Sein Kampf geht weiter

Essen..  Er wollte wie so oft mit Freunden und Familie Silvester und seinen Geburtstag feiern. Ein paar Tage im Schnee. Doch ein Sturz im Skigebiet oberhalb von Meribel veränderte das Leben von Michael Schumacher und seinen Liebsten auf dramatische Weise. Selbst ein Jahr nach seinem Unfall am 29. Dezember 2013 ist ungewiss, wie Schumachers Weg zurück in ein halbwegs normales Leben enden wird. „Einen seriösen Ausblick könnte ich nie geben“, betonte Schumachers Managerin Sabine Kehm Ende November: „Das ist einfach nicht möglich in dieser Situation.“

Die Sponsoren sind treu geblieben

Bei dem Sturz war Schumacher mit dem Kopf auf einen Felsen geprallt. Er schwebte tagelang in Lebensgefahr, lag monatelang mit Verletzungen im Gehirn im künstlichen Koma. Dieser Kampf eines der größten Sportler auf dem Planeten löste weltweit Betroffenheit, aber auch einen riesigen Rummel aus. Ehefrau Corinna wandte sich schriftlich an die Medien, mit der Bitte, die Ärzte ihre Arbeit machen zu lassen. Schließlich kämpfte ihr Mann, der Vater von zwei Kindern im Teenager-Alter, auf der Intensivstation auch Tage nach seinem 45. Geburtstag am 3. Januar immer noch ums Überleben.

Bei den Testfahrten zur neuen Formel-1-Saison zeigten sich Schumachers ehemalige Kollegen geschockt. „Man betet, man wünscht, man hofft, dass das Wunder passiert und dass der Gleiche aufwacht, so wie er vorher war“, sagte Sebastian Vettel Ende Januar.

Rund zehneinhalb Monate später hielt der viermalige Weltmeister bei der Verleihung des Millennium-Bambis für Schumacher eine bewegende Laudatio auf sein Kindheitsidol – vor allem aber auch auf einen guten Freund. „Diese Freundschaft ist es, die mich heute Abend so glücklich und stolz macht, aber gleichzeitig auch ein bisschen traurig sein lässt. So sehr hätte ich mir gewünscht, dir diesen Ehrenpreis heute Abend persönlich zu überreichen.“ Vettels Augen zeigten, wie bewegt der 27-Jährige in diesem Moment war.

Noch immer schreiben Fans Briefe, schicken Genesungswünsche via Twitter oder Facebook. Und noch immer ist die Formel 1 in Gedanken bei dem 91-maligen Grand-Prix-Gewinner. Als Lewis Hamilton in Abu Dhabi den Fahrertitel für Mercedes holte, betonte Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Blick auf die famose Saison der Silberpfeile: „Wir dürfen auch nicht vergessen, was Michael dazu beigetragen hat.“ Drei Jahre, von 2010 an, war Schumacher für den deutschen Autobauer gefahren und hatte wie einst bei Ferrari Aufbauarbeit geleistet.

In seiner einzigartigen Karriere holte er neben sieben WM-Titeln und 91 Siegen unter anderem 68 Poles und schaffte 5114 Führungsrunden. Bei seinem schwersten Unfall im Rennauto zog er sich 1999 in Silverstone einen Schien- und Wadenbeinbruch zu. Zehn Jahre später verunglückte Schumacher bei einer Motorrad-Testfahrt in Cartagena: Er erlitt dabei eine Fraktur des siebten Halswirbels, der ersten Rippe links, im Bereich der Schädelbasis und in der Halswirbelsäule. Ein Comeback für Ferrari musste er im Sommer desselben Jahres wegen der Folgen des Unfalls absagen.

Ob Schumacher jemals wieder an einer Formel-1-Strecke sein kann, erscheint fraglich. „Fast alle“ seiner Sponsoren sind ihm aber treu geblieben, so Managerin Kehm. „Unser Konzept war immer eine Zusammenarbeit auf partnerschaftlicher, freundschaftlicher und persönlicher Basis. Diese Verbundenheit bewährt sich jetzt“, sagte sie.

Nur die engsten Beteiligten wissen über Schumachers Zustand Bescheid. Details wurden und werden nicht bekanntgegeben. Seit September ist Schumacher wieder zu Hause und setzt dort seine Genesung fort. „Aber es liegt weiterhin ein langer und harter Weg vor ihm“, hat Kehm schon mehrfach betont.