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Moderatorin Julia Scharf musste gegen Schubladendenken kämpfen

10.12.2012 | 22:32 Uhr
Julia Scharf moderiert seit Ende November den Sportblock in den Tagesthemen.Foto: Foto: Sebastian Stiphout Photography Kleid: Susanne Wiebe

Essen.   Seit Ende November ist Moderatorin Julia Scharf im Sport-Team der Tagesthemen-Redaktion in Hamburg. Die studierte Sportwissenschaftlerin beobachtet die Entwicklung von Frauen im Sportjournalismus und findet einige Ideen und Konzepte "sehr bedenklich". Ein Interview.

Der Bezahlsender Sky setzt in Fußballberichterstattung der Zweiten Bundesliga montags komplett auf Frauenpower. Kritiker sagen, dass allerdings bei der Auswahl der Moderatorinnen vor allem auf Aussehen und weniger auf Kompetenz Wert gelegt wird. Eine, die Sportjournalismus von der Pieke auf gelernt hat, hat Ende November den Sprung aus dem Privatfernsehen zu den ARD-Tagesthemen geschafft. Moderatorin Julia Scharf sieht die Entwicklungen im Sportjournalismus bedenklich.

Frau Scharf, müssen Sie sich manchmal rechtfertigen, warum Sie im Fernsehen über Sport berichten dürfen?

Julia Scharf: Nein, das muss ich nicht. Aber ich hatte zu Beginn meiner Karriere oft zu kämpfen, dass ich nicht in diese Schublade gesteckt werde, ich hätte meinen Job nur wegen meinem Aussehen bekommen.

Ich frage, weil der Pay-TV-Sender Sky seit kurzem vermehrt auf gut aussehende Frauen setzt. Esther Sedlaczek gewann ein Moderatorinnen-Casting und montags präsentieren ausschließlich Frauen, die auch das Cover einer Modezeitschrift schmücken könnten, das Top-Spiel der Zweiten Liga.

Scharf: Grundsätzlich finde ich es etwas fragwürdig, dass beim Thema Frauen im Sportjournalismus einige Sender mittlerweile die Tendenz haben, das Aussehen der weiblichen Sportmoderatoren im TV in den Vordergrund zu stellen und damit das "italienische" oder "spanische" Modell zu bevorzugen. Aussehen ist zu oft das einzig wichtige Kriterium und der sportliche Background tritt viel zu sehr in den Hintergrund. Ob man sich im Leben bisher schon intensiv mit Sport befasst hat, ist zu häufig nebensächlich.

Sie haben diesen Hintergrund: Sowohl sportlich als auch journalistisch.

Scharf: Ich habe selbst Leistungssport gemacht und Sport studiert. Außerdem habe ich diverse Trainerscheine und zu Beginn meiner Journalisten-Karriere in der Lokalredaktion über die Kreisklasse geschrieben. Und es hat mir Spaß gemacht.

Der Trend ist das aber nicht.

Scharf: Das finde ich schade, denn es gibt viele gute Frauen im Sportjournalismus. Man darf nicht immer nur von den Fernsehleuten sprechen. Es gibt viele Frauen in Print- oder Hörfunkredaktionen. Auch in unserer Redaktion gibt es zahlreiche Frauen, die hinter den Kulissen arbeiten. Man müsste sich also die Mühe machen und diejenigen finden, die alle Voraussetzungen mitbringen.

Also Fachkompetenz und ein ansprechende Äußeres.

Scharf: Für einen ernstzunehmenden Journalismus sollte der Fokus immer auf der Fachkompetenz liegen. Als Fernsehjournalist brauchst du dann auch noch die Vermittlungskompetenz. Ich bin mir sicher, dass es genügend Talente gibt - egal ob Männer oder Frauen. Man muss sich nur - genauso wie im Fußball - die Mühe machen und eine gute Scouting- und Ausbildungsabteilung an den Start zu schicken.

So eine "Abteilung" hat Sie gefunden und von Sport1 über den SWR zu den Tagesthemen gelotst.

Julia sexy und Scharf

Scharf: Thomas Hinrichs, der Tagesthemen-Chef, hat mir während der Olympischen Spiele gesagt, dass er mich schon zu Sport1-Zeiten im Auge hatte und er es toll fände, wenn ich Sonntags die Bundesliga in der ARD präsentieren könnte.

Und bald moderieren Sie die Sportschau am Samstag oder das Aktuelle Sportstudio?

Scharf: Das Aktuelle Sportstudio ist ja beim falschen Sender. Die Sportschau ist natürlich reizvoll. Aber Matthias Opdenhövel und Franziska Schenk haben gerade erst die Redaktionen verstärkt, deshalb wird es dort sicherlich erst mal keinen Bedarf geben. Das geht es nicht immer so wahnsinnig fix.

Sie müssen aber trotzdem weitere Ziele haben…

Scharf: Bei den Olympischen Spielen oder einer Fußball-Weltmeisterschaft zu arbeiten, wäre ein Traum von mir. Aber jetzt kommt 2013 erstmal ein Jahr ohne sportliches Großereignis. Langweilig wird es trotzdem nicht.

David Nienhaus


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