Sportler kritisieren Übertragung der Champions League im ZDF

Regt sich über zu viel Fußball bei den Öffentlich-Rechtlichen auf: Diskuswerfer Robert Harting.
Regt sich über zu viel Fußball bei den Öffentlich-Rechtlichen auf: Diskuswerfer Robert Harting.
Was wir bereits wissen
Sportler ärgert die Fußball-Lastigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders. „Eine breite sportkulturelle Bildung findet nicht mehr statt“, beklagt der Diskus-Olympiasieger Robert Harting. Dabei will das ZDF mit der Fußball-Übertragung gerade jüngere Zuschauer an sich binden.

Mainz.. Premiere fürs ZDF: Ab heute überträgt das Zweite die Champions League. Zum Auftakt zeigen die Mainzelmänner das Play-Off-Spiel zwischen der Borussia aus Mönchengladbach und Dynamo Kiew (20.45 Uhr/ZDF, Sky und im DerWesten-Ticker).

54 Millionen, so wird kolportiert, soll der Öffentlich-Rechtliche Sender für eine Saison und 18 Spiele gezahlt haben. Ein königliches Honorar für die Königsklasse. Die Kritik folgte prompt. Denn im Gegensatz zu Sat.1, wo die Champions-League bisher ausgestrahlt wurde, werden die Millionen aus den Gebühren der Zuschauer finanziert.

Zahlreiche Sportler, allen voran der Diskus-Olympiasieger Robert Harting, kritisieren das Vorhaben des ZDF scharf. „Die Kinder und der Nachwuchs müssen Interesse bekommen. Das bekommen sie nicht, wenn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nur noch Fußball gezeigt wird“, sagte Harting am letzten Donnerstagabend in der ARD-Sendung „Beckmann“. „Es gibt ja einen Staatsauftrag. Da fließen Milliarden rein, das sind ja unsere Gelder. Aber eine breite sportkulturelle Bildung findet nicht mehr statt“, fügte er hinzu.

Kinder kennen viele Sportarten nicht mehr

Das Problem des mangelnden Nachwuchses in den olympischen Disziplinen sei nicht allein finanziell bedingt. Vielmehr würden „Kinder Sportarten wie Judo oder Leichtathletik heute oft nicht mehr kennenlernen, weil auch Grundschullehrer im Sportunterricht nur noch Fußball spielen lassen“.

Dabei will das ZDF mit der Fußball-Übertragung gerade jüngere Zuschauer an sich binden. „Nehmen wir das ‘heute-journal’, das in der Halbzeitpause laufen wird, oder die Formate, die unmittelbar nach der Champions League folgen: Da erhoffen wir uns natürlich, dass auch die jungen Zuschauer Bekanntschaft mit Sendungen machen werden, die sie vielleicht sonst nicht so konsumieren und sich das Interesse am ZDF-Programm insgesamt erhöhen wird“, sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd.

Oliver Welke präsentiert zwölf von 18 Spielen

Den Auftakt eines jeden ZDF-Spieltages macht ein „Uefa-Champions-League-Magazin“ von 19.25 bis 19.35 Uhr. Dann läuft eine Dreiviertelstunde reguläres Programm, heute zum Beispiel die Krimiserie „Die Rosenheim-Cops“. Mit der „direkten Einstimmung auf das Spiel“ beginnt der Sender um 20.25 Uhr, um 23.15 Uhr ist Schluss.

Werbepausen – wie zuvor bei Sat.1 – wird es nicht geben, wie der ZDF-Sportchef betonte. „Auch nach Spielende können wir beim Spiel bleiben und die Emotionen zeigen, weil wir nicht gezwungen sind, danach Werbung zu senden.“

Hauptmoderator beim ZDF ist Oliver Welke. Er soll zwölf der 18 Spiele präsentieren. Für Analysen und Gespräche steht Oliver Kahn bereit. Als zweiter Moderator wurde Jochen Beyer verpflichtet. Bei den Live-Reportern vertraut das ZDF auf „alte Hasen“: Béla Réthy, Oliver Schmidt, Thomas Wark und Wolf-Dieter Poschmann.