Gute Debatte im "Aktuellen Sportstudio" zu Ultras und Hooligans
15.01.2012 | 09:34 Uhr 2012-01-15T09:34:25+0100
Essen. Hat die Gewalt in deutschen Stadien zugenommen? Zu diesem Eindruckgelingt dem Aktuellen Sportstudio im ZDF eine gute Diskussionsrunde. Ultras sind nicht gleich Hooligans, lernt man dort. Und doch gibt es noch viel Gesprächsbedarf zwischen DFB, Vereinen und Fans.
Die Diskussion, wie man mit gewaltbereiten Fußballfans umgehen sollte, sie kocht in den letzten Wochen und Monaten immer wieder hoch. Nicht zuletzt nach den Ausschreitungen beim Pokalspiel Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden, den Tumulten beim Zweitligaspiel MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf oder den Schlägereien beim Hallenturnier in Hamburg mit vor etwa einer Woche. Die Diskussionsrunde im Aktuellen Sportstudio am späten Samstagabend im ZDF zeigte, dass es sich lohnt, darüber zu sprechen.
Dabei ging es zunächst darum, dass genau das bei der letzten Gesprächsrunde des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Fanvertretern zu keinem Ergebnis führte. Nach drei Runden wurden die Gespräche abgebrochen. Liga-Präsident Reinhard Rauball sprach von einer „Geisterdebatte“. Eigentlich sollte darüber verhandelt werden, ob Ultras im engen Rahmen eines Pilotprojektes Bengalische Feuerwerke einsetzen dürfen und sich im Gegenzug dazu verpflichten, sich an die abgesprochenen Regeln zu halten. Dabei seien es zu seiner Überraschung „sehr sachliche Gespräche“ gewesen, bestätigt Jannis Busse, Sprecher der Initiative „Pyrotechnik legalisieren“. Dass sie trotzdem zu keinem Ergebnis führten, hinterlässt bei Mainz 05-Manager Christian Heidel einen faden Beigeschmack: „Mein Gefühl ist: Die Entscheidung stand schon vorher fest.“
Manager selbstkritisch
Heidel zeigte sich in der Diskussion auch selbstkritisch: „Die Vereine machen auch Fehler im Umgang mit der Pyrotechnik“, gestand er ein. Bei Feiern mit den Fans nach großen Erfolgen machten sich Vereinsangehörige und Spieler manchmal auch keine Gedanken, wenn dann Bengalos zum Einsatz kämen – die ja eigentlich verboten seien.
Es ist zunächst eine sehr sachliche Diskussion im Aktuellen Sportstudio. Bei einem Thema, das sonst die Gemüter leicht hochkochen lässt. Ein Erfolg dieser sachlichen Diskussion: Vorurteile und Unschärfen in der bisherigen Debatte kommen zutage. Es gehe zum Beispiel keineswegs um eine generelle Legalisierung von Pyrotechnik, stellt Hendrik Große Lefert, Vorsitzender der DFB-Task-Force „Sicherheit“ klar. Diskutiert worden waren Pilotprojekte, mehr nicht.
Vorurteile widerlegt
Zweitens gelingt es Moderator Michael Steinbrecher, auch Vorurteile gegenüber Ultra-Fans zu widerlegen. Zunächst ganz einfach dadurch, dass einige ihrer Vertreter im Studio sind und mitdiskutieren. „Ultras werden immer mehr mit Gewaltbereitschaft in Verbindung gebracht“, sagt Mainz 05-Manager Christian Heidel. Dabei sei den Vereinen schon lange klar, dass es wichtig ist, mit ihnen zu kommunizieren. Bei den regelmäßigen Gesprächen von Mainzer Vereinsvertretern mit Fans säßen Ultras selbstverständlich mit im Tisch, erzählt er.
