Schalke muss sich stark verändern

..  Es steht noch ein Spieltag an, für einige Vereine wird es der entscheidende sein. Doch schon bevor am Samstag die Bundesliga-Saison 2014/2015 abgepfiffen wird, werden hinter den Kulissen die Fäden für die nächste Spielzeit gezogen. An der Transferbörse geht es hoch her, es wird gefeilscht, verhandelt und spekuliert. Es ist auch schon eine stattliche Anzahl an Ab- und Zugängen fix. Einige Vereine, darunter die Ruhrgebiets-Klubs Schalke 04 und Borussia Dortmund sowie der Branchenführer Bayern München, stehen vor Umbrüchen. Die spannende Frage wird sein: Wie heftig werden die Veränderungen ausfallen?

Hoffen auf Sami Khedira

Beim FC Schalke 04 hat das Beben vor einer Woche beim 0:2 in Köln begonnen und sich beim äußerst glücklichen 1:0 gegen Paderborn, das zumindest die Europa-League-Teilnahme sicherte, fortgesetzt. Die aufgebrachten Fans richten ihre Wut nicht mehr allein gegen die Mannschaft, sondern auch gegen die Verantwortlichen. Während der Aufsichtsrats-Vorsitzende Clemens Tönnies im Interview mit dieser Zeitung für die nächste Saison einen Umbruch ankündigte, distanzierte sich Manager Horst Heldt von diesem Begriff. Spürbare Maßnahmen aber wird Heldt, der wegen der Zusammensetzung des Aufgebotes selbst stark in die Kritik geraten ist, dringend vornehmen müssen. Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam sind bereits wie faule Äpfel aussortiert worden und haben trotz bestehender Verträge keine Zukunft mehr bei den Königsblauen.

Weitere Rausschmisse von Spielern, von denen nicht nur die Fans mehr erwartet hatten, wird sich der Verein nicht leisten können. Die Verträge von Christian Fuchs, Tranquillo Barnetta und Jan Kirchhoff laufen aus. Auf der Einkaufsliste ganz oben steht ein prominenter Mittelfeldspieler: Der bei Real Madrid aufs Abstellgleis geratene Weltmeister Sami Khedira soll mit seiner Erfahrung Stabilität in das wackelige Mannschaftsgefüge der Schalker bringen.

Immobiles Zukunft ist ungewiss

Nur wenige Kilometer von Gelsenkirchen entfernt muss ebenfalls eine unbefriedigende Saison aufgearbeitet werden: Borussia Dortmund, zwischenzeitlich sogar auf Platz 18 abgestürzt, kann zwar durch einen Pokalsieg in Berlin für einen versöhnlichen Abschluss sorgen, wird sich aber nicht nur durch den Trainerwechsel neu ausrichten müssen: Thomas Tuchel, der Jürgen Klopp ablöst, wird auch frisches Personal benötigen, damit der BVB wieder um Champions-League-Plätze spielen kann. Sicher ist bisher nur, dass Sebastian Kehl seine Karriere beendet, und dass Ilkay Gündogan seinen 2016 endenden Vertrag nicht verlängern wird – ein Wechsel in diesem Sommer könnte also noch viel Geld einbringen. Auch für den als Fehleinkauf abgestempelten Ciro Immobile, der wie Adrian Ramos den nach München abgewanderten Torjäger Robert Lewandowski nicht ansatzweise ersetzen konnte, scheint die Uhr in Dortmund abzulaufen.

Kramer und Kruse werden fehlen

Der BVB selbst hat seine Fühler nach zwei Mittelfeldspielern ausgestreckt: Johannes Geis von Mainz 05 und Gonzalo Cas­tro von Bayer Leverkusen sollen künftig in Schwarzgelb spielen, auch Augsburgs Außenverteidiger Abdul Rahman Baba wird mit Dortmund in Verbindung gebracht.

Die andere Borussia, die dem BVB in dieser Saison überraschend deutlich den Rang abgelaufen hat, steht vor dem Problem, zwei Leistungsträger ersetzen zu müssen: Mönchengladbach hat die Verluste von Christoph Kramer, der ausgeliehen war und zu Bayer Leverkusen zurückgeht, und Max Kruse, der sich dem VfL Wolfsburg anschließt, zu verkraften. Filip Daems wird ebenfalls gehen, Thorben Marx beendet seine Karriere. Als Neuzugang steht bisher Hannovers Kapitän Lars Stindl fest.

De Bruyne ist heiß begehrt

Die Verpflichtung von Max Kruse zeigt, wohin der VfL Wolfsburg steuert: Die finanzkräftigen Niedersachsen, die sich enorm entwickelt haben und auf Platz zwei stehen, haben ja schon Nationalspieler André Schürrle vom FC Chelsea geholt und werden sich weiter verstärken, um in der Champions League bestehen und national den FC Bayern attackieren zu können. Wolfsburgs Problem: Ihr bester Mann wird von internationalen Top-Klubs umworben – es wird die Frage sein, ob der Belgier Kevin De Bruyne zu halten ist. Pikant: Auch die Bayern sind an dem Mittelfeld-Ass interessiert.

Das Zögern des Branchenführers

Wegen der zahlreichen Verletzungen von Leistungsträgern, die zum Teil in die Jahre gekommen sind, werden die Münchener auf dem Transfermarkt garantiert groß einkaufen. Bisher tut sich aber noch nicht viel: Die Verträge von Mitchell Weiser und Claudio Pizarro laufen aus, Neuzugang ist bisher nur der talentierte Joshua Kimmich, der zurzeit von Stuttgart an Leipzig ausgeliehen ist.