Schalke liegt am Boden

Gelsenkirchen..  Es gab da eine Szene kurz vor dem Ende der Partie, als Benedikt Höwedes an der Mittellinie einen Zweikampf verlor und platt wie eine Flunder auf dem Boden liegen blieb, während die Freiburger den nächsten Angriff inszenierten. Nichts symbolisierte die Hilflosigkeit des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 an diesem Tag so sehr wie dieses Bild: Sogar der Weltmeister lag am Boden. Dass Schalke 04 sich davon würde verabschieden müssen, sein Saison-Ziel noch zu erreichen, hatte sich lange abgezeichnet. Schockierender war die Art und Weise, wie dies geschah: „Maßlos“ nannte Manager Horst Heldt seine Enttäuschung nach dem 0:0 auf eigenem Platz gegen den SC Freiburg, bei dem der Abstiegskandidat durch Julian Schuster sogar noch einen Foulelfmeter verschoss.

Heldt soll Mannschaft umbauen

Nach drei Jahren, in denen Schalke ununterbrochen in der Champions League vertreten war, gestand nun auch Heldt ein, dass die Mannschaft in dieser Saison nicht gut genug dafür ist: „Die Champions League ist mit dem heutigen Tag ad acta gelegt.“ Die Fans pfiffen ihre Mannschaft nach dem Spiel gnadenlos aus – es wirkte absurd, dass dazu noch die Vereinshymne vom „Königsblauen S04“, dem „König im Revier“ gespielt wurde.

Unter dem von Heldt im Oktober engagierten Trainer Roberto Di Matteo spielt Schalke bis zum heutigen Tag die schlechteste Rückrunde seit 22 Jahren – damals hieß der Trainer Helmut Schulte, der nur eine eher kurze Zeit auf der Schalker Bank saß. Unter Di Matteo hat die nun sehr viel ambitioniertere Mannschaft in den ersten elf Rückrundenspielen nur drei Siege geschafft, zuletzt dreimal in Folge kein Tor geschossen und die letzten vier Spiele alle nicht gewonnen. Diese Bilanz wirkt umso krasser, da Schalke im Vorjahr unter Trainer Jens Keller noch die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt hatte: 36 Punkte aus 17 Spielen. Keller wurde im Oktober durch Di Matteo ersetzt, weil sich Schalke eine kontinuierliche Entwicklung versprach. Dass diese Rechnung im ersten halben Jahr nicht aufgegangen ist, lasten die Macher aber nicht dem Italiener an. „Ich habe doch keine Lust, über den Trainer zu diskutieren. Der steht nicht zur Debatte“, sagte Vereinschef Clemens Tönnies am Sonntag bei Sport1. Er beschrieb Di Matteo als „bienenfleißig“ – mit dem gleichen Attribut hatte er einst auch Vorgänger Keller gepriesen.

Di Matteo soll in der neuen Saison eine Mannschaft entwickeln, die wieder gehobenen Ansprüchen gerecht wird – das Personal dazu soll der Manager besorgen. „Horst Heldt hat den Auftrag, die Mannschaft umzubauen und zu verstärken. Wir werden uns von einigen Spielern verabschieden, die nicht laufen“, kündigte Tönnies an. Damit kann nicht nur Kevin-Prince Boateng gemeint sein, der selbst gegen Freiburg nicht mehr gebraucht wurde. Tönnies hofft, dass Heldt eine Einigung mit Sami Khedira erzielen kann: die finanziellen Mittel seien vorhanden – trotz der verpassten Champions League.

Die Mannschaft soll nun in den verbleibenden sechs Spielen alles daran setzen, wenigstens die Teilnahme an der Europa League zu sichern. Dass die Spieler gegen Freiburg nicht den Eindruck hinterließen, als seien sie darauf besonders erpicht, konterte Heldt mit der Drohung, die Spieler sonst im nächsten Jahr an den freien Terminen auf eine Tingeltour über die Dörfer zu schicken: „Darauf hat keiner Lust.“