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Britta Heidemann musste bei Olympia „viele Nerven“ lassen

10.12.2012 | 19:38 Uhr
Britta Heidemann musste bei Olympia „viele Nerven“ lassen
Fechterin Britta Heidemann hat dramatische Spiele hinter sich.

Essen/Köln.  Im Interview via Twitter spricht Fechterin Britta Heidemann über ihre Silbermedaille in London, die bangen Minuten bis zur Bekanntgabe ihres Sieges und den Kampf gegen Doping. Die Olympiasiegerin von 2008 überlegt, ihre Karriere noch bis Rio 2016 fortzusetzen.

Auch nach den Olympischen Spielen ist Britta Heidemann eine gefragte Frau. Die Silbermedaillen-Gewinnerin von London begleitete im Oktober als Sonderbotschafterin Außenminister Guido Westerwelle auf seiner Ministerreise nach China. Selbst in der Adventszeit ist Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann noch viel auf Achse. Fernsehauftritte, Interview- und Sponsorentermine und die Anfrage für ein Twinterview, einem Interview via Kurznachrichtendienst Twitter. Die Rheinländerin hat sich erst vor einer Woche dort angemeldet und bekam dabei tatkräftige Unterstützung von Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen und seiner Freundin. Ohne Hambüchen stellte sich Britta Heidemann am Montag den Fragen im Twitter-Interview.

Hallo @HeidemannBritta (Das ist der Twittername von Britta Heidemann. Anm. d. Red.). Hast du eigentlich noch mal eine "Sekunde" mit Shin A Lam gesprochen nach dem 30. Juli in diesem Jahr?

Britta Heidemann: Hallo @ruhrpoet (Das ist der Twittername von Redakteur David Nienhaus. Anm. d. Red.). Hallo zusammen! Nach unserem Halbfinale haben der koreanische Trainer und ich uns in den Armen gelegen . Das war ein tolles Zeichen!

Viele Leute hätten viel Geld für deine Gedanken in den langen Sekunden des Wartens bezahlt. Gib uns bitte einen Einblick.

Britta Heidemann auf ihrem heimsichen Sofa während des Interviews via Twitter.Foto: Twitter @HeidemannBritta

Heidemann: Das war Anspannung pur - ich wusste gar nicht genau, was und wie diskutiert wurde. So viele Nerven hab ich noch nie gelassen! - nächster Tweet - .... und übrigens noch einmal SORRY für die vielen "Beinahe-Herzinfarkte".     

Und dann kam der Moment der Gewissheit. Wie viele Menschen haben deine Silber-Medaille danach bis heute angefasst?

Heidemann (lacht): Ziemlich viele. Die meisten finden super, dass die Medaille richtig schwer ist und einige wollen auch reinbeißen. Nix da!

Ist es schwer, nach so viel medialer Aufmerksamkeit wie in London wieder runterzukommen & nicht immer der Sportler zu sein?    

Heidemann: Ich finde es schön, wenn sich die Leute dafür interessieren. Ausruhen kann ich mich dann zu Weihnachten und danach im Urlaub.       

Ist die Aussicht auf Medaillen und Adrenalin noch einmal Motivation, dein Karriere-Ende doch noch bis 2016 rauszuzögern?

Heidemann: Ich habe das Training wieder aufgenommen und werde sehen, wo ich nächstes Jahr stehe und wie ich weiterplane. Rio 2016 ist nicht ausgeschlossen.

Und das trotz des Anti-Doping-System in Deutschland, von dem du gesagt hast, es sei „das aufwendigste auf der ganzen Welt“?

Heidemann: Das ist ja auch gut so. Insgesamt muss das System natürlich noch optimiert werden, damit es richtig praktikabel ist.

Wo und vor allem wie siehst du denn die Möglichkeiten, das Anti-Doping-System zu optimieren?

Ein Bild aus der vergangenen Woche: Fabian Hambüchen (l.), Kunstturner und Silbermedaillen-Gewinner von London 2012, erklärt Britta Heidemann Twitter.Foto: Twitter @HeidemannBritta

Heidemann: Dafür brauche ich mehr als 140 Zeichen. Zur besseren Umsetzung in allen Bereichen des Anti-Doping-Kampfes sind höhere finanzielle Mittel vonnöten.

Der Deutsche Olympische Sportbund DOSB hat die Verschärfung der Doping-Richtlinien abgelehnte - keine harten Strafen für Dopingsünder. Was ist deine Meinung dazu?

Heidemann: Das stimmt ja so nicht! Harte Strafen gibt es jetzt schon. Sperren erfolgen derzeit unmittelbar und treffen Dopingsünder sofort.

Thomas Bach will "die Arbeitsteilung von Sport und Staat nicht gefährden". Gibt es in der kontroversen Diskussion einen Mittelweg?

Heidemann: Ich denke, dass auf allen Ebenen weiter versucht wird, den Anti-Doping-Kampf weiterzuführen. Diskussionen über die Art und Weise gehören dazu.

Neben Doping wird vor allem das Fördersystem für Athleten diskutiert. Lohnt es sich heute noch, Profisportler zu werden?

Heidemann: Es lohnt sich immer, seiner Leidenschaft nachzugehen! Um das als Sportler zu können, sollte die Förderung der Jugend ausgebaut werden.

Und damit sind in erster Linie Trainer gemeint?

Heidemann: Trainer auch, aber der Athlet, der sich professionell auf den Sport konzentriert,muss finanziell ausreichend unterstützt werden.

Nach getaner Arbeit schaut Florian Hambüchen noch nach dem Training im Hause Heidemann vorbei.Foto: Twitter @HeidemannBritta

Ich lerne aus diesem Interview via Twitter, dass zwei, drei Themen einfach zu komplex und spannend sind für 140 Zeichen - nächster Tweet - Du warst zuletzt als Sonderbotschafterin bei der Ministerreise in China zusammen. Was können wir von den Chinesen lernen?

Heidemann: Das ist wahr. Aber Themen anzustoßen, ist ja auch spannend. So kurz habe ich mich übrigens noch nie gefasst (lacht).        

Du warst zuletzt als Sonderbotschafterin bei der Ministerreise in China. Was können wir von den Chinesen lernen?

War total spannend, das Auswärtige Amt zu begleiten. Die Chinesen sind pragmatisch und flexibel. Davon kann man sich was abschauen.        

Letzte Frage: Auf welche Sportler freust du dich in Baden-Baden und am Freitag in Dortmund bei der Felix-Verleihung am meisten?

Heidemann: Immer toll, alle Sportlerkollegen wiederzutreffen! Freue mich sehr auf diese Abende,v.a. mit meinem "Kleinen", @fhambuechen (Das ist der Twittername von Florian Hambüchen. Anm. d. Red.). - nächster Tweet - Ha. Da kommt er gerade. Auch dir: Danke und allen Mitlesern einen schönen Abend! Hat Spaß gemacht! Eure Britta.

 

Was ist ein Twinterview?

Es ist ein Interview der etwas anderen Art. „14 Fragen in 140 Zeichen“ heißt die Serie bei DerWesten, in der Sportler über den Kurznachrichtendienst „Twitter“ interviewt werden – ein Twinterview. Das Twinterview soll nicht durch den Standard eines normalen Interviews oder besonderen Tiefgang bestechen. Es ist ein Interview für zwischendurch.

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David Nienhaus



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