Udo Lattek – ein Erfolgsmensch, der zu leben wusste

Udo Lattek, aufgenommen 2004.
Udo Lattek, aufgenommen 2004.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Udo Lattek ist tot. Er starb mit 80 Jahren. Der deutsche Fußball hat seinen erfolgreichsten Vereinstrainer und ein knorriges Original verloren.

Essen.. Nach seinem letzten Auftritt im Trainergeschäft wurde er noch einmal ganz groß gefeiert. Im Jahr 2000 war das, Borussia Dortmund war im Abstiegskampf in Panik geraten. Die letzte Lösung hieß Udo Lattek, und im Gespann mit dem jungen Trainerneuling Matthias Sammer erledigte der bereits 65-Jährige die ihm angetragene Schwerarbeit mit Bravour. Natürlich ließ er sich den Job auch fürstlich honorieren, wie immer. Als der damalige BVB-Präsident Gerd Niebaum bei einer internen Feier eine Lobrede auf den Retter hielt, grinste Lattek und deutete mit den Händen die Steuerung eines Lenkrads an. „Brummbrumm“ soll er dabei gesagt haben. Ein dezenter Hinweis darauf, dass ihm auch noch ein Auto der Kategorie Luxusklasse versprochen worden war.

So war Udo Lattek, der – wie nun bekannt wurde – am Sonntag im Alter von 80 Jahren verstarb. Ein Fußballversteher, ein Erfolgsmensch, ein Mann der Tat und des klaren Wortes. Und einer, der zu leben wusste. Mit einigen Lastern und reichlich Risiken.

Kultfigur am Fernsehstammtisch

In seiner größten Zeit, in den Goldenen Siebzigern des deutschen Fußballs, hatte er ein Abo auf Titel und Triumphe abgeschlossen. Unter seiner Regie begann die grandiose Zeit des FC Bayern, mit Cleverness und Gerissenheit führte er ein extravagantes Ensemble mit Welt- und Europameistern wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Paul Breitner und Uli Hoeneß auch an Europas Spitze. Und als Hennes Weisweiler, sein großer Gegenspieler in jenen Jahren, Borussia Mönchengladbach verließ, übernahm Lattek Weisweilers Job am Niederrhein – wieder mit meisterlichen Folgen.

Trauer In Essen hatten sie ihm das krumm genommen, denn eigentlich hatte Udo Lattek 1975 bereits bei Rot-Weiss unterschrieben. Als dann das Gladbacher Angebot kam, meinte er lapidar: „Was würden Sie denn machen, wenn Sie die Wahl zwischen einem Fahrrad und einem Mercedes hätten?“

Ja, Udo Lattek konnte sehr direkt sein, auch verletzend. Aber jede Methode ließ sich leicht erklären: Sieger haben im Hochleistungssport immer Recht. Mit acht Meistertiteln krönte er sich zum erfolgreichsten Bundesligatrainer.

Nachdem er die Bank verlassen hatte, setzte sich Udo Lattek in einen Fernsehsessel. Seine regelmäßigen Auftritte als Experte am Sonntags-Stammtisch des DSF, später Sport1, wurden Kult. Lattek legte den Finger in jede Wunde und unterhielt die Leute mit Anekdoten aus einer Zeit, die er für die gute, alte hielt.

16 Jahre lang funktionierte auch dieses Konzept. Dann wurde Udo Lattek krank. Er erlitt zwei Schlaganfälle, überstand eine Hirnoperation, Parkinson und Altersdemenz nahmen ihn gefangen. Zuletzt lebte er in einem Kölner Pflegeheim.

Die ganz Großen der Fußballwelt haben sich am Mittwoch verneigt. Vor einem der ihren.