oprah Winfrey

Bei Talkshow-Gastgeberin Oprah Winfrey wollte Lance Armstrong eigentlich ein Doping-Geständnis abgeben. Doch die bevorstehende Beichte wird dosiert ausfallen, sagt Winfrey. Die Radsportwelt wartet gespannt, ob der ehemalige Tour-de-France-Sieger Hintermänner und Mitwisser enttarnt.

So erschreckend das Ausmaß des Dopings-Systems Armstrong und die damit verbundene kriminelle Energie für viele sein mögen – nicht minder abstoßend sind Medienmechanismen, die einem Betrüger die Bühne für eine bis ins Detail geplante Inszenierung bieten. Nebenbei: Dass dessen Vergehen inzwischen dermaßen überhöht werden, als hätte es den Fall Ben Johnson, den Skandal um die zu einer Gefängnisstrafe verurteilte Marion Jones oder die Verseuchung ganzer Sportarten (Gewichtheben) nie gegeben, erweckt – ob beabsichtigt oder nicht - den Eindruck, bei Armstrong handele sich um ein nur alle hundert Jahre auftauchendes Monster. Dabei ist und bleibt er nichts anderes als ein klassischer, wenn auch außergewöhnlicher, Dopingsünder.

Im Vorfeld von Armstrongs Auftritt, von dem wir immerhin schon wissen, dass er Oprah Winfrey „fasziniert und gefesselt“ hat , ist die Hoffnung geäußert worden, ein schonungsloses Geständnis inklusive Offenlegung sämtlicher Mitwisser könnte zum Befreiungsschlag bzw. zu einem reinigenden Gewitter für den Profiradsport werden. Eine solche Denkweise verrät viel über die Heuchelei als ständiger Begleiter unfassbarer Sporthöchstleistungen. Insider wissen zu berichten, dass die Betrugsmaschinerie im Radsport längst wieder auf Hochtouren läuft – mit neuen, noch nicht nachweisbaren Dopingmitteln.

Armstrong durfte im TV seine heile Welt vorführen

Der TV-Spartenkanal „Eurosport“ hat dem Rad-Star über Jahre eine eigene Sendung mit dem Titel „Planet Armstrong“ gewidmet. Darin durfte der Amerikaner, den vor allem sein erfolgreicher Kampf gegen den Krebs lange Zeit immun gegen Kritik gemacht hatte, seine heile Welt vorführen – allen von Anfang an bestehenden Zweifeln zum Trotz.

Seinerzeit war die Rede davon, Armstrong würde in einem Paralleluniversum leben. Zu der Welt, in der unsereiner lebt, gehören Dopingsünder ebenso wie TV-Talkshows. Wobei manchmal nicht mehr klar ist, wer oder was schlimmer ist.

Reinhard Schüssler



Kommentare
16.01.2013
17:19
Armstrongs Welt - oder: Bühne frei für den Betrüger
von buntspecht2 | #1

Die ihn jetzt verdammen haben sich alle in seinem Glanz gesonnt vor allen die Medien

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