Ultras seien schlicht „die am stärksten wachsende Jugendkultur in Deutschland“, sagt Michael Gabriel von der Koordinierungsstelle Fankultur, die von Bund und DFB finanziert wird. „Ultras wollen mehr machen, als nur 90 Minuten im Stadion zu sein“, erklärt Philipp Markhardt, Sprecher der Initiative „Pro Fans“. Sie wollten Spruchbänder, Choreografien – und eben auch Pyrotechnik. Politologe Jonas Gabler sieht aber auch eine „große Widersprüchlichkeit“ der Szene, die sich zu 100 Prozent mit dem Verein identifiziere, ihm nicht schaden wolle, aber ab und zu auch ein paar Regeln brechen wollen.
Nicht mehr Gewalt
Auch die große Frage hinter der ganzen Debatte bringt Steinbrecher in die Diskussion ein: Hat die Gewalt zugenommen? Eine Antwort geben die Zahlen: 846 Verletzte gab es in der vergangenen Saison im Profi-Fußball, nicht mehr als in den Jahren zuvor. „Jeder Verletzte ist einer zuviel“, sagt der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn. „Aber 800 Verletzte gibt es beim Münchner Oktoberfest an einem Tag.“ Niemand diskutiere deshalb über ein Alkohol- oder Glasverbot.
Welche Spannungen bestehen, wird klar, als Fansprecher Jannis Busse auf Bernhard Witthaut von der Gewerkschaft der Polizei trifft. Schnell werden Vorwürfe laut, die bis dahin sachliche Diskussion wird emotionaler. Die Polizei setze Pfefferspray willkürlich ein, fördere mit massivem Auftreten eine aggressive Stimmung.
Spätestens da ist klar: Die Gespräche müssen weitergehen.
13:58
Was mir bisher noch niemand erklärt hat, ist, warum es gerade die Pyrotechnik ist, die zum Symbol der Ultrakultur gemacht wird.
16:17
Es ist doch nur eine kleine Minderheit, die sich an der Pyrotechnik erfreut. Die Fußballfans zahlen Eintritt und wollen ein Fußballspiel sehen . Die Debatte ist eine reine Selbstdarstellung. Die Ultras basteln teilweise ganz tolle Sachen und haben gute Projekte.
Übrigens Bengalos sind Seenotfackeln. Man kann sie NICHT löschen!!! Und damit gefährdet das Abrennen die Sicherheit im Stadion. Deshalb sind sie verboten. Kapiert???
Vor langer Zeit wurden im Westfalenstadion regelmäßig Wunderkerzen gezündet,
Das sah auch gut aus.
Klar kann man die löschen, wer sagt denn so etwas????
Aber es stimmt. Es gehört verboten, weil man, wenn sie abbrennen, andere in Brand stecken kann.
02:33
Wieso darf ich ins Stadion kein Fresspaket oder Pittermännchen mitbringen? Es würde mir abgenommen. Warum können Feuerwerkskörper ins Stadion gebracht werden? War da nicht mal was, dass diese Gegenstände nur an Silvester oder mit Gestattung abgefeuert werden dürfen?
Vielleicht gibt es besser ein Profifeuerwerk im Stadion oder eine Lasershow für die der Besucher eine entsprechende beim Eintritt entrichtet. Wer nur zum Stress machen, saufen und Prügeln anreist ist eh falsch. Angehörige von Hundertschaften währen vielleicht auch mal froh nicht jedes Spiel "ansehen" zu müssen.
Allen Fans eine schöne Rückrunde!
Habe da was vergessen: "eine entsprechende Abgabe beim Eintritt entrichtet."
