Schalke auf dem Weg nach Europa

Gelsenkirchen..  Wenn die Voraussetzungen für Festspieltage nicht gegeben sind, ergibt es im Fußball Sinn, sich auf die Basisarbeit zu konzentrieren. Das verbliebene Aufgebot des personell arg gerupften FC Schalke 04 hat dies verinnerlicht, es schlägt sich mit geschlossener Teamarbeit weiterhin tapfer und ist 2015 noch unbesiegt. Im ewig jungen Bundesliga-Klassiker gegen Borussia Mönchengladbach sicherten sich die Königsblauen mit einem 1:0-Erfolg drei wertvolle Punkte, mit denen sie an dem direkten Konkurrenten im Kampf um die Champions-League-Ränge vorbeizogen.

Trotz des Ausfalls von neun wertvollen Profis hatte Schalkes Trainer Roberto Di Matteo auf die üblichen Belastungen einer Englischen Woche reagiert und nach dem 1:1 in München drei neue Spieler für die Startelf nominiert: Jan Kirchhoff, Marco Höger und Tranquillo Barnetta ersetzten die zunächst auf die Bank verwiesen Roman Neustädter und Max Meyer sowie Sidney Sam.

Die Partie begann wie erwartet von Strategie geprägt: Beide Teams riskierten in den ersten zehn Minuten wenig. Schon in Minute elf aber schlug Schalke mit der ersten guten Gelegenheit den Temperaturen entsprechend eiskalt zu: Jan Kirchhoff eroberte den Ball, passte nach rechts außen zu Kevin-Prince Boateng, dessen erste Hereingabe zu ungenau war, so dass Kirchhoff noch einmal nachsetzen musste: Zweiter Pass hinaus auf Boateng, zweiter Versuch - und eine perfekte Flanke landete am ersten Pfosten, wo Tranquillo Barnetta den Ball zum 1:0 über die Linie drückte.

Jetzt mussten die Gladbacher, die sich gewöhnlich auf gut organisierte Abwehrarbeit und schnelle Konter verstehen, selbst kommen. Die Schalker schafften es aber, die meisten Angriffe der Borussen vom Tor, das erstmals in der Arena von dem erst 19-jährigen Timon Wellenreuther bewacht wurde, fernzuhalten. Dabei tat sich vor allem Kapitän Benedikt Höwedes hervor, der seine Arbeit hochkonzentriert verrichtete und seine Nebenleute steuerte - auch Joel Matip und Matija Nastasic verteidigten tadellos. Und als doch einmal ein Ball durchschlüpfte, visierte der ehemalige Schalker Raffael das dritte Stockwerk der Nordkurve an.

Diszipliniert hielten sich die Schalker auch nach der Pause an die von Trainer Di Matteo verordnete Taktik. In diesen Zeiten sind keine Schönheitspreise zu gewinnen, für Schalke geht es momentan um Stabilität. Diese Entwicklung hin zu mehr Sicherheit ist unter der Regie des Italieners zunehmend zu besichtigen. Die Dreier-Abwehrkette, die bei gegnerischem Ballbesitz auch zur Fünferkette werden kann, zeigte keine Risse, Ballverluste im Aufbau wurden durch kluges Passspiel vermieden.

Die Gladbacher warten gerne auf Fehler ihrer Gegner - die Schalker aber weigerten sich beharrlich, den Borussen in die Karten zu spielen. Das sah auch der Torschütze so: „Wenn man keine Torchancen zulässt, ist es für den Gegner schwierig, ein Tor zu schießen. Wir haben schon gegen die Bayern wenig zugelassen, das ist ein Hauptziel von uns“, meinte Tranquillo Barnetta. Sein Treffer machte ihn froh: „Es tut mir gut, wenn ich zeigen kann, was ich draufhabe.“

So passte ein Puzzleteilchen zum anderen: Schalke 04 hat sich Schritt für Schritt zurück nach oben gearbeitet. Kein schlechtes Merkmal für einen Ruhrgebietsverein.