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Klitschko gegen Chambers

Schau mir in die Augen, Kleiner

28.01.2010 | 22:53 Uhr
Schau mir in die Augen, Kleiner

Düsseldorf. Box-Weltmeister Wladimir Klitschko geht mit Respekt, aber auch voller Zuversicht in seine Pflichtverteidigung am 20. März in Düsseldorf.

Eddie Chambers trägt ein dunkles Jackett und ein weit gereistes Gesicht, er ist erst gestern aus Philadelphia gekommen. Nun sitzt er in der Düsseldorfer Arena, auf deren Rasen ein Boxring aufgebaut ist, und sagt: „Ich werde die Welt schocken. Ich werde Wladimir Klitschko schlagen.“

Das haben schon viele gesagt, und es ist in den bisher 57 Profikämpfen des Ukrainers so selten vorgekommen wie im Fußball Eigentore aus der Hälfte des Gegners.

Am 20. März wird man es sehen: Dann steigt der US-Boxer als Herausforderer des Schwergewichts-Weltmeisters der Verbände IBF und WBO in Düsseldorf in den Ring. Das Klitschko-Management rechnet mit 51 000 Zuschauern und einem ausverkauften Haus. Und mit einem Sieg für Wladimir.

Chambers hat ein Problem: Er ist für einen Schwergewichtler klein, nur 1,85 Meter. Als er neben dem 1,98 Meter großen Klitschko steht, sieht es aus, als hätte sich ein Grundschüler in den Leistungskurs verirrt. Dan Goosen, der Promoter von Chambers, spielt den Größenunterschied mit Scherzen herunter. Vor dem „Stare down“, bei dem sich die Boxer traditionell für die Fotografen gegenseitig in die Augen starren, sagt er: „Für Eddie ist es ein Stare up.“

Der 28-Jährige lächelt und schaut tapfer nach oben. Er sieht sich in einer Reihe mit US-Schwergewichtslegenden wie Joe Louis, Joe Frazier oder Muhammad Ali. Keine Riesen, aber riesige Boxer. Und so fällt an diesem Nachmittag in Düsseldorf immer wieder der Name Muhammad Ali. Eddie Chambers, der auf den Spitznamen „Fast“ (schnell) hört, sei mindestens so schnell wie Ali, versichert Trainer Rob Murray.

Das klingt alles nicht schlecht, aber Ali war derjenige, der so schnell war, dass er durch den Regen laufen konnte, ohne nass zu werden. Und er war auch derjenige, der im Schlafzimmer das Licht ausschaltete, und im längst im Bett lag, als die Glühbirne noch nicht aus war.

So schnell soll Eddie sein? Trainer Murray, der auch unter dem geschlossenen Dach der mollig warmen Arena seine Sonnenbrille nicht absetzt, legt sogar noch nach: Er habe in seinen 40 Jahren im Boxgeschäft noch nie einen so talentierten Kämpfer wie Chambers erlebt. Wieder fällt der Name Muhammad Ali.

Und jetzt mal langsam: Bisher ist Chambers lediglich als eine Art Reclam-Ausgabe von Ali aufgefallen. Von seinen 36 Kämpfen hat er 35 gewonnen. Die Niederlage setzte es vor zwei Jahren in Berlin gegen den Russen Alexander Powetkin. Er gilt nicht als K.o.-Schläger, wobei die Nummer eins der WBO-Weltrangliste allerdings auch keine Hände aus Mürbeteig hat. In einem Ausscheidungskampf um das Recht der Herausforderung demolierte er den ukrainischen Riesen Alexander Dimitrenko.

Noch Fragen? Keine mehr, Chambers ist für ein paar Sätze über den Atlantik geflogen, doch dann nimmt Klitschko das Mikrofon. „Ich habe eine Frage!“ Chambers schaut verstört. „Was? Ein Gegner hat mir noch nie eine Fragte gestellt.“ Klitschko grinst, alles schon Kampf-Psychologie, eine richtige Frage hat er gar nicht. „Stell dich auf einen verdammt harten Kampf ein!“ Chambers lächelt: „Ok! Solltest du auch machen.“

1:1, aber das Gefühl bleibt: Chambers wird am 20. März in Düsseldorf vom Tellerchen der Großen essen, eine Platzkarte für ihre Festtafel wird er aber nicht erhalten. Chambers sagt noch: „Vielen Dank an Mister Klitschko für die Chance auf einen WM-Kampf.“ Abmarsch, man sieht sich am 20. März.

Ralf Birkhan

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