15:50
In anderen Ländern sind die meisten Zuschauer auch nicht so besoffen. Nehmen wir aber ein ausländische Bespiel. Österreich. In AUT gibt es Bereiche, in denen keine Jugendliche unter 18 rein dürfen. In diesen Bereichen stehen jede Menge Feuerlöscher und Sandkübel. Abbrennen dürfen die Bengalos dort Personen, die einen Lehrgang gemacht haben. Diese Personen sind absolut nüchtern. Bespiel Türkei. Auch da ist verboten Bengalos abzubrennen. Doch es stört dort niemanden, wenn es passiert. Das Geschrei ist dort erst groß, wenn es passiert. (sage mal auch bauen von Häusern ohne Genehmigung und Erdbeben. Aber das geht zu weit). Wo wird noch gezündelt? England? Nein. Frankreich? Nein. Niederlande? Nein. Für mich ganz klar. So lange die Voraussetzungen nicht da sind, keine Pyros im Stadion.
13:45
Meiner Meinung nach ist es völlig egal ob sich jemand als "Hooligan" "Ultra" oder "Bundespräsident" fühlt - es gibt Regeln und Gesetze und da haben sich ausnahmslos ALLE dran zu halten.
Wenn es genug Leute gibt die der Meinung sind sie müssen Pyrotechnik abbrennen obwohl das nach geltendem Recht nicht zulässig ist, dann sollen die eine Partei gründen die das im Gesetzgebungsverfahren legalisiert statt witzlose Diskussionsrunden zu starten mit Teilnehmern die das eh nicht erlauben dürfen (Polizei, Vereine - oder sind wir schonso weit das Fussballvereine und Polizei die Gesetze ändern können?).
Im Prinzip wirkt das doch als wenn sich eine "Raser- Bürgerinitiative" formieren würde und in Verhandlungen mit der Polizei treten würde nach dem Motto " Wir wollen rasen, wir werden rasen, also erlaubt uns zu rasen -und die paar Unfallopfer mehr die könnten auch wo anders (Oktoberfest) passieren...."
Bin ich eigentlich der einzige der das ziemlich kafkaesk findet, was da gefordert wird?
Wird der Bundespräsident sofort mit Gewaltbereitsschaft und Randalierer gleichgesetzt? Nein, und das wollen Ultras auch nicht.
Wenn man die Sendung gesehen hätte, geht es um mit Ordnungsamt und Feuerwehr ein genehmigtes Feuerwerk in einem festzulegendem Bereich im Stadion (wahrscheinlich vor dem Zaun) abzubrennen. Genau das soll das Bedürfnis nach Lichtshow abdecken, damit man den illegalen Bengalos absolut den Grund wegnimmt. Es gibt sogar zur Zeit mehr Bengalos, seitdem die DFL die Gespräche schroff beendet hat.
Verbieten, Kontrollieren und trotzdem sind die Dinger immer im Stadion.
Und Pefferspray gehört auch nicht unter einem Tribünendach eingesetzt, wo Unschuldige auch nicht flüchten können. Das ist staatliche Körperverletzung.
13:44
egal von welcher gruppe feuerwerk oder sonstiges mitgebrcht wird, dieses gehört nicht in ein fußballstadion. es müssen genauere personenkontrollen durchgeführt werden und die personen die dieses zeug mitbringen müssen mit einem lebenslangem stadionverbot in europa bestraft werden.
....aber ansonsten kommst du schon noch klar, oder? In anderen europäischen Ländern sind Bengalos erlaubt. Einfach nur lächerlich was du da forderst.
Ich schließe mich s04michel an. Feuerwerkskörper gehören nicht in die Hände angesoffener Hirnis. Wohin das führt, zeigen Ereignisse in anderen Ländern. PAOK Saloniki ist im April zu 250.000 € Geldstrafe verknackt worden, weil sich die "ach so tollen Ultras" so toll verhalten haben. Der Torwart von AEK Athen ist von einem Feuerwerkskörper am Kopf getroffen worden. Anstatt zu diskutieren, sollte die Polizei diese Schwachköpfe aus den Stadien prügeln. Ferner sollten die Personalien an andere Sportvereine weitergegeben werden, damit sich gewaltbereite Vollschwachmaten keine neuen "Betätigungsfelder", beim Eishockey, Basketball, etc. suchen können, wenn sie ein Stadionverbot haben.