Spahic ist in Leverkusen Geschichte

Mainz..  Es schien Rudi Völler ziemlich wichtig, Zusammenhalt zu demonstrieren. Als Michael Schade am Samstag im Erdgeschoss der Mainzer Arena gerade die nächsten Handlungsschritte im Fall Emir Spahic mitteilte, eilte der in Ehren ergraute Sportchef von Bayer Leverkusen herbei, um den Geschäftsführer kräftig in den Arm zu nehmen. „Man muss sich doch auch einmal freuen in diesen schwierigen Tagen“, sagte Völler und meinte den 3:2-Sieg in Mainz. Aber das beherrschende Thema war auch in Mainz die Prügelattacke Emir Spahics. Am Sonntag zog Leverkusen dann den Schlussstrich und vermeldete die vorzeitige Trennung vom Innenverteidiger.

Attacke gegen den Pressesprecher

Seitdem der 34 Jahre alte Spahic im Anschluss an das Pokalspiel am Mittwoch gegen den FC Bayern mit seltsamen Gefolgsleuten im Innenraum der BayArena wie von Sinnen auf eigene Ordner eingeprügelt hatte, von denen vier kurzzeitig im Krankenhaus behandelt und einem mehrere Zähne ausgeschlagen wurden, stand der Werksverein unter Schock. Geschäftsführer Schade erklärte am Sonntag: „Emir Spahic ist ein herausragender Fußballspieler, der sich mit seinen Leistungen um Bayer 04 verdient gemacht hat. Die jüngsten Erkenntnisse nach dem Vorfall am vergangenen Mittwoch ließen uns jedoch keine andere Wahl.“

Das von eigenen Anhängern in Mainz aufgespannte Plakat („Emir, einer von uns“) hat nicht verhindert, dass der Klub die Zusammenarbeit mit dem vertraglich eigentlich bis 2016 gebundenen Profi aufkündigte. Dass die Kollegen mit dem von der Staatsanwaltschaft wegen schwerer Körperverletzung angeklagten Rüpel abgeschlossen hatten, war aus dem Statement von Kapitän Simon Rolfes nach dem 3:2-Sieg herauszuhören. „Wir wünschen dem Ordner gute Besserung: Er gehört auch zu unserem Verein. Der Sieg ist auch für ihn.“

Mehr Distanz zu einem Mitspieler geht nicht. Da nützte dem 2013 verpflichteten Bosnier auch ein Eingeständnis in schriftlicher Form nichts mehr. Er bedaure sein Verhalten, „für dieses möchte ich mich bei den Betroffenen und deren Familienangehörigen entschuldigen“, ließ Spahic mitteilen, der einer Vertragsauflösung am Sonntag ohne jede weitere Forderung zustimmte.

Die fristlose Kündigung wegen vereinsschädigenden Verhaltens war aus vielerlei Gründen unvermeidlich. Wie Kommunikationsdirektor Meinolf Sprink nun bestätigte, sei Spahic bereits im September 2013 gegen Pressesprecher Dirk Mesch handgreiflich geworden, als der den Auftrag gegeben habe, das Fahrzeug von Spahic um wenige Meter auf dem Vereinsgelände umzuparken. Mesch wollte damals dem Spieler nur den Schlüssel wieder überreichen.