Seminare sollen Referees bald auf Problemspieler vorbereiten

Angriffe, Drohungen, Schmährufe. In speziellen Seminaren sollen Schiedsrichter bald besser auf ihren Arbeitsalltag vorbereitet werden. Doch die Referees sehen auch die Vereine in der Pflicht.
Angriffe, Drohungen, Schmährufe. In speziellen Seminaren sollen Schiedsrichter bald besser auf ihren Arbeitsalltag vorbereitet werden. Doch die Referees sehen auch die Vereine in der Pflicht.
Foto: dpa
Tätliche Angriffe, Drohungen, Beleidigungen. Schiedsrichter müssen sich beim Fußball einiges gefallen lassen. In Seminaren sollen die Referees deshalb bald auf den rauen Arbeitsalltag vorbereitet werden. Außerdem richten die Schiedsrichter einen Appell an die Vereine - und fordern mehr Solidarität.

Essen.. In speziellen Seminaren sollen Schiedsrichter bald besser auf ihren rauen Arbeitsalltag vorbereitet werden. Das kündigt Andreas Thiemann, Schiedsrichter-Obmann im Fußballverband Niederrhein (FVN) und beim Westdeutschen Fußball - und Leichtathletikverband (WFLV) an: "Es soll eine allgemeine Fortbildung geben, an der jeder Schiedsrichter teilnehmen kann", sagt Thiemann.

Ziel der Fortbildung sei es, die Schiedsrichter in deeskalierendem Verhalten zu schulen und ihnen Methoden des Konfliktmanagements beizubringen. So sollen sie aggressive Spieler schneller erkennen und lernen, gefährliche Situationen zu entschärfen. Am Samstag hatte der Angriff auf einen Schiedsrichter in Essen für Aufsehen gesorgt. Ein Spieler hatte den 56-Jährigen Referee so hart geschlagen, dass er mit einem doppelten Kiefernbruch ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

"Solche Fußballer dürfen nie wieder spielen"

Die Seminare seien derzeit im Aufbau, erklärt Thiemann. Wann sie beginnen, sei noch nicht klar. Die Schiedsrichter hatten sich eine solche Fortbildung gewünscht. Das habe eine Befragung der Referees innerhalb des WFLV ergeben, sagt Thiemann. Der 45-Jährige nimmt allerdings auch die Vereine in die Pflicht.

"Fußballer, die auffällig geworden sind, dürfen nie wieder spielen", fordert Thiemann. Zu oft würden die Problemspieler bei ihrem Verein rausfliegen, ihre Sperre absitzen und anschließend bei einem neuen Verein anheuern. "Das darf nicht sein. Da sollten die Vereine mehr Solidarität mit den Schiedsrichtern zeigen." Thiemann spricht aus eigener Erfahrung. Während seiner Zeit als aktiver Schiedsrichter wurde er selbst tätlich angegriffen. Der Spieler wurde bestraft, konnte aber später bei anderen Vereinen wieder auflaufen. "Da hat er noch zweimal einen Schiedsrichter angegriffen."

Selbst einfachste Entscheidungen werden diskutiert

"Diese Leute haben im Fußball nichts zu suchen", sagt Thiemann, der berichtet, dass der Druck auf Schiedsrichter in den letzten Jahren tatsächlich immer größer geworden sei. "Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Die Menschen haben einfach immer weniger Respekt", beklagt er. Darunter würden Schiedsrichter und Polizisten gleichermaßen leiden. In Essen wollen erste Schiedsrichter bereits nicht mehr pfeifen.

Selbst einfachste Entscheidungen würden nicht mehr akzeptiert werden. "Da entzündet sich ein Konflikt daran, ob Einwurf ist, oder nicht". Auch Beleidigungen durch die Zuschauer seien keine Seltenheit. "Die glauben teilweise, dass der Fußballplatz ein rechtsfreier Raum ist". Die Folge: Immer weniger Menschen wollen Schiedsrichter werden.

2600 Referees zählt der Fußballverband Niederrhein, früher waren es mal 4400. "Das Interesse ist da", glaubt Thiemann. Jedes Jahr würden sich beim FVN fast 500 neue Schiedsrichter anmelden. "Aber ebenso viele hören nach schlechten Erfahrungen auch wieder auf." Thiemann fordert deshalb mehr Engagement von den Vereinen: "Der Schutz der Schiedsrichter ist für die Vereine schließlich auch eine Investition in die Zukunft."

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE