Christina Graf will als Sky-Kommentatorin „nicht wie ein Wasserfall reden“

Freut sich über ihre Chance bei Sky: Christina Graf.
Freut sich über ihre Chance bei Sky: Christina Graf.
Was wir bereits wissen
Christina Graf wird am Sonntag als erste Frau eine Profi-Partie über 90 Minuten live im deutschen Fernsehen kommentieren. Die 26-jährige Ex-Bundesliga-Spielerin aus Heinsberg setzte sich gegen 1200 andere Bewerberinnen im Casting des Bezahl-Senders Sky „Wir suchen deine Stimme“ durch.

Düsseldorf.. Es war eine illustere Runde, die am Donnerstagabend vor dem Rückrundenauftakt in einem Düsseldorfer Nobelhotel zusammengekommen war, um vor einem virtuellen Kamin über die zweite Hälfte der Saison 2012/13 zu diskutieren. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus war gekommen und auch Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, gab sich die Ehre. Im Mittelpunkt aber eigentlich: Christina Graf. Die ehemalige Bundesliga-Spielerin aus Heinsberg wird am kommenden Wochenende (3. Februar) Fernsehgeschichte schreiben. Dann nämlich kommentiert die 26-Jährige als erste Frau eine Profi-Partie über 90 Minuten live im deutschen Fernsehen. Gegen 1200 andere Bewerberinnen setzte sich Graf im Casting des Bezahl-Senders Sky „Wir suchen deine Stimme“durch.

Bei der Veranstaltung in Düsseldorf allerdings hielt sich die Siegenerin noch sehr zurück. Sie überließ die Diskussionen über Pep Guardiola und den FC Bayern München, das Für und Wider von BVB-Rückkehrer Nuri Sahin und Schalkes Chancen auf Erfolg den „alten Hasen“ des Geschäfts. Erst nach 90 Minuten – wie passend – lächelte Matthäus charmant rüber an das andere Tischende und hob das Weinglas: „Wir trinken jetzt mal auf die Dame da“, sprach der Weltmeister von 1990 den Tost auf Graf aus. Dann wurde auch die Casting-Gewinnerin etwas redefreudiger. Graf erzählte von ihren Erfahrungen beim Lokalradio in Siegen, wo sie die Spiele der Sportfreunde betreute und von ihrem Job in der Sportredaktion des Nachrichtensenders n-tv.

Sport medial Max Eberl war ganz angetan von der künftigen Kommentatorin und fragte sich, warum es keinen einzigen männlichen Fußball-Kommentator in der Branche gibt, der Profi-Erfahrung auf der Bundesliga-Bühne hat. „Auch da schreiben Sie Geschichte“, lächelte der Manager in Richtung Graf. Eigentlich möge sich nicht so gerne, im Mittelpunkt zu stehen, erzählte sie WAZ.de vor besagtem Abend in Düsseldorf.

Frau Graf, steigt Ihre Nervosität vor diesem historischen Wochenende?

Christina Graf: Nein, nervös bin ich nicht, obwohl ich das eigentlich gedacht hätte. Aber vielleicht liegt es daran, dass es mein Berufwunsch ist, den ich bislang bei Radio Siegen machen durfte. Jetzt gibt Sky mal einer Frau die Chance und ich bin froh, dass ich es geworden bin. Ich musste allerdings ein bisschen überlegen, ob ich mich bewerbe oder nicht.

Sie haben gezögert, diesen Schritt zu machen?

Graf: Ja, denn es ist schon ein großer Schritt. Radio Siegen hat viele Zuhörer und dort ist man auch sehr kritisch. Aber im Fernsehen und gerade bei Sky ist das eine andere Hausnummer. Gerade als erste Frau musste ich dann überlegen, ob es wirklich das Richtige ist. Ich habe viel Bestätigung aus meinem Umfeld bekommen. Und jetzt bin ich froh, dass ich das mache.

Wie sieht deine Vorbereitung auf die Partie am Sonntag aus?

Graf: Ich habe beide Mannschaften schon mehrfach gesehen und mir von allen Mannschaften Autogrammkarten bestellt. Die werde ich mir hinpinnen, damit ich jedes kleinste Detail weiß. Natürlich lese ich alles über Fußball, was ich in die Hände bekomme.

