Andrea Petkovic zeigt Traumtennis in der Traummetropole

Sieht man dieser Tage wieder öfter: Andrea Petkovic mit Siegerfaust.
Sieht man dieser Tage wieder öfter: Andrea Petkovic mit Siegerfaust.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Deutschlands Nummer eins spielt beim Turnier in Miami so gut wie lange nicht. Sie führt das auch auf die bunte Metropole zurück, in der es ihr so sehr gefällt.

Miami.. Vielleicht ist es ein wenig übertrieben, zu behaupten, Andrea Petkovic schieße in dieser Woche in Miami die Lichter aus, aber es wirkte doch so: Nach einem Spiel werden die Sieger gebeten, ein paar Bälle mit dem Schläger ins Publikum zu befördern, und in ihrem Fall landete der Ball anstatt in der Hand eines glücklichen Fans an der Lampe eines Scheinwerfers. Im Spiel zuvor beim Sieg gegen Karolina Pliskova war dagegen alles nach Plan gelaufen für Deutschlands Nummer eins, und dafür gibt es bunte Gründe. Und ein Symbol – die Palme.

Viertelfinal-Aus Warum sie in Florida so oft gut spielt, beim kalifornischen Turnier zuvor in Indian Wells dagegen eher nicht? Also, sagt Andrea Petkovic, die Sache sei so: Sie habe eine bunte, laute, temperamentvolle, serbische Seite und eine auf Perfektion, Ordnung und Ratio bedachte deutsche, und diese beiden Seiten passen sich den örtlichen Gegebenheiten offensichtlich an. In der makellosen, ruhigen Schönheit von Indian Wells mache sich die deutsche Seite zu stark bemerkbar, bestärke sie in ihrem ohnehin schon massiven Streben nach Perfektion, und das führe zu Verspannungen.

Das fröhliche Chaos von Miami wirke dagegen entspannend und nehme diesem Streben etwas von seiner Dringlichkeit. „Die Stadt entspannt mich“, sagt sie. „Vielleicht sollte ich hierher ziehen“.

Vor vier Jahren zum ersten Mal im Halbfinale von Key Biscane

Wenn es um die Beschreibung ihres Tuns geht, ist sie ja ohnehin schwer zu überbieten, aber in Miami nähert sich die Qualität ihres Spiels diesem Niveau. Das war auch vor vier Jahren schon so, als sie zum ersten Mal unter den Palmen von Key Biscayne im Halbfinale gelandet war, nachdem sie zuvor die damalige Nummer eins, Caroline Wozniacki, besiegt hatte.

Doch in diesem Halbfinale, sagt Petkovic, sei sie mental und emotional fix und fertig gewesen, weil sie vorher alles an Energie verpulvert hatte. „Wahnsinn, vier Jahre sind das nur, aber es kommt mir vor, als wäre ich inzwischen ein anderer Mensch. Ich werde nie voll in meinem Selbst sein, so bin ich einfach nicht gestrickt. Aber ich hab’ das Gefühl, ich ruhe inzwischen ein bisschen mehr in mir.“ Inzwischen glaubt sie gelernt zu haben, mit sich und ihrer Energie ein wenig sorgsamer umzugehen, und die Dinge – zumindest gelegentlich – auch mal auf sich zukommen zu lassen. „Damals hab’ ich mir nichts sagen lassen, hatte Scheuklappen auf und hab’ mein Ding durchgezogen. Jetzt hab’ ich einfach eine bessere Balance.“

Taktische Geduld im Spiel

Von dieser Balance war beim Sieg gegen Pliskova einiges zu erkennen, vor allem im unrhythmischen ersten Satz. Den gewann sie mit einer Form von taktischer Geduld, die sie vor vier Jahren vermutlich nicht aufgebracht hätte. Und den Lohn dafür kassierte sie im zweiten, als die junge Tschechin offensichtlich die Lust verloren hatte.

Tennis Nach dem größten Erfolg ihrer Karriere, dem Halbfinale bei den French Open im vergangenen Jahr, steht sie zum zweiten Mal im Halbfinale jener Kategorie von Turnieren, die in der Bedeutung direkt nach den Grand-Slam-Turnieren kommen. Vier sind es – Indian Wells, Miami, Madrid und Peking. In Peking hatte sie 2011 schon mal das Endspiel erreicht, in ihrem bisher erfolgreichsten Jahr.

Die in dieser Woche gewonnenen Punkte tun ihr auch deshalb gut, weil sie in der kommenden Woche als Titelverteidigerin in Charleston eine Menge davon zu verteidigen hat. Auch das schöne Städtchen in South Carolina, knapp tausend Kilometer weiter oben an der Küste gelegen, ist ein Ort mit Entspannungsfaktor für Petkovic.

Offenes Halbfinale

Die Punkte, das Halbfinale an sich – alles wunderbar, aber sie sagt, mehr noch freue sie sich über die Qualität ihres Spiels. Über stabile Aufschläge, über die Übersicht, taktische Returns und Variationen. In dieser Hinsicht gehört Carla Suárez Navarro, gegen die sie nun am Donnerstag im Halbfinale spielen wird, zu den Besten des Frauentennis. Petkovic im Halbfinale: Die Sache ist offen diesmal; anders als vor vier Jahren.