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"Waldi" feiert Geburtstag - Sportmoderator Hartmann wird 65

10.03.2013 | 12:14 Uhr
Ein Länderspiel-Abend im September 2003: Nach dem mageren 0:0 gegen Island reagiert der damalige Teamchef Rudi Völler (r.) auf Hartmanns Fragen, na ja, ungehalten. Was folgte, ist Sportgeschichte.Foto: dpa

München.  Als "unterhaltender Journalist" verstand sich Waldemar Hartmann schon zu Beginn seiner Karriere als Sportmoderator. Unvergessen bleibt Rudi Völlers Wutrede gegen "Weißbier-Waldi" im Jahr 2003. Beruflich befindet sich Hartmann, der am 10. März seinen 65. Geburtstag feiert, mittlerweile im Abseits.

Es war eine Beschimpfung, doch sie wirkte wie ein Ritterschlag: "Du sitzt hier bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken und bist schön locker!", wetterte Bundestrainer Rudi Völler 2003 nach einem blamablen 0:0 gegen Island in seiner berühmten Wutrede. Gemeint war Sportmoderator Waldemar Hartmann, der in der Folgezeit als "Weißbier-Waldi" zum Kult wurde . Doch der Ruhm verblasst allmählich. Kurz nach seinem 65. Geburtstag am Sonntag veröffentlicht Hartmann ein Buch mit dem Titel "Dritte Halbzeit". Die dritte Halbzeit ist für Hobbyfußballer der gemütliche Ausklang nach dem Spiel. Beruflich befindet sich Hartmann genau dort - gegen seinen Willen.

Für Hartmann war sein Beruf nicht einfach ein Job, sondern vielmehr der Beweis, dass er es nach oben geschafft hat. Der am 10. März 1948 in Nürnberg geborene Franke brach mit 17 Jahren das Gymnasium ab und ging mit der Mittleren Reife in der Tasche als Diskjockey nach Augsburg. Ein paar Jahre später eröffnet er die Studentenkneipe "Waldys Club" und tat das, was er am besten kann: mit Menschen plaudern. "Kommunikationsort Nr.1" sei solch eine Kneipe, sagte Hartmann wiederholt in Interviews. Und an der Theke knüpfte er auch Kontakt zum Journalismus.

Bald volontierte er bei der "Schwäbischen Neuen Presse", ging dann zum Bayerischen Rundfunk nach München. Im Radio machte er mehrere Sendungen. Ab 1979 arbeitete er auch für das Bayerische Fernsehen. Der damals noch mit einem dichten Schnurrbart als Markenzeichen ausgestattete Hartmann verkörperte den typischen bayerischen Sportmoderator. Und er bekam immer häufiger Jobs bei Großereignissen. Elf Olympische Spiele, fünf Fußball-Weltmeisterschaften und diverse andere sportliche Großereignisse begleitete er.

Selbstverständnis als "unterhaltender Journalist"

Doch Hartmann war nie ein einfacher Sportmoderator. In einer Zeit, als der Livekommentar zu einem Fußballspiel sich oft noch auf das Benennen der Spielernamen beschränkte, war Hartmann schon einen Schritt weiter. Er verstehe sich als "unterhaltender Journalist", sagte er mal der "Tageszeitung". Und dies zeigte sich insbesondere in seinen Interviews. Sowohl körperlich als auch verbal näherte er sich seinen Gesprächspartnern immer stärker als andere - die "Duz-Maschine", wie Hartmann sich selbst bezeichnete, polarisierte Publikum und Kollegen.

N'Abend allerseits - 50 Jahre ARD...

Auf seiner Habenseite hat er dadurch eine Reihe Interviews, die in Erinnerung blieben. Mit Berti Vogts etwa in dessen besonders glücklosen Endphase als Fußball-Bundestrainer - 1998 wechselte der von Hartmann genervte Vogts mitten im Interview vom Du ins Sie. Hartmann siezte zurück. Doch das bekannteste Interview wurde das mit Völler.

"Ich hab eine hohe Zustimmung und eine hohe Ablehnung", beschrieb Hartmann im "Spiegel" mal seinen Stellenwert. In seinem eigenen Sender, dem BR, waren allerdings die Gegner seit längerem in der Mehrheit. Schon im Herbst 2000 wollte die BR-Sportchefin Marianne Kreuzer ihn absetzen. Der in dritter Ehe lebende Moderator konterte machohaft: "Ich halte es grundsätzlich für schwierig, wenn ein Mann eine Frau als Vorgesetzte hat." Kreuzers Versuch, Hartmann abzulösen, scheiterte dennoch. Vor allem Hartmanns Fans machten sich für ihn stark.

Peinliche Shows - prima Quoten

Noch einige Jahre ging das gut. Hartmann schaffte sogar eine Zweitkarriere als Sport-Unterhalter. Bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin bildete Hartmann mit Harald Schmidt das Duo "Waldi und Harry", die WM 2006 wurde zur Geburtsstunde für "Waldis Club" . Viele fanden die humorvollen Sport-Talks peinlich - doch die Quoten waren prima. Hartmann, der sich im Laufe der Jahre mit verschiedenen seiner Vorgesetzten öffentlich gefetzt hatte, verlor dennoch immer mehr an Rückhalt.

Dass sein Vertrag mit "Waldis Club" im Frühjahr 2012 nur für ein Jahr verlängert werden sollte, sah er als Affront und nahm nicht an. Die ARD beendete im Dezember auch sein Engagement als Box-Moderator . Hartmann schimpfte über eine angebliche Altersdiskriminierung - ab Sonntag ist er tatsächlich im Rentenalter. (AFP)



Kommentare
10.03.2013
23:42
Rudi
von schRuessler | #3

Seine Popularität verdankt Waldi doch nur dem legendären Wutausbruch von Rudi Völler.
Waldi selbst war und ist doch nur ein langweiliger Schwätzer.


1 Antwort
waldi
von buntspecht2 | #3-1

#3-1 Und ein arroganter dazu.

10.03.2013
22:04
waldi
von Kasslerfelder | #2

Er ist einer der unangenehmen Sportjournalisten, die sich selbst für wichtiger halten als das worüber sie berichten. Als löbliches Gegenteil nenne ich hier den kürzlich verstorbenen Harry Valerien. Ich weine Waldi keine Träne nach.

1 Antwort
Harry Valerien
von buntspecht2 | #2-1

#2-1oh oh Herr Valerien war auch niht ohne.

10.03.2013
20:49
Letztlich hat Hartmann sich auch überlebt
von ruhrgebieti | #1

Er paßte vielleicht in die 80er zu Lebzeit von Franz Josef Strauß mit seiner Steinzeit-Bayernart. Aber mit dem 21. Jahrhundert hatte seine Moderation wenig zu tun.

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