Siegeszeremonie ohne deutsche Beteiligung
17.02.2011 | 19:35 Uhr 2011-02-17T19:35:00+0100
Garmisch-Partenkirchen. Im Riesenslalom bei der Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen kam von den Golden Girls Maria Riesch, Viktoria Rebensburg und Kathrin Hölzl nur Viktoria Rebensburg ins Ziel. Als Fünfte. Gold gewann Tina Maze.
Es sollte der Medaillen-Donnerstag für den Deutschen Ski-Verband bei den Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen werden. Doch als Tina Maze aus Slowenien nach ihrem Gold-Lauf als Zugabe für die Zuschauer trotz der schweren und klobigen Skischuhe eine blitzsaubere Radwende auf der eisigen Oberfläche stand, war endgültig klar, dass die große Siegeszeremonie auf der Medal Plaza ein weiteres Mal ohne deutsche Beteiligung über die Bühne gehen würde. Gold gewann Maze, Silber ging an die Italienerin Federica Brignone (0,09 Sekunden zurück), Bronze holte die Französin Tessa Worley (0,48 Sekunden zurück), die noch von Rang 19 aufs Podium gefahren war.
Von den drei deutschen Golden Girls, Doppel-Olympiasiegerin Maria Riesch, Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg und Weltmeisterin Kathrin Hölzl, kam im Riesenslalom nur die 21-jährige Rebensburg als Fünfte ins Ziel. Riesch, im ersten Durchgang als Vierte noch in Reichweite der Medaillen, schied im zweiten Lauf aus und stand minutenlang wie paralysiert an der Kandahar-Strecke. Hölzl hatte mit schmerzverzerrtem Gesicht bereits nach Platz 20 im ersten Durchgang den Wettbewerb abgebrochen und vorzeitig die Saison beendet.
Auch Viktoria Rebensburg stand die tiefe Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Ich habe im zweiten Lauf alles probiert, aber es ist diesmal nicht ausgegangen. Mein Ziel war eine Medaille. Leider habe ich mir im unteren Teil einige Schnitzer geleistet“, sagte die Studentin aus Kreuth. Vor einem Jahr hatte sie bei den Olympischen Winterspielen auf dem Hang in Whistler nach dem ersten Durchgang ebenfalls auf dem sechsten Platz gelegen, um dann noch knapp vor Tina Maze zum Gold zu rasen. „So ist der Sport, das Leben geht weiter“, griff sie zu einem Standardsatz, den schon so viele enttäuschte Sportlerinnen vor ihr gesagt haben.
Bis Maria Riesch endlich den Zielhang herunter rutschte, waren viele Minuten vergangen. Zu groß war im ersten Moment der Frust über das Aus in der „Hölle“, wie der tückische Streckenabschnitt auf der Kandahar heißt. „Ich bin schon sehr traurig und enttäuscht, aber dann ist mir eingefallen, dass ich hier schon zwei Medaillen gewonnen habe“, sagte sie später, „ich wollte lieber etwas riskieren, als Fünfte oder Sechste zu werden.“
Titelverteidigerin Hölzl gab mit Tränen in den Augen auf
Selbst von solch einem Ergebnis war Kathrin Hölzl weit entfernt. Die Titelverteidigerin gab mit Tränen in den Augen auf. Drei Wochen lang musste sie wegen hartnäckiger Rückenbeschwerden auf das Skitraining verzichten. Die 26-Jährige hat eine Odyssee durch ganz Deutschland hinter sich. Sie suchte verzweifelt Ärzte und Osteopathen um Rat, um endlich diese fürchterlichen Schmerzen in den Griff zu bekommen. Ihre Rheuma-Faktoren im Blut sind erhöht, so viel scheint festzustehen, aber die endgültige Diagnose für ihr Dauer-Leiden ist immer noch nicht gefunden. Am Anfang dieser WM-Woche konnte sie erstmals wieder nach einem Training lächeln. Doch die Schmerzen setzten in der Nacht zum Donnerstag erneut ein. „Ich wollte es probieren. Auch für die Zuschauer“, sagte Kathrin Hölzl, „aber ich habe mich nur den Hang heruntergequält. Ich kann noch nicht einmal vernünftig auf einem Bein stehen. Wie soll man dann Skifahren?“
In diesem Winter wird die Weltmeisterin von 2009 jedenfalls nicht mehr auf die Bretter gehen. Für sie steht jetzt erst einmal eine gründliche Ursachenforschung im Vordergrund, um ihre weitere Karriere nicht zu gefährden. Auch für Rebensburg, die sich in den ausstehenden Weltcup-Rennen die Kristallkugel für die beste Riesenslalom-Fahrerin sichern will, ist die WM beendet. Von den drei deutschen Trümpfen hat jetzt nur noch Maria Riesch im abschließenden Slalom-Wettbewerb am Samstag eine Chance, auch bei der Heim-WM zum Golden Girl zu werden. Wird sie bis dahin den Frust verdaut haben? Viktoria Rebensburg ist da ganz sicher: „Die Maria hat schon so oft bewiesen, dass sie im entscheidenden Moment die richtige Antwort geben kann.“ Wie vor zwei Jahren bei der WM, als sie sich noch das Slalom-Gold schnappte.

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