Seeler: „Das kann einem schon Angst machen“

Hamburg..  Heimpleite, Abstiegsplatz, Kabinenzoff und flüchtende Fans: Der einstmals große Hamburger SV ist am vorläufigen Tiefpunkt angekommen. Doch trotz des drohenden erstmaligen Absturzes in die 2. Fußball-Liga will Klubchef Dietmar Beiersdorfer die Saison mit Peter Knäbel als Coach durchziehen. „Ja, das schließe ich aus!“, antwortete der HSV-Vorstandsvorsitzende auf die Frage nach einem erneuten Wechsel.

„Wir müssen jetzt zusammenrücken und uns sammeln. Es sind ja noch 18 Punkte zu vergeben“, meinte Beiersdorfer nach der 0:2-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg.

Doch wer soll nach der Serie von acht Spielen ohne Sieg und 495 Minuten ohne eigenen Torerfolg beim wankenden Riesen die Wende herbeiführen? Nichts ist besser geworden unter dem mit großen Hoffnungen zurückgeholten Ex-Profi Beiersdorfer. Nach Mirko Slomka und Josef Zinnbauer ist Knäbel bereits der dritte HSV-Coach in dieser missratenen Saison. Seine schlimme Minusbilanz aus zwei Spielen: null Punkte und 0:6 Tore.

Doch damit nicht genug: Am Sonntag wurde bekannt, dass die Schweizer Nationalspieler Valon Behrami und Johan Djourou in der Halbzeitpause aneinandergeraten sind. Der HSV habe eine „emotionale Auseinandersetzung“ bestätigt, die Beteiligten seien mit einer Geldstrafe belegt worden, hieß es am Sonntag. Abwehrchef Djourou sah zudem wegen Meckerns Gelb-Rot.

Westermanns harsche Kritik

Entsetzt über den Absturz flüchteten die Fans in Scharen schon vor dem Abpfiff. Kurzzeit-Coach Knäbel schlug fassungslos die Hände vors Gesicht. Gelähmt vor Angst taumelt das Gründungsmitglied der Liga dem ersten Abstieg nach 52 Jahren Bundesliga entgegen. „Das kann einem schon Angst machen“, gestand HSV-Idol Uwe Seeler.

Individuelle Fehler leiten Woche für Woche die Niederlagen ein. Diesmal war es ein Patzer des Brasilianers Cleber, der ähnlich naiv daherkam wie in der Vorwoche Djourous Fehlpass beim 0:4 in Leverkusen. „Das war überflüssig und dämlich“, schimpfte Knäbel. Verteidiger Heiko Westermann wählte deutliche Worte für die katastrophalen zweiten 45 Minuten: „Leblos. Kein Mut, keine Aggression, keine Wut. Das hatte nichts mit Fußball zu tun.“