Späte Reue

Es gab in diesen Tagen viele Leute, die mit dem Finger auf den FC Bayern gezeigt haben. Darunter der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger, der den Bossen des Klubs gerade vorhält, eine moralisch zweifelhafte Einstellung zu haben und sich „im Zweifel auf die Seite des Geldbeutels“ zu stellen.

Der Angriff ist nachvollziehbar, tatsächlich müsste es für jeden Anhänger des Rekordmeisters – zumindest wenn man keine Hornhaut auf der Seele hat – eine Zumutung sein, dass der eigene Klub sein Trainingslager in Katar durchführt, wo man Todesfälle in Kauf nimmt, weil Arbeitskräfte beim Bau von Stadien wortwörtlich unter mörderischen Bedingungen arbeiten müssen.

Vielleicht wäre der Unmut weniger groß, wenn der Meister auf seiner Wintertour nicht auch noch eine Stippvisite im tiefsten saudi-arabischen Mittelalter eingelegt hätte, wo man Aktivisten noch öffentlich auspeitschen lässt, wenn sie für religiöse Debatten eintreten. Immerhin – Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hat gestern eingeräumt, „dass es besser gewesen wäre, die Menschenrechtsproblematik deutlich anzusprechen.“ Das sind wahre Worte. Ob sie aus Überzeugung gesprochen wurden, wird sich leider erst bei künftigen Reisen überprüfen lassen.