Hatten Sie einen Mentor, der Ihnen in der entscheidenden Phase zur Seite stand?

Graf: Kai Dittmann war bei den Workshops während des Castings dabei und hat mir signalisiert, dass ich ihn immer anrufen kann, wenn ich Fragen habe. Und ich glaube, das ist auch so mit allen anderen Kollegen. Ich habe zwei, drei Probeaufnahmen gemacht und war mit Klaus Feldmann und Jürgen Schmitz unterwegs. Auch die stehen mir zur Seite und helfen mir.

Graf: "Wenn man überhaupt nicht aneckt, ist das nicht gut."

Wenn Sie an Sonntag, 15.15 Uhr denken, dann, wenn die Premiere vorbei ist: Was muss und was darf auf keinen Fall passieren?

Graf: Mir ist es am Wichtigsten, dass ich fachlich völlig auf der Höhe bin. Wenn es in diesem Bereich nichts zu kritisieren gibt, wäre ich glücklich. Und der worst case wäre natürlich genau das Gegenteil: Wenn fachlich nichts stimmt, würde ich wahrscheinlich an mir selbst verzweifeln. Dann würde wahrscheinlich auch Sky sagen: "Wer war das denn da im Casting?" Ich hoffe, dass das Spiel nicht völlig aus den Fugen gerät, zwei, drei Tore fallen und alles im Rahmen bleibt.

Marcel Reif hat den 11Freunde-Chefredakteur und Autor Christoph Biermann als "Flüsterer" an der Seite. Haben Sie auch Hilfe am Sonntag?

Graf: Flüsterer? In der Zweiten Liga ist man alleine. Alleine mit seinen Statistiken und Notizen, die man sich gemacht hat.

Haben Sie denn beim Radio Erfahrung damit gemacht, sich Notizen für 90 lange Minuten zu machen?

Graf: Beim Radio waren es eigentlich eher Schalten, aber zuletzt habe ich tatsächlich auch Spiele über 90 Minuten kommentiert. Allerdings waren wir bei Radio Siegen zu zweit, weil man dann auch seine Pausen hat. Das ist übrigens das Erste, was uns Kai Dittmann in den Work-Shops gesagt hat: "Die Pausen sind das Wichtigste. Wenn ihr das könnt, dann habt ihr schon eine Menge." Ich werde nicht wie ein Wasserfall reden.

Fritz von Thurn und Taxis oder Reif polarisieren und haben Fans und Hater - wollen Sie polarisieren?

Graf: Schwer zu sagen. Man kann sich auch durch alles durchschlängeln, sich unantastbar machen. Wenn man überhaupt nicht aneckt, ist das nicht gut. Dafür bin ich auch nicht der Mensch. Ich denke, das wird mir schon passieren, denn ich bin nicht aalglatt und sage zu allem "Ja und Amen". Ein bisschen polarisieren ist gut, aber nicht zu sehr - die Mischung muss stimmen. Aber wenn man ehrlich ist: Man wird nicht allen gefallen und es wird nicht jeder schlecht finden. Das Mittelmaß ist gibt es auch noch.

Wären Sie bereit für das Szenario, wenn in Regensburg am Sonntag ein Tor umkippt? Jauch und Reif lassen grüßen.

Graf: (lacht) Das war damals schon eine ganz krasse Nummer in Madrid. Ich glaube, es wäre vermessen, wenn man sagt, das würde ich locker hinkriegen.

Regensburg ist ein wenig spektakuläres Pflaster für eine Premiere wie Ihre.

Graf: Ich bin erstmal froh, dass mir Sky die Möglichkeit gibt, in der Zweiten Liga zu starten. Es gibt keinen Verein, auf den ich mich besonders freue oder der besonders spektakulär ist. Natürlich gibt es in der Zweiten Liga auch die Kultstätten, wo ich gerne mal hin will. Aber ich bin genauso gerne auch bei allen anderen Vereinen. Als Frau durfte das bislang noch niemand, und deshalb freue ich mich einfach sehr drauf.

Wie geht es dann weiter?

Graf: Erstmal sind zwei Spiele terminiert. Ich habe einen Vertrag bis Saisonende und dann gucken wir weiter, ob es mir gefällt und ob Sky zufrieden ist...