Schalke nimmt das Zukunftsrennen auf

Ein Mann macht sich Gedanken: Horst Heldt, Sportvorstand des FC Schalke 04.
Ein Mann macht sich Gedanken: Horst Heldt, Sportvorstand des FC Schalke 04.
Foto: Sebastian Konopka
Was wir bereits wissen
Der FC Schalke 04 diskutiert über den Vorschlag des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Clemens Tönnies, Mitglieder zu beteiligen. Manager Horst Heldt findet solche Gedankenspiele wichtig.

Gelsenkirchen.. Es ist Derbyzeit, Schwarz-Gelb trifft am Samstag auf Blau-Weiß, Schalke 04 muss nach den Rückschlägen beim 0:1 in Frankfurt und beim späten 1:1 gegen Bremen zusehen, gegen die nach drei Siegen in Serie wieder selbstbewusster gewordene Dortmunder Borussia zu bestehen. Man sollte meinen, der gesamte Verein richte seinen Fokus in diesen Tagen auf dieses Fußballspiel. Aber auf Schalke gibt es derzeit noch ein großes Thema, weil der Aufsichtsrats-Vorsitzende Clemens Tönnies im Laufe der Woche ein Fass mit der Aufschrift Zukunft aufgemacht hat.

Im Gespräch mit Sport-Bild hatte Tönnies die Idee vorgetragen, dass bei einer einmaligen freiwilligen Zahlung aller Schalke-Mitglieder in Höhe von 1000 Euro die Finanzverbindlichkeiten weitgehend getilgt sowie erhebliche Summen an Zins und Tilgung eingespart werden könnten. Dies alles vor dem Hintergrund, dass Schalke 04 ein eingetragener Verein bleiben soll, deshalb allerdings besondere Kreativität benötigt, um auch künftig mit all den von Investoren gefütterten Klubs mithalten zu können.

Ein Hirngespinst? Ein Wunsch? Ein Traum? Oder ein ernst zu nehmender Vorschlag? „Es ist ein Denkmodell, und wir warten mal ab, wie das bei den Mitgliedern ankommt“, erklärt Schalkes Medienchef Thomas Spiegel. Sportvorstand Horst Heldt findet es „richtig, dass man sich Gedanken macht und auf gewisse Szenarien vorbereitet“. Er sieht national wie internal zunehmende Konkurrenz. „Ingolstadt hat gute Chancen, in die Bundesliga aufzusteigen, und bei Leipzig wird es nur eine Frage der Zeit sein“, sagt er und verweist damit auf weitere zwei Klubs, „die andere Geldquellen generieren“. In Ingolstadt ist Audi Anteilseigner, Leipzig ist fest in der Hand von Red Bull. „In der Bundesliga wird es sehr viele Vereine geben, die um die wenigen begehrten Plätze spielen“, prophezeit Heldt.

Im internationalen Vergleich hat die gesamte Bundesliga ein gewaltiges Problem bekommen, seit bekannt wurde, dass ein neuer TV-Vertrag die Königsstellung der englischen Premier League weiter ausbaut. Heldt meint, die absoluten Weltklassespieler würden sich ohnehin die finanzstärksten und attraktivsten Klubs aussuchen. „Aber künftig mit Stoke City über Spieler der Top-Kategorien zwei und drei streiten zu müssen, das macht nicht unbedingt Spaß.“ Das bisher praktizierte „Financial Fairplay“, dem international beschäftigte Vereine unterliegen, biete zudem noch zu viele Schlupflöcher: „Einen Verein, der nicht aufs Geld schauen muss, mit Geldstrafen zu belegen, ist nicht unbedingt hilfreich“, meint Heldt.

Ziel bleibt der eingetragene Verein

Schalke wolle auf jeden Fall versuchen, den Status als eingetragener Verein aufrecht zu erhalten und nicht die Rechtsform zu ändern. Heldt glaubt, dass dies nicht automatisch bedeuten müsse, abgehängt zu werden: „Die Vergangenheit hat ja schon gezeigt, dass wir uns gegen Vereine mit größerem finanziellen Spielraum durchgesetzt haben.“ Schalke könne nach wie vor vieles bieten, und in der Tat wissen viele Stars ja auch die Besonderheiten dieses Vereins zu schätzen. Aber Schalke will eben auch nicht naiv in einen Marathonlauf mit gut vorbereiteter Konkurrenz gehen. „Wir dürfen uns nicht erst um Fünf vor Zwölf Gedanken über die Zukunft machen“, betont Horst Heldt.