Sogar die langen Unterhosen musste er besorgen

Whangarei..  Gerd Zeise war frustriert. Im zweiten Spiel von Myanmar bei der U-20-WM in Neuseeland wurde dem deutschen Fußballtrainer vorgeführt, wo sein Team steht. Beim 0:6 gegen die Ukraine bekam seine Mannschaft am Dienstag in Whangarei ihre Grenzen aufgezeigt. „Ich muss mich bei den Fans von Myanmar entschuldigen, ich bin für diese Katastrophe verantwortlich, aber ich kann einen Radfahrer nicht in einen Rennfahrer verwandeln“, sagte der in Essen geborene Zeise.

Dabei war er nach dem knappen 1:2 im ersten Spiel gegen die USA noch optimistisch. Doch nach der einseitigen Partie gegen die Ukraine gab sich der 62-Jährige geläutert: „Dieses Turnier kam noch zu früh für uns. Wir können mit diesen Teams nicht Schritt halten, keine Chance.“

Diese Erkenntnis war bitter für Zeise. Schließlich hatte er seine jungen Spieler intensiv auf die erste Teilnahme des asiatischen Landes an einer Fußball-WM vorbereitet. Er machte sich sogar über die Unterwäsche Gedanken. „Wenn wir uns nicht warm anziehen, dann gehen wir kaputt“, sagte er vor dem Turnier. Zeise flößte das nasskalte Wetter in Neuseeland Respekt ein: „Die Temperaturen sind ein größerer Gegner als die anderen Teams.“

Um seine Spieler vor den kühlen Temperaturen zu schützen, kaufte er ihnen lange Unterwäsche und brachte eine wärmende Salbe aus Myanmar mit. Außerdem reiste er mit ihnen zur Gewöhnung in diesem Frühjahr durch Europa – inklusive Zwischenstopp in Duisburg für ein Trainingsspiel gegen das U-19-Team des MSV. Auch die Kontertaktik, mit der es Myanmar in Neuseeland probierte, hatte Zeise lange einstudiert. Das ist in Myanmar intensiver möglich als beispielsweise in Deutschland, weil dort die Junioren-Auswahlen das gesamte Jahr über in einem Internat wohnen.

Und Zeise hat viel Zeit in das Fußballprojekt Myanmar investiert: Seit vier Jahren arbeitet er schon in dem Tropenland, das zwischen Bangladesch und Thailand liegt. Vor zehn Jahren war es allerdings noch nicht absehbar, dass Zeise einmal in Asien als Trainer arbeiten würde. Er lebte damals in Berlin und arbeitete dort seit 2001 als Sozialpädagoge.

Manager von Rot-Weiss Essen

In den 90er-Jahren hatte er als Manager von Rot-Weiss Essen und dem FC Homburg im Fußballgeschäft sein Geld verdient und auch für ein Jahr als Trainer den damaligen belgischen Erstligisten Harelbeke betreut. 2006 wollte er zurück zum Fußball. Doch er sei zu lange raus gewesen, um in Deutschland einen Job zu bekommen, sagte Zeise, der nie Profi war und 1988 die Fußballlehrer-Ausbildung absolvierte. In Vietnam war die Pause kein Problem, und so begann seine Asien-Karriere, die ihn nun nach Neuseeland führte.

Am Freitag muss die U-20-Mannschaft von Myanmar noch einmal ran, dann gegen den Gastgeber. Zeise wird dann auf ein erwärmendes Ende des Turniers für seine Auswahl und sich hoffen